So viel Irrsinn in einem Boot PDF Drucken

Kriegspiloten, Filmdiven und ewig rennende Mäuse - bei Facebook könnt ihr die Schattenseiten eures Daseins ausleben. Illustration: Anne-Sophie HußlerBei Facebook könnt ihr euch die Zeit mit absurden Apps vertreiben - Wir stellen fünf Beispiele vor

Alles begann vor fünf Jahren mit einem Streich des damals 19-jährigen Harvard-Studenten Mark Zuckerberg und seinen drei Zimmerkameraden. Da Harvard ihnen nicht den Vertrag für das Online-Jahrbuch geben wollte, hackten sie sich in die Studentenakten ein und stellten die Bilder ihrer Kommilitonen online. Auf der Seite sollten die Besucher entscheiden, wie attraktiv der jeweils Abgebildete sei.

Daraus entwickelte sich das Online-Kontaktnetzwerk Facebook. Zunächst durften sich nur Harvard-Studenten eintragen und ihre Kommilitonen kontaktieren. Später wurden Studenten aller Unis in Amerika zugelassen, dann Highschool-Schüler und Firmenmitarbeiter. Und inzwischen gibt es Facebook weltweit in 70 Sprachen.

Mark Zuckerberg schlug mehrere Angebote aus, sein Online-Netzwerk, das inzwischen etwa 350 Millionen Nutzer hat, zu verkaufen. Mit einem Anteil von 30 Prozent bleibt er weiterhin Haupteigner. Noch hat der Konkurrent MySpace mehr als doppelt so viele Nutzer – doch über kurz oder lang könnte Facebook ihn überholen.

Der Name Facebook stammt übrigens von Büchern, die Erstsemester an manchen amerikanischen Unis zur Orientierung am Campus bekommen. Darin sind Bilder ihrer Kommilitonen zu finden – daher face (= Gesicht) und book (= Buch).

Wenn 350 Millionen Menschen ungehindert ihre Ideen verbreiten und ihren Senf zu allem Möglichen abgeben können, bleibt das natürlich nicht bierernst. Welche witzigen, einfallsreichen und auch absurden Sachen dabei herauskommen, könnt ihr hier lesen. Wir haben fünf Apps ausprobiert:
- das Quiz "Überlebst du den 3. Weltkrieg? Und wenn ja, wie wird es dir ergehen?"
- das Spiel "Mousewheel-Madness"
- den Text "Welche Diva steckt in dir?"
- Farmville
- Psychotests, die dir alles über deine Freunde verraten    und

LISA SOLLFRANK

 

Meine Karriere als Bruchpilotin

]Mein skurrilstes Facebook-Erlebnis ist das Quiz: „Überlebst du den 3. Weltkrieg? Und wenn ja, wie wird es dir ergehen?“ Das Quiz verspricht eine Antwort, wenn man neun Multiple-Choice-Fragen bearbeitet.

Da wird zum Beispiel gefragt, wie viele wirklich gute Freunde man hat. Okay, so drei bis vier, sage ich mal. Dann soll ich meine bevorzugte Handyfunktion ankreuzen: Nachdem es mir ziemlich schnuppe ist, ob mein Handy mit 3D-Spielen kompatibel ist, klicke ich hier die gute Auflösung der Kamera an. Auch das meistgespielte Computer-/Brettspiel hat anscheinend eine große Bedeutung für meine Überlebenschancen im möglichen 3. Weltkrieg (meine Antwort: Monopoly). Nach den Fragen zur Lieblingsfernsehserie (Mädels-Soap) und zum Lieblingsfilm (Avatar) glaube ich, dass gleich noch der Name meiner Lieblingsband abgefragt wird. Aber das passiert nicht.

Die einzige konkret zum Thema passende Frage lautet: „In welchem Bereich setzt du die Chance an, dass du den 3. Weltkrieg überhaupt erleben wirst (sollte er je kommen)?“ Die erübrigt sich aber im Prinzip – denn mit der Teilnahme am Quiz zeigt man ja , dass man einen 3.Weltkrieg durchaus für möglich hält. Jetzt will man nur schnell zwischen Hausaufgaben und Abendessen wissen, ob man für die Schulaufgabe nächste Woche wirklich noch lernen sollte...

Wirklich umwerfend ist dann mein Ergebnis bei diesem „Quiz“: „Du überlebst – als Pilot!“ Nicht schlecht! Ich hätte nicht gedacht, dass man mit 16 Jahren schon einen Jet fliegen darf. Aber immerhin: Ich hab’s überlebt!

INGE BRAUN

 

Die Maus im Laufrad

Neulich, bei meinem obligatorischen Log-in des Tages, postet ein Freund, er habe nun 1345 Punkte bei „Mousewheel-Madness“ erzielt. Mausrad-Irrsinn?! Verwirrt und neugierig klicke ich auf den Button, der zum Spiel führt. Der Bildschirm ändert sich, ich sitze vor einem grauen Rechteck. Links steht „time left: 15“ und rechts „score: 0“. Aha!

Ich warte auf irgendetwas, das mir das Spiel erklärt. Glücklicherweise entdecke ich eine Anweisung, die mich mit den wundervollen Worten „Click once. Then scroll the mouse, fast!“ in die Regeln des Spiels einweiht. Gut, das kann ich: Ich klicke und drehe dann, so schnell ich kann, am Rädchen meiner Maus.

Ich weiß gar nicht recht, wie mir geschieht. Der Bildschirm bewegt sich auf und ab und blinkt dabei in allen möglichen Farben. Oh, noch drei Sekunden! Mein Finger wird langsam lahm, trotzdem will ich natürlich eine möglichst hohe Punktzahl erreichen. Dann sind die 15 Sekunden abgelaufen – und ich habe schlappe 326 Punkte erreicht. Na, wenigstens verstehe ich jetzt das Spielprinzip: Je schneller man das Rädchen seiner Maus in 15 Sekunden dreht, desto mehr Punkte bekommt man.

Sogar für Facebook, das Netzwerk voll sinnfreier Angebote, ist „Mousewheel Madness“ eine starke Leistung an Absurdität! Trotzdem ist mein Ehrgeiz geweckt. Wie schafft man über tausend Punkte??? Ich probiere mein Glück noch ein paar Mal, gebe dann aber auf. Ich scheine echt faule Finger zu haben. Vielleicht sollte ich lieber Farmville (siehe Punkt 5) spielen...

INES BAHR

 

Die Diva — mein zweites Ich

Höchst erwartungsvoll setze ich mich an einen – zumindest dem Titel nach – besonders interessanten Facebook-Test. Zehn Fragen muss ich beantworten – und dann werde ich wissen, welcher Diva aus früheren Zeiten ich am ähnlichsten bin. Aus einer namhaften Liste mit Grace Kelly, Madonna, Jacky O. und weiteren Legenden der Entertainment-Branche wird nun also meine bis dato unbekannte Diven-Identität ergründet.

Na, dann mal los! Die Frage nach meinem liebsten Feiertag leitet den Test ein. Spontan denke ich an Spekulatius, also: Weihnachten. Wie „divenhaft“ ein Feiertag sein soll, ist mir zwar ein Rätsel. Aber trotzdem klicke ich weiter. Frage zwei bezieht sich auf meine Lieblingsfarbe. Kein Zweifel: Ich bin ein absoluter Rot-Fan! Auch über die Frage nach einer Speise, die ich jetzt gern essen würde, muss ich nicht lange nachdenken. Gesättigt vom Mittagessen fällt meine Antwort auf die einzige Süßspeise, die neben Gerichten wie Hummer und Sushi aufgelistet ist: Eis. Im Anschluss gebe ich Auskunft über mein Verständnis von einem perfekten Date, mein liebstes Urlaubsziel und meine bevorzugten Musik- und Filmgenres.

Schließlich verkündet Facebook mir feierlich das durchaus erfreuliche Ergebnis: Ich bin Elizabeth Taylor! Alle Achtung: eine in die Jahre gekommene, ehemals wunderschöne Filmdiva, prämiert mit dem Oscar und seit 1999 in den Adelsstand erhoben! Der Text dazu liest sich ausgezeichnet: Neben Intelligenz und Ehrgeiz sind mir die Bewunderung durch andere sowie eine mystische Wirkung auf Männer gewiss. Toll!

Mein Fazit: Der Test ist ein Muss für alle, die ihr Ego innerhalb von wenigen Minuten in ungeahntem Ausmaß pushen möchten!

DILAY TÜRK

 

Gemüsefelder online bestellen

Die Möhren ernten, die Katzen kraulen, die Orangenbäume pflegen - bei Farmville kann selbst jeder Stadtmensch zum Bauern werden. Illu: Anne-Sophie HußlerBegebt euch mit mir auf eine Reise in die schöne Welt von Farmville, wo immer die Sonne scheint und wo Kühe friedlich mit Katzen, Hühnern, Schafen, Schwänen und sogar Pinguinen leben. Wo du dich als Bauer austoben, mit deinem Traktor über die Felder sausen und dich im Schatten einer großen Palme ausruhen kannst. Um deine Facebook-Farm erfolgreich zu bewirtschaften, musst du Bäume pflanzen, Felder anlegen und deine Tiere versorgen.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus meinem Farmer-Leben: Ich betrete diese heile Welt – und sehe ein riesengroßes Feld voll reifer gelber Paprika. Ernten ist angesagt! Ich sammle die Paprika durch viele Mausklicks ein. Dann mache ich den Boden wieder bepflanzbar, gehe zum Markt und suche mir Samen aus. Ich entscheide mich für Trauben, die nach einem Tag reif sind. Komme ich zu spät, vertrocknen sie und alle Arbeit war umsonst.

Während ich mich um mein Feld kümmere, höre ich schon das ungeduldige Muhen der Kühe. Also geht es weiter zum Melken. Auch das geht ganz einfach mit einem Klick auf die Kuh. Danach hole ich die Eier aus dem Hühnerstall und streichele die Katzen. Zum Schluss besