Wie kalt ist der Kühlschrank bei Stufe 4? PDF Drucken

Der erste Einkauf in der eigenen Wohnung ist getan. Stolz räumt Jennifer ihren Kühlschrank ein.  Foto: Erich MalterDaheim auszuziehen ist spannend – zum ersten Mal selbst für die Verpflegung zu sorgen auch

 

Nur noch ein paar Wochen, dann beginnt für viele der diesjährigen Abiturienten das Studium. Für einige bedeutet das auch: zum ersten Mal raus von zu Hause und rein in die eigene Studentenbude. Da wird alles zum Abenteuer – und plötzlich ist auch den Kühlschrank zu füllen aufregend.


Die erste eigene Wohnung. Oder vielleicht besser gesagt, das erste eigene Zimmer im privaten Studentenwohnheim. Die Möbel sind schon drin, persönlich eingerichtet ist es mittlerweile auch. Bilder hängen an der Wand, Postkarten am Regal und Fotos an der Pinnwand. Das Bett ist bezogen, die Küche mit Geschirr ausgerüstet. Außer einigen Kleinigkeiten fehlt nichts mehr.
 

Zufrieden blicke ich mich in meinem Zimmer um. Die Uni hat zwar noch nicht angefangen, aber ich bin schon startklar. Und heute gibt es den großen Probelauf. Das erste Mal ganz alleine in meinen eigenen vier Wänden übernachten.
 

Ich räume noch ein paar Klamotten in den Schrank und teste anschließend, ob ich mit meinem Laptop ins Internet komme. Funktioniert. Ich strahle vor mich hin. Alles perfekt, in meiner eigenen kleinen Fast-Studenten-Welt.
 

Langsam wird es Abend. Ich chatte mit Freunden und irgendwie knurrt mein Magen. Essen, das wäre jetzt eine gute Idee. Essen?! Verdammt! Mein Kühlschrank ist absolut leer und noch nicht mal eingeschaltet. Daran hatte ich bisher noch keinen einzigen Gedanken verschwendet. Von wegen, meine Bude ist komplett! Wie soll ich denn ohne Essen hier überleben? Nicht mal Schokolade ist da.
 

Ich schaue auf die Uhr. Erst sieben. Eine Stunde reicht mir für einen Abstecher zum Supermarkt. Aber wo war der hier doch gleich?
Hungrig schnappe ich mir eine große Einkaufstasche und den Geldbeutel und spurte vor lauter Eifer fast ohne Schlüssel zur Tür raus. Nein, ich sollte mich nicht aussperren. Also nochmal rein, Schlüssel holen. Mein Blick fällt auf den Kühlschrank. „Vielleicht sollte ich ihn schon mal einschalten“, überlege ich.  

Ich lege Tasche, Schlüssel und Geldbeutel nochmal ab, mache den Kühlschrank auf und knie mich davor auf den Boden. Kühlstufen gibt es sieben. Und auf welche Zahl soll ich das Rädchen jetzt drehen? Wie kalt ist denn vier? Oder sieben? Schulterzuckend drehe ich auf die höchste Stufe. Wird schon passen.
Schnell die Straße runter und rein in den erstbesten Supermarkt. Die Regale mit Lebensmittel türmen sich neben mir auf. Was brauche ich denn alles? Ein Einkaufszettel wäre gut gewesen. Hab’ ich aber nicht. Also einfach mal spontan sein.
 

Als Erstes kommen Nutella und Konfitüre in meinen Einkaufskorb – immerhin möchte ich morgen auch etwas frühstücken. Für das Abendessen habe ich kalte Küche beschlossen. Das mit dem Kochen probiere ich lieber irgendwann anders.  Da habe ich zu wenig Übung – und ich muss ja beim ersten Mal nicht gleich alle täglichen Aufgaben eines Durchschnittsstudenten bewältigen. Einkaufen reicht für den Anfang.
 

Als Nächstes stehe ich vor dem Brotregal. Der Bäcker gegenüber hat schon zu. Also bleibt mir jetzt nur die Auswahl zwischen abgepacktem Schwarzbrot, Toastbrot oder Vollkornbrot. Aber ich esse doch heute und morgen niemals 500 Gramm Schwarzbrot!
 

Morgen werde ich zurück zu meinen Eltern fahren, weil ich noch nicht endgültig umgezogen bin. Und vergammelt das Brot nicht, bis ich nächste Woche wiederkomme? Schwierig. Ich entscheide mich für die kleine Packung Vollkornbrot.


Entscheidungen im Supermarkt
Vor dem Kühlregal packe ich Käse und Schinken ein. Danach geht‘s zu den Süßwaren. Schokolade muss in jede Studentenbude.
Als ich schon fast vor der Kasse stehe, fällt mir ein: Ich habe keine Butter! Nochmal zurück zum Kühlregal und überlegen, ob ich sonst noch etwas vergessen habe. Ich will noch Joghurt mitnehmen. Bio oder nicht Bio? Mit Erdbeeren oder Pfirsichen? Wer die Wahl hat, der hat auch die Qual!
 

