Singen: "Huldvoll wie eine Königin" PDF Drucken

Chorleiter Matthias Stubenvoll (vorn) legt großen Wert auf ein gutes Einsingen. Dann ist der ganze Chor gespannt, welche lustigen Aufgaben sich „der Chef“ dafür ausgedacht hat. Foto: Kerstin FreibergerJugendliche können mit klassischer Musik nichts anfangen? Weit gefehlt!

Die meisten Jugendlichen begeistern sich für Musikrichtungen wie Hip-Hop, House, Rock oder R’n’B. Von Klassik hält sich der Großteil fern. Bei den Mitgliedern des Jungen Chors Nürnberg ist das anders. Sie singen einmal wöchentlich in einem klassischen Chor. Wir haben die 30 Sängerinnen und Sänger des Bereichs Jugendchor bei einer Probe besucht, um herauszufinden, ob und warum klassische Musik wieder modern ist.

 „Stellt euch gerade hin – stolz wie eine Königin, die huldvoll ihrem Volk zuwinkt,“ sagt Chorleiter Matthias Stubenvoll und grinst. Es wird ruhig im Übungssaal. Dann dröhnt laut „pataka, putuku, pitiki“ durch den Raum. So beginnt bei Matthias Stubenvoll das Einsingen – und das ist einer der vielen Gründe, warum die Chormitglieder zwischen 14 und 24 Jahren so klassikbegeistert sind.

So auch Katja Kölbl (14) und Laura Lohse (17). Sie sind sich einig, dass Klassik beim Lernen und Konzentrieren hilft. Wer vor einer Schulaufgabe ein klassisches Stück hört, ist danach garantiert entspannter, meinen die beiden. Dann fällt es einem leichter, die gestellten Aufgaben zu lösen. Auch bei den Hausaufgaben soll das Ganze hilfreich sein. Wer kann sich schon bei den lauten, negativen Aussagen eines Hip-Hoppers mit Mathe oder Englisch beschäftigen? Da ist die „Träumerei“ von Schumann schon eher das Richtige.

Mit den Freunden Klassik zu hören, ist so eine Sache. Dafür teilt Janina Merkel (16) ihre Freunde in zwei Kategorien ein: Im „Musiker-Freundeskreis“ und innerhalb des Chores wird alles gehört, was auch gesungen wird oder eben gefällt. Beim „Sportler-Freundeskreis“ sieht das schon anderes aus. Wer nicht so viel mit Musik am Hut hat, beschäftigt sich eher selten mit der klassischen Musik.

Trotzdem gibt es keinen Grund, warum sich irgendwer darüber wundern sollte, dass Jugendliche Klassik mögen – und diese auch privat hören. Dieser Meinung sind alle Chormitglieder.

Für Sophia Frank (24) und Laura Süßner (14) ist die Stimmung ausschlaggebend, ob sie zu Hause zur Klassik-CD greifen oder nicht. Bei schlechter Laune oder Liebeskummer setzen sie eher auf aus dem Radio bekannte Balladen – Klassik hingegen bedeutet pure Freude. Sophia hört zum Beispiel gerne im Auto Vivaldi, „weil es einfach Spaß macht, sich von seinen kraftvollen Klängen mitreißen zu lassen“.

Franziska Wagner (14) hingegen favorisiert Klassik aus einem ganz anderen Grund: „Moderne Lieder aus dem Radio sind zwar nett anzuhören, kommen aber größten Teils einfach nur aus dem Computer. Alles ist bearbeitet und perfektioniert“, sagt sie. Bei der Klassik ist alles selbst gemacht, die CDs enthalten hauptsächlich Liveaufnahmen aus Konzerten. Das klinge gleich viel natürlicher, auch wenn das Stück nicht immer hitverdächtig perfekt ist, meint Franzsika. Auch das ist ein Grund, weshalb die Jungen und Mädchen des Nürnberger Jugendchors diese Musikart so sehr schätzen.

Freilich kann man Klassik nicht nur singen oder hören, sondern auch spielen. Sogar mit einer Gitarre, klärt Laura Lohse auf, ist es möglich, mit bestimmen Griffen klassische Stücke zu spielen. Die anderen Mädchen lernen da schon „klassischere“ Instrumente wie Querflöte, Klavier oder Horn. „Neben dem Chor ein Instrument zu spielen, bringt einfach Abwechslung in die Sache“, erklären sie. „Außerdem fördert es das musikalische Gehör, was äußerst wichtig ist beim Singen.“

Die Mitglieder des Jugendchors sind also überzeugte Klassik-Fans. Aber wie steht es um den Rest der Republik? Das zeigt sich in einem kleinen Wortwechsel zwischen Matthias Stubenvoll und einem Schüler: Stubenvoll sagt: „Nach dem nächsten Konzert kommen acht bis zehn Sänger vom Kinderchor neu in den Jugendchor.“ Der Schüler antwortet: „Was?! Boah! Wir werden ja voll rießig!“ Anscheinend gibt es also noch viel mehr Jugendliche, die sich für Klassik interessieren...

SOPHIA SCHUHMANN

Wenn ihr Lust habt, den Jungen Chor (also Jugend- und Kinderchor zusammen) einmal live zu hören, dann kommt zu seinem nächsten Konzert. Es findet am 25. Oktober um 17 Uhr in Südpunkt, Pillenreuther Straße 147 in Nürnberg, statt. Der Eintritt ist frei.

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Bernd Hüßner  - Schade   |IP-83.171.178.xxx |18-10-2009 16:58:13
Schade, dass bei der ausführlichen Berichterstattung über diesen Chor der Name
kein einziges Mal richtig wiedergegeben ist: "jungerChor nürnberg". Im
jungenChor gibt es zwei Gruppen - den Kinderchor und den Jugendchor - die
altergemäss verschieden Programme interpretieren.
Annika  - Fehler korrigiert   |IP-212.34.180.xxx |19-10-2009 13:50:12
Liebe Leser,
es stimmt, wir haben einen Fehler gemacht: Der Chor, über den wir
berichtet haben, heißt "Junger Chor Nürnberg" und besteht aus den
Abteilungen Jugend- und Kinderchor. Da wir nur mit den Mitgliedern des
Jugendchores gesprochen haben, haben wir es leider versäumt, im Text den Namen
des kompletten Chores zu nennen. Das tut uns leid. Auf dieser Seite haben wir es
jetzt korrigiert.

Viele Grüße, Annika aus der Redaktion

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