| Glück beim Tanzen finden? Klappt nicht! |
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Trotz der Super-Idee: Erstmals aufgestellte Treffpunkt-Tische beim Schlossgartenfest waren ein Flop Mehr als 6500 Besucher tanzten und flanierten beim 56. Schlossgartenfest in Erlangen. Mitten unter ihnen: die Extra-Campus-Reporterin Kai Kappes. Sie war den Singles auf der Spur und testete die erstmals aufgestellten Treffpunkt-Tische.
„Bisher sind noch keine tanzbegeisterten Männer ohne Begleitung in Sicht“, sagt Christine (29). Sie lässt ihren Blick über die Treffpunkt-Tische schweifen: Vor allem Gruppen sind zu sehen. Christine zuckt mit den Schultern. „Mal sehen, was der Abend noch bringt.“
Das Konzept war gut angekommen, bei der Umsetzung haperte es noch: Auf dem vergangenen Winterball hatten die Treffpunkttische Premiere. Jetzt waren sie zum ersten Mal auf dem Schlossgartenfest zu sehen. Gedacht als Ort der Begegnung für einsame Tanzwütigen, die trotz Partnermangels nicht aufs Paartanzen verzichten wollen. „Die Ideedazu am von den Studenten“, sagt Ursula Ertl, Organisationschefin beim Schlossgartenfest, und sie lobt ihren Gehilfen Sven Vetters: „Er hat sich rührend um dieses Projekt gekümmert.“ So gab es diesmal nicht nur eine Info-Mail an alle Studierenden und einen Hinweis im Programmheft, sondern auch eine eigene Gruppe bei StudiVZ. Dort konnte unter der Rubrik „Tanzpartner“ nach einem potentiellen Kandidaten gesucht werden. Immerhin 110 Leute waren Mitglieder. Vielleicht wäre Markus der Richtige gewesen? Er hatte nicht nur eine Freikarte übrig, sondern zudem solide Tanzkenntnisse vorweisen. Auch die 20-jährige Verena versucht über’s Internet ihr Glück: „Wenn ihr mindestens Gold tanzen könnt und größer seid als ich (1,74m), traut euch!“ Aufgrund der positiven Resonanz im Internet gehe ich erwartungsvoll zu den 15 Treffpunkt-Tischen. Der Bereich ist klar gekennzeichnet durch vier Schilder mit der Aufschrift „Willkommen im Kennenlernbereich“. Bei der großen Auswahl an Tischen muss sich doch jemand zum Tanzen finden lassen! Doch alle, die an den Single-Tischen sitzen, sind als schon (größere) Gruppe gekommen. Sie haben sich deshalb hier niedergelassen, weil schlicht und einfach noch Plätze frei waren. „Wir wissen gar nicht, was es mit den Treffpunkt-Tischen auf sich hat“, sagen Christine und Tina, die eher zufällig im Kennenlernbereich sitzen. Die zwei Singles sind vielmehr auf der Suche nach einem Mann für’s Leben als für’s Parkett. Doch das will am heutigen Abend nicht funktionieren. Wie bereits auf dem Winterball kann von großer Lovestory keine Rede sein. Bei Wein und Prosecco diskutiert die Mädchenrunde über mögliche Ursachen. Warum ist es in der virtuellen Welt so einfach, auf andere zuzugehen und sich mit ihnen zu verabreden, während wir uns in der realen Welt so schwer damit tun? Warum gibt die Web2.0-Generation in Netzwerken und Chatrooms soviel von sich preis, hat aber gleichzeitig Angst davor, einen potenziellen (Tanz-)Partner direkt anzusprechen? Führen die neuen Kommunikationsmedien zu einer Verkümmerung der zwischenmenschlichen Beziehungen anstatt zu einer Verbesserung? Eine andere diskutierte Ursache ist eine uralte: Zum Sündenbock wird das andere Geschlecht erklärt. „Frauen würden sich an die Tische setzen, aber Männer kommen doch kaum alleine her. Da nehmen sie doch lieber ihre Schwester mit oder gehen gleich zum Fußballgucken“, vermutet Tina. „Dabei könnte das Fest mit männlicher Begleitung doch viel schöner sein“, ergänzt Christine und seufzt. Dennoch gibt es einen Erfolg zu verbuchen. Die individuellen Tischmottos finden eine große Anhängerschar. So machen viele ihre Platzwahl davon abhängig, was auf den Tischschildchen steht. Die Wahlsprüche reichen von „Wir wollen auf den Tischen tanzen“ bis zu „Wir wollen mehr“. Brigitte ist begeistert. „Wir werden ständig darauf angesprochen. Das macht den Abend noch viel schöner!“, sagt die Blondine und lacht. Sie ist wie jedes Jahr mit ihrer gesamten Familie da und freut sich über die Parole an ihrem Tisch: „Wer bringt mich später nach Hause?“ „Bisher haben wir aber noch keinen Fahrer ausfindig machen können“, fügt ihr Mann Willy (60) scherzend hinzu, „aber das kann sich ja noch ändern!“ Bei Christine und Tina änderte sich im Laufe des Abends nichts. Sie haben an den Treffpunkt-Tischen keinen Mann mehr gefunden. Ob sie es mal im Internet versuchen sollten? KAI KAPPES
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