Aber dann hab ich doch alles. Glaube ich zumindest. An der Kasse zahle ich zehn Euro für meine Einkäufe. Ich packe die Lebensmittel in meine große Einkaufstasche und hänge sie mir über die Schulter. Stolz spaziere ich aus dem Supermarkt. Mission Einkaufen erfolgreich erfüllt!
 

Zurück in meiner Wohnung esse ich erst mal in Ruhe. Dann räume ich alles in den Kühlschrank. Und drehe die Kältestufe doch auf vier runter, immerhin sollen die Sachen nur im Gefrierfach gefrieren, nicht im ganzen Kühlschrank.
 

Im Gefrierfach finde ich eine Eiswürfelform. Die muss ich sofort noch mit Wasser füllen. Ich halte sie unter die Wasserleitung und freue mich wie ein kleines Kind. Eiswürfel sind im Sommer einfach das Beste!

So. Der Kühlschrank ist gefüllt. Und jetzt darf ich abspülen und den Müll runterbringen. Auch zum ersten Mal in meiner eigenen Wohnung.
JENNIFER HERTLEIN

 

Extra-Infos:

Wenn nicht jetzt, wann dann? Wer zum neuen Semester  eine neue Bleibe sucht oder überhaupt zum ersten Mal von daheim aus- und in eine eigene Wohnung einziehen möchte, sollte jetzt Augen und Ohren aufhalten. Denn gerade zum Monatsende laufen viele Mietverträge aus und es eröffnen sich Chancen auf dem Wohnungsmarkt. Schaut doch mal auf die Schwarzen Bretter an der un i und natrülich samstags in den Anzeigeteil  der Nürnberger Nachrichten.

Tipps und Hilfe bekommt ihr außerdem beim Wohn-Service des Studentenwerks in Erlangen, Henkestraße 38a, und in Nürnberg, Andreji-Sacharow-Platz 1. Geöffnet ist jeweils montags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie dienstags von 10 bis 12 Uhr und von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr. Näheres steht auf der Webseite www.studentenwerk.uni-erlangen.de/wohnen/de/index.shtml

Übrigens: : Fast jeder vierte Student (23 Prozent) wohnt noch bei seinen Eltern. Das hat das Deutsche Studentenwerk (DSW) bei seiner jüngsten Sozialerhebung unter mehr als 16000 Studenten herausgefunden. Damit ist das „Hotel Mama“ bei Studenten fast so beliebt wie eine Wohngemeinschaft (WG), in der 26 Prozent ein Zimmer haben. Jeder fünfte Student (20 Prozent) wohnt zusammen mit seinem Partner, jeder sechste (17 Prozent) lebt allein in einer Mietwohnung. Deutlich weniger Studenten zieht es ins Wohnheim: Dort hat nur rund jeder achte (12 Prozent) ein Zimmer. Die Untermiete ist fast vollständig aus der Mode (2 Prozent) gekommen.
 

Dem DSW zufolge hängt die gewählte Wohnform vor allem mit dem Alter zusammen: Studienanfänger wohnen oft noch zu Haus oder im Studentenwohnheim. In höheren Semestern ziehe es viele in eine eigene Wohnung. Die WG ist bei jüngeren und älteren Studenten gleichermaßen beliebt. 

Und  noch ein Tipp: Passt genau auf, was in dem Mietvertrag steht, den man euch zum Unterschreiben hinhält. Als Studenten dürft ihr zum Beispiel nicht für Jahre an einen Mietvertrag gebunden werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Demnach muss Studierenden wegen der Unwägbarkeiten des Studienverlaufs ein besonders hohes Maß an Mobilität und Flexibilität zugebilligt werden. Eine Klausel, wonach die Kündigung für zwei Jahre ausgeschlossen sein sollte, benachteilige den Mieter unangemessen und sei daher unwirksam, befand der BGH.
Damit gab das Gericht einem  Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg Recht, der zu Studienbeginn im Wintersemester 2006 ein möbliertes Zimmer in einem Wohnheim bezogen hatte. Das Kündigungsrecht sollte laut Vertrag bis zum Wintersemester 2008 ausgeschlossen sein. Ein dreiviertel Jahr später kündigte der Student wegen der „unzumutbaren gesundheitsgefährdenden unhygienischen Zustände im sanitären Bereich“ und zahlte keine Miete mehr.
Dagegen klagte der Vermieter durch drei Instanzen — ohne Erfolg: Wie zuvor das Amtsgericht Erlangen und das Landgericht Nürnberg-Fürth akzeptierte der BGH eine ordentliche Kündigung mit dreimonatiger Frist. (Az.: VIII ZR 307/08).

dpa

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