Daten leben länger PDF Drucken

Wie auf einer echten Autobahn rasen die Daten blitzschnell in alle möglichen Richtungen. Jungautor Timo Schusser (unten) steuert aber sicher durch die Datenflut. Foto: colourbox.com/Mont.: Isberner/Petra SchlierfDas Internet ist kein sicherer Ort für persönliche Infos

Auf Autobahnen gibt es Verkehrsregeln, an die sich alle halten müssen, sonst gibt’s Ärger. Nicht Autos, sondern Daten kursieren auf der virtuellen Autobahn im Internet. Ähnlich klare Regeln gibt es dafür allerdings nicht, aber Tipps, wie man sich vor Datenmissbrauch schützen kann.

Timo Schusser befasst sich mit der harten Realität des Internets. Der 18-Jährige schreibt gerade an einem Ratgeber, der anderen Schülern und Jugendlichen zeigen soll, wie ihre Daten um die Welt reisen und wer sie unterwegs lesen kann. Sicher ist nämlich, dass Daten im Internet alles andere als sicher sind.

Die größte Gefahr, dass persönliche Daten in falsche Hände geraten und missbraucht werden, steckt in Chatportalen wie Facebook, MSN oder ICQ. Hier geben Jugendliche freiwillig eine ganze Menge ihrer Daten preis, wenn sie ein Profil erstellen.

Viele stellen dann auch noch ein Foto von sich mit dazu und schon kann, wer es darauf anlegt, jeden identifizieren und womöglich ganz leicht aufspüren, wie Timo Schusser erklärt: „Wenn man den Namen hat und vielleicht noch das Geburtsdatum oder den Wohnort, kann man ganz schnell über eine Suchmaschine weitere Daten ermitteln.“

Klau bei Gewinnspielen

Und dann könnte es theoretisch sein, dass ein Fremder an der Haustür klingelt. Das ist natürlich ein Extremfall. Viel öfter rufen Unternehmen solche Daten ab, um Werbung per Post oder Email zu verschicken. Für sie ist es dabei meistens gar kein großer Aufwand, an die Infos zu kommen: Das Zauberwort lautet Gewinnspiel. „Dabei gewinnt immer nur einer, nämlich der, der die Daten am Ende bekommt“, warnt Timo. Also erst gar nicht auf die Verlockungen der Anbieter eingehen.

Wenn die Mailadresse dann doch einmal in falsche Hände geraten ist und Spams den Posteingang verstopfen, hilft nur noch, die Adresse zu ändern, zu löschen oder sie von vorn herein nur auf einen bestimmten Zeitraum anzulegen In der Fachsprache ist das dann eine temporäre Emailadressen.

Außerdem gibt es noch besonders fiese Tricks der Anbieter. In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) legen sie fest, dass die Rechte aller eingestellten Bilder, auf den Betreiber der Seite übergehen. Das ist legal, weil man den AGBs zustimmen muss, bevor man sein Profil anlegen kann, aber wer liest sich schon mehrere Seiten Juristendeutsch durch?

Achtung Copyright!

Vorsicht geboten ist aber auch beim Download von Bildern, Filmen oder Musik. Schnell bewegt man sich da nämlich im illegalen Raum. Es sollte also immer eindeutig erkennbar sein, ob der Download legal ist und ob er etwas kostet. Laut Timo kam es nämlich schon vor, dass ein Autofan sich ein Hintergrundbild heruntergeladen hat, das copyrightgeschützt war. Das Unternehmen fand es raus und verklagte die Eltern des Jungen auf Schadensersatz. Ob ein Bild geschützt ist, erkennt man zum Beispiel an dem kleinen C im Kreis.

Der umgekehrte Weg, nämlich Daten zu löschen, ist einfacher? Sollte man denken, aber mit dem Entfernen von Bildern oder Texten allein ist eine Information noch lange nicht verschwunden. Die Suchmaschine Google zum Beispiel speichert in regelmäßigen Abständen alle Webseiten. Die Inhalte sind dann noch so lange zu sehen, bis sie durch einen neuen Suchlauf aktualisiert werden.

In letzter Zeit ist auch das so genannte Cyber-Mobbing in den Vordergrund gerückt. Dabei belästigen und beschimpfen meist Unbekannte eine Person – und alle können es lesen.

Wehren kann man sich dagegen aber schon. Timo empfiehlt, den Betreiber der jeweiligen Seite anzuschreiben und ihn zu bitten, die Inhalte zu löschen. Wenn der in Deutschland sitzt, stehen die Chancen dafür gar nicht schlecht. Ist der Betreiber der Seite aber im Ausland, kann das schwierig werden, weil er die Anfragen einfach ignoriert.

Hilfe von den Profis

Für ganz schwere Fälle gibt es den Internetdienst Datenwachschutz.de. Hier kann man gegen ein Honorar alles löschen lassen, was die eigenen Persönlichkeitsrechte verletzt.

Mit dem Buch wurde Timo ins kalte Wasser geworfen, denn eigentlich ist er Unternehmer – Schüler natürlich auch. Nebenbei hat er noch eine eigene Firma für Webdesign. Im Grunde hat er also schon genug zu tun. Als über einen Zeitungsbericht der Nürnberger Nachrichten der Röthenbacher Thiemo Graf Verlag auf ihn aufmerksam wurde, sagte er aber gleich zu.

Der Verlag plante gerade eine IT-Ratgeber-Reihe für Jugendliche, hielt aber noch nach einem Autor Ausschau, der ein so komplexes technisches Thema gut an gleichaltrige vermitteln kann.

Also setzte sich Timo noch ein bisschen länger an den Rechner und fing an, Material zu sammeln für „Die kleine IT-Maus“. Im September will er mit seinem ersten Buch fertig sein.

PETRA SCHLIERF

Extra-Info: Wie funktionieren eigentlich... 

Internet: Internet bedeutet wörtlich so viel wie „Zwischennetz“ oder „Verbundnetz“ und ist ein weltweites Netzwerk aus vielen Rechnernetzwerken. Durch das werden Daten ausgetauscht. Das Internet wurde im Jahre 1969 erfunden. Es ermöglicht die Nutzung von Internetdiensten wie E-Mail und in letzter Zeit zunehmend auch Telefonieren, Radio und Fernsehen. Im Prinzip kann dabei jeder Rechner weltweit mit jedem anderen Rechner verbunden werden. Der Datenaustausch zwischen den einzelnen Internet-Rechnern erfolgt über verschiedene, technisch normierten Internetprotokolle.

Umgangssprachlich wird das Internet häufig als Synonym für das World Wide Web verwendet, weil das nach wie vor einer der meistgenutzten Internetdienste ist.

Email: Die beliebteste Art, Nachrichten virtuell auszutauschen sind E-Mails. E-Mail ist die Abkürzung für Electronic Mail, also Elektronische Post. 1971 wurde die weltweit erste E-Mail in den USA versendet, 13 Jahre später, im Jahre 1984 traf die erste in Deutschland ein.

Das Prinzip funktioniert dabei gar nicht so anders, als der herkömmliche Postweg: Wird eine E-Mail versendet, landet sie zunächst auf dem Mailserver des eigenen Anbieters (Provider). Der entspricht einem Postamt. Ist dort auch der Empfänger angemeldet, wird die Mail direkt an sein Postfach weitergeleitet. Wenn nicht, leitet der Server die E-Mail an dessen Server weiter.

Eine E-Mail ist mit einer Postkarte vergleichbar. Der Adressat und der Inhalt ist für jeden frei zugänglich und sichtbar. Auf jedem der offenen Mailserver kann die E-Mail theoretisch mitgelesen werden.

Um vertrauliche Daten zu übermitteln, ist also eine E-Mail wenig geeignet. Um diesen Mißstand zu umgehen, wurden diverse Verschlüsselungen erfunden. Mit diesen Programmen kann man eine E-Mail gewissermaßen in einen Briefumschlag packen. Der Inhalt ist dann nur für den Empfänger lesbar.

ps

+/-
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:
 
:angry::0:confused::cheer:B):evil::silly::dry::lol::kiss::D:pinch:
:(:shock::X:side::):P:unsure::woohoo::huh::whistle:;):s
:!::?::idea::arrow:
 
Please input the anti-spam code that you can read in the image.
+/- Kommentare
Neuer Kommentar RSS

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."