| "Dank Gott stehe ich nie allein da" |
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An diesem Wochenende ist Pfingsten. Deshalb haben wir am Montag einen Feiertag und es stehen zwei Wochen Ferien vor der Tür. Pfingsten ist ein christliches Fest, mit dem daran erinnert wird, dass der Heilige Geist auf die Erde geschickt wurde. Das geschah laut der Bibel etwa 50 Tage nach Jesu Auferstehung an Ostern - deshalb feiern wir Pfingsten auch genau 50 Tage nach Ostern. Der Heilige Geist befähigte die Jünger Jesu, allen Menschen auf der Welt von Gott, Jesus und seinen Taten zu berichten. So wurden viele Zuhörer zu Christen. Deshalb gilt Pfingsten als „Geburtstag“ der Kirche. Heute leben etwa 2,2 Milliarden Christen auf der Erde und auch viele junge Leute bekennen sich zu dem Glauben. Was aber bedeuten Gott und Jesus für sie? Und wo spüren sie den Heiligen Geist in ihrem Leben? Wir haben mit zwei jungen Christinnen gesprochen. Nein, in den Gottesdienst gehen Florentina Fuchs (14) und Kirsten Gebbing (21) nicht jeden Sonntag. Und sie beten auch nicht jeden Abend vor dem Schlafen. Trotzdem gehört der Glaube für die beiden Christinnen von der evangelischen Osterkirche in Nürnberg-Worzeldorf fest zu ihrem Leben. Die Achtklässlerin Florentina ist vor vier Wochen konfirmiert worden und tastet sich gerade in das Gemeindeleben rein. Die Biologie-Studentin Kirsten hingegen engagiert sich seit Jahren in der Kirche: Sie betreut Kinder- und Jugendfreizeiten, sitzt in der Dekanatsjugendkammer, organisiert Jugendgottesdienste mit. In welchen Situationen sie Gott in ihrem Leben spüren? Hier erzählen sie davon. ***** Einmal schon war Florentina Gott ganz nah. Das war während eines Gottesdienstes, kurz vor dem Abendmahl. Der Pfarrer hatte um Ruhe gebeten, damit alle sich sammeln können. „Und da hatte ich das Gefühl, als lege mir jemand seine Hand auf den Kopf“, erzählt Florentina. Jemand, der sie beschützen wolle. Und so stellt sie sich Gott auch vor: als eine Kraft, die die Menschen beschützt. ***** In der Uni trifft Kirsten fast täglich neue Leute, da prallen viele Persönlichkeiten aufeinander. Aber die 21-Jährige musste feststellen: Mit den Einstellungen der meisten kann sie nicht viel anfangen. Jedes Wochenende weggehen, die Nächte durchmachen, sich in einen Rausch saufen – das ist nichts für sie. „Das Leben, das Gott mir geschenkt hat, ist viel Wert. Also achte ich auch besonders darauf.“ Und tolle Partys, die feiert sie auch mit ihren Freunden von Lux, der Jungen Kirche Nürnberg. ***** Freilich ist Glaube nicht immer nur eitel Sonnenschein. 2006 haben Kirsten gleich zwei Schicksalsschläge ereilt. Kurz nacheinander sind erst ihr Opa und dann ihre Oma gestorben. „Das fand ich ziemlich scheiße, was Gott da gemacht hat“, gibt Kirsten zu. Aber auch hier hat sie am Glauben festgehalten. Sie hat nichts verdrängt, konnte trauern, konnte weinen. Und sie hatte keine Angst, mit den anderen in der Kirche über ihre Gefühle zu reden. „Das hat sehr geholfen.“ *****
***** Wenn Gott uns in Form von Menschen begegnet, dann hatte Kirsten Glück. Sie wohnt sogar mit einem solchen göttlichen Menschen zusammen. Denn bei der Beziehung zu ihrem Freund, sagt sie, „war etwas Höheres im Spiel“. Kennengelernt haben die beiden sich auf einer evangelischen Jugendfreizeit, eine ganze Weile lang fielen sie einander gar nicht auf. Doch dann kamen sie ins Gespräch – und stellten plötzlich unheimlich viele Parallelen zwischen ihren Leben fest. „Als er Zivi war, hat er zum Beispiel eine sehr gute Freundin von mir gepflegt“, erzählt Kirsten. Man kann es Zufall nennen. Oder göttliche Fügung. ***** Auf eine göttliche Fügung hofft Florentina auch manchmal. Wenn in der Schule unverhofft ein Test geschrieben wird, dann schickt sie schon mal ein Stoßgebet zum Himmel. Ganz anders geht die Schülerin der Nürnberger Bertolt-Brecht-Schule an Wettkämpfe heran. Seit acht Jahren trainiert sie Leichtathlethik im Verein. Steht ein Titelkampf an, glaubt sie „lieber an mich und meine Vorbereitungen“. Alles kann Gott nun auch nicht richten. ***** In ihren vier Semestern Biologie-Studium hat Kirsten hin und wieder gezweifelt, ob sie das richtige Fach gewählt hat. Oder ob sie nach einer verhauenen Prüfung nicht lieber aufgeben sollte. Aber dann kam immer die Einsicht: Warte mal ab, das wird schon. Denn dank Gott steht Kirsten nie allein da: „Auch wenn mein Leben mal in einer Sackgasse steckt, darf ich darauf vertrauen, dass es durch ihn besser wird.“ ***** Nach ihrem Studium möchte Kirsten am liebsten in einem Pharma-Unternehmen arbeiten und neue Medikamente erforschen. Lässt sich das mit ihrem Glauben vereinbaren? „Ja, natürlich“, protestiert sie. „Durch neue Medikamente kann ich Menschen helfen, ihr Leid zu lindern.“ Der Weg dahin ist allerdings nicht immer einfach: Im 1. Semester etwa sollte sie Larven mikroskopieren und ihnen dafür den Kopf abreißen. Kirsten musste mit ansehen, wie die Tierchen zappelten und nach Luft rangen. „Das fand ich schon grenzwertig und habe mich hinterher geschämt.“ Für sie ist jedes Leben wertvoll. ***** Wenn Florentina und Kirsten beschreiben, warum sie sich in der Kirche so wohlfühlen, dann fällt immer wieder ein Wort: Gemeinschaft. Ein wenig trauert Florentina ihrer Konfi-Zeit hinterher. „Wir alle hatten ein Jahr lang voll viel Spaß zusammen.“ Und Kirsten schätzt den Teamspirit, der in einer Gemeinde herrscht. „Da ist eine Sache, die uns alle verbindet. Aus dieser Gemeinschaft schöpfe ich Kraft – so kann ich alle Lebenslagen bewältigen." ANNIKA PEISSKER
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