Abenteuer Buchschreiben: Von Mobbing bis Manga PDF Drucken

Jacqueline Albertsen hat ein Fantasy-Buch geschrieben. Foto: DautDer eine spielt Poker, der andere in einer Band. Der nächste geht jede freie Minute Sport treiben oder hat ein Faible für Kunst. Freizeitaktivitäten sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie treiben.
Wieder andere, und über die soll es heute gehen, schreiben in ihrer Freizeit gerne Bücher. Dabei sind sie – ihr habt es erraten! – genauso verschieden, wie ihre Bücher es sind.

Da gibt es zum Beispiel die zwölfjährige Jacqueline, die ein Fantasybuch verfasst hat. Immer wenn sie nicht mehr wusste, wie es weitergehen könnte, haben Freundinnen auf dem Schulweg geholfen. Bei dem 22-jährigen Sebastian ist es ein Roman über Mobbing geworden. Bei den beiden Freundinnen Janine und Eva, 22 und 23 Jahre alt, ist ein MangaComic entstanden. „Ich malte, Eva hat getextet“, sagt Janine.
Wie die jungen Autoren zu ihren Ideen kamen, und wie es eigentlich ist, ein Buch vom ersten Buchstaben bis zum Druck zu begleiten, erzählen sie euch auf dieser Seite.

Genau genommen ist „Margol“ gar nicht Jacqueline Albertsens erstes Buch. Ihr erstes „Buch“ bastelte sie aus Papier, da konnte sie noch gar nicht schreiben. Deshalb gab es in dem „Buch“ auch jede Menge geheimnisvoller Zeichen – statt Buchstaben.

Als Jacqueline in die 4. Klasse ging, nahm sie sich eines Tages vor, ein richtiges Buch zu schreiben. Und weil sie so gerne Fantasy-Geschichten liest, war klar, was für ein Buch es werden sollte. Heute, rund zwei Jahre später, ist Jacqueline zwölf Jahre alt und „Margol“ ist voll von „richtigen“ Buchstaben. Sogar ein paar Zeichnungen sind darin.

Hauptfigur der Geschichte ist die zehnjährige Laura, die bei ihrer besten Freundin Jana aufwächst, bis ein Zauberspruch die beiden Mädchen in eine Fantasy-Welt namens Margol katapultiert. Dort leben Elfen in großer Angst vor einem Werwolf und seinem Meister Dastum. Jana wird entführt, und nun muss Laura mit ihrer neuen Elfenfreundin einen Weg finden, Jana und das Elfenvolk zu retten...

Eine Elfenfreundin stand Jacqueline bei ihrem Schreibabenteuer zwar nicht zur Seite. Dafür aber eine handvoll Freundinnen, mit denen sich die Geschichte auf dem Schulweg prima weiterspinnen ließ. Eines Morgens entschied ihre Freundin zum Beispiel: „Da muss ein vergifteter Apfelkuchen her!“ Der vergiftete Apfelkuchen ist jetzt Teil der Geschichte!

Einen kleinen Durchhänger hatte Jacqueline auf Seite 15. „Aber ich wusste: Wenn ich jetzt aufhöre, schreib ich’s nie zu Ende.“ 225 Seiten schrieb Jacqueline noch, dann war „Margol“ fertig. Als erste durften ihre Eltern das Buch lesen. Sie fanden es so gut, dass sie für rund 60 Euro eine ISBN-Nummer kauften – und damit kann nun jeder „Margol“ im Buchhandel bestellen.

Mittlerweile arbeitet Jacqueline am zweiten Teil von „Margol“: „Der Werwolf wurde zwar am Ende gefangen“, sagt sie, „aber der kann doch wieder entfliehen."

Jacqueline Albertsen: Margol. ISBN: 978-3-86931-032-9, 12,95 Euro.

CLAUDIA ZIOB

Konstantin stottert, Sebastian nicht. Davon abgesehen haben die beiden jungen Männer einiges gemeinsam: Beide werden im Sportunterricht als letzte ins Team gewählt, beide werden von Klassenkameraden mit nassen Schwämmen beworfen und bei jeder Gelegenheit provoziert.

Von Mitschülern beispielsweise, die Nazi-Parolen an die Tafel schmieren – und dann feixend beobachten, wie Konstantin beziehungsweise Sebastian jedes Mal auf die Provokationen hereinfallen und sich bis zum Äußersten in ihren Protest hineinsteigern.

„Ich habe damals nicht gemerkt, dass die genau das wollten“, sagt Sebastian Balcerowski, der heute 22 Jahre alt ist. Er sagt, er steckte damals so in dieser Opferrolle drin, dass er gar nicht mehr frei handeln konnte. Ständig fühlte er sich angegriffen. Die Mitschüler hatten ihren Spaß daran.

Bei dem Versuch, irgendwie seinen Frieden mit der schlimmen Schulzeit zu schließen, erschuf er Konstantin. Konstantin ist die Hauptfigur von Sebastians erstem Roman. Dem 17-jährigen Konstantin ergeht es zunächst wie Sebastian, aber während Sebastian im wahren Leben die Kurve kratzt und die Schule wechselt, dreht sich die Spirale für Konstantin immer weiter – leider nicht in Richtung Happy End.
Konstantin versucht, den Klassenkameraden zu gefallen – und wird nur noch mehr verspottet. Er zieht sich immer mehr zurück. Dann verlässt ihn auch noch seine Freundin...

Auch wenn es Parallelen gibt: „Gib mir mehr Himmel“ ist ein Roman, keine Autobiographie, betont Sebastian. Konstantins Geschichte ist krasser. Sie soll Schüler und vor allem Lehrer wachrütteln, die das Thema Mobbing verharmlosen.

Aber in dem Buch steckt noch mehr: „Ich wollte mir und anderen beweisen, dass ich die Zeit überwunden habe und heute in der Lage bin, auch selbstkritisch zurückzublicken“, sagt Sebastian. So ist Konstantin nicht nur gut und die Mitschüler sind nicht nur schlecht.

Viel Arbeit, Zeit und Geld hat Sebastian in sein Buch gesteckt. Zweimal hat er sich Tipps von erfahrenen Lektoren geholt, die ihn zum Beispiel auf Ungereimtheiten in der Handlung hinwiesen. Ende 2006 machte er sich auf die Suche nach einem Verlag, der sein Werk drucken würde. Und dann? Fehlanzeige. Eine Absage nach der anderen flatterte in seinen Briefkasten.

Im September 2008 unterschrieb Sebastian dann doch einen Vertrag. Der Haken: Dafür, dass das Buch gedruckt wird, musste Sebastian selbst blechen. Seine Ersparnisse von Kommunion und Firmung sind futsch, gesteht er – und bereut den Schritt sogar ein wenig: „Ich war zu begierig darauf, das Buch endlich veröffentlicht zu sehen. Ich hätte ruhig noch warten können.“ Vielleicht war es aber auch an der Zeit, das Kapitel Mobbing endgültig hinter sich zu lassen.

Sebastian Balcerowski: Gib mir mehr Himmel. Herbert Utz Verlag 2009. ISBN: 978-3-8316-1410-3. 12,80 Euro.

CLAUDIA ZIOB

Es war der Beginn einer dicken Freundschaft, damals vor fünf Jahren. Janine (22) und Eva (23) hatten bei der „AG Manga“ vorbeigeschaut, einer Arbeitsgruppe ihrer Fachoberschule Herrenhütte. Sie waren sich zwar schon begegnet, von der gemeinsamen Liebe zu japanischen Manga-Comics wussten die beiden Schülerinnen aber noch nichts. „Die AG ging nach wenigen Treffen auseinander, die Freundschaft aber blieb“, sagt Eva und lächelt rüber zu Janine.

Heute sind die beiden zwar keine Schulkameradinnen mehr – Eva arbeitet als angehende Handelsfachwirtin, Janine als Mediengestalterin –, dafür aber waschechte Comic-Autorinnen. „Ich konnte gut Geschichten schreiben, dafür aber nicht ganz so gut zeichnen. Bei Janine war es genau andersherum“, sagt Eva und beide lachen. Sie haben kurzerhand ihre Stärken und Schwächen verbunden und eineinhalb Jahre lang eifrig an ihrem Comic-Projekt gearbeitet. In die Haare bekommen haben sich die beiden Mädels dabei nie, im Gegenteil: „Janine hat immer mal gesagt: Eva, die Geschichte könnte doch so und so weitergehen“, sagt Eva. „Und von dir kam dann: ,Super Idee! So machen wir’s‘, und hast losgelegt“, erinnert sich Janine.

Zwar war die Zeit vom ersten geschrieben Buchstaben bis zum letzten gezogenen Bleichstiftstrich spaßig, spannend und aufregend. „Aber als es endlich fertig war, waren wir unglaublich erleichtert“, sagt Eva. Besonders erschwerend war, dass der Abgabetermin beim Verlag unglücklicherweise mit einem Prüfungstermin zusammenfiel. „Ich habe anstatt zu lernen von Freitag bis Sonntag komplett durchgezeichnet“, gesteht Janine. „Wir waren zum Ende hin manchmal wirklich dem Wahnsinn nahe“, lacht Eva.

Nach weiteren, schier unzähligen Nachbesserungswünschen ihres Verlages, standen letztlich die Geschichte und die Zeichnungen fest. „Ein großes Problem war, dass die Geschichte aus drei dicken Bänden bestand“, sagt Janine. Der Verlag wollte sie aber in nur 60 kleinen Seiten erzählt haben. „Das Kürzen hat uns das Herz gebrochen“, sagt Eva.

Die beiden sind jetzt trotzdem überglücklich und stolz, dass ihr eigenes Buch auf dem Markt ist. „Reich werden wir nicht davon, es ist eher eine Chance“, sagen sie. Denn schon bald wollen sie ihr nächstes Buchprojekt in Angriff nehmen – wieder ein Manga natürlich!

Eva Schmitt, Janine Richter: Aladins Erbin. Carlsen Verlag 2008. ISBN: 978-3-551-66021-3. 1,95 Euro.

CHRISTOPH BENESCH

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