Baby Maarlon schreit die Nächte durch PDF Drucken

Gina-Lee hat Muttergefühle für ein Plastikpuppe entwickelt

Könnt ihr euch vorstellen, plötzlich ein Kind zu haben? Es schreit, will gefüttert werden und braucht Liebe. Ob sie mit so einem Baby klarkommen würden, haben elf Jungen und Mädchen der Erlanger Ernst-Penzold-Schule beim Projekt „Babybedenkzeit“ getestet. Fünf Tage lang haben sie Plastikpuppen betreut. In ihrem Alltag als „Mutter“ haben wir die 16-jährige Gina-Lee Stevens begleitet.

Gina ist erleichtert: „Wir haben einen Sitzplatz im Bus.“ Wenn sie sitzt, kann sie „Baby“ Maarlon ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Mit Maarlon ist Busfahren echte Nervensache. Liegt er nicht bequem oder rempelt ihn jemand an, brüllt er gleich los. „Die meisten Leute denken, dass er ein echtes Baby ist und sagen nur: ,Die Jugend von heute!‘ Der Rest wundert sich, warum ich noch mit Puppen spiele“, erzählt die 16-Jährige. Gina schämt sich, wenn Maarlon zu schreien anfängt. Dann ist sie lieber mit anderen „Eltern“ aus der Gruppe unterwegs: „Wir helfen uns gegenseitig mit den Kindern und erklären den Leuten gemeinsam, was los ist.“

Los sind fünf Tage „Eltern-Praktikum“. Neun Schülerinnen und drei Schüler der Ernst-Penzold-Schule haben in dieser Zeit ein Plastik-Baby in Pflege genommen. Mit Hilfe der lebensgroßen Babypuppen, die der Rotary-Club-Erlangen zur Verfügung gestellt hat, wollen die Jugendlichen lernen, was es heißt, ein Kind zu haben. Die Baby-Simulatoren tun all das, was echte Kinder auch tun: Aufstoßen, weinen, sie reagieren auf grobe Behandlung, falsche Lage, und, und, und ... Werden die Wünsche der Plastikpuppe nicht erfüllt, zeichnet das ein eingebauter Computer auf. Bei zu vielen Fehlern schaltet sich die Puppe ab – und ist tot.

Ziel des Projekts: Die Teilnehmer, sollen Außerdem werden wichtige Themen wie Geschlechtskrankheiten oder Verhütungsmittel besprochen. „Ich weiß jetzt auch, wie sich ein Kind im Mutterleib entwickelt. Zum Beispiel können Babys schon vor der Geburt hören.“
Bei Maarlon ist das glücklicherweise noch nicht der Fall – auch wenn er manchmal aufmuckt. „Er hat seine Nörgel-Times. Das Gequengel kann eine Stunde dauern. Ich trage ihn dann immer herum, damit er wieder aufhört“, erzählt Gina.

Von fremden Menschen lassen sich die Babypuppen in ihren Quengelphasen jedoch nicht betreuen. Durch ein Armband mit einer Erkennungs-ID müssen sich „Mütter und Väter“ am Bauch ihres Kindes registrieren, bevor sie sich um es kümmern. Das Leben von Gina hat sich durch Maarlon sehr verändert. Die Nächte sind kurz geworden: „Selbst mein Bruder wacht auf, weil Maarlon die ganze Nacht schreit.“ Mal eben feiern mit den Freundinnen ist auch nicht mehr drin. Das geht nur noch, wenn Ginas Mama einspringt. Maarlon akzeptiert sie, weil sie sich ein Bändchen mit spezieller Babysitter-ID überstülpt. „Mama streichelt Maarlons Wangen und redet mit ihm. Ich sag dann immer: Das ist doch nur eine Puppe.“

Der Trubel mit Maarlon hat auch Positives: „Ich habe gelernt, dass ein Baby viel Kraft und Zeit kostet. Man sollte lieber eine Ausbildung machen und Geld verdienen, bevor man eine eigene Familie hat.“ Durch die Teilnahme am Baby-Projekt hat sie den ersten Schritt in Richtung Ausbildung gemacht. Gina möchte später auf eine Kinderpflegefachschule gehen. „Es ist so süß, wenn Maarlon lacht. Jetzt steht mein Berufswunsch fest.“ Nur mit dem eigenen echten Kind will sie noch warten.

SOPHIA SCHUHMANN
 

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seppl  - Haha   |IP-80.187.104.xxx |12-01-2010 21:30:12
wie krank ist das denn wenn man für eine puppe gefühle entwickelt

das ist wirklich äußerst seltsam

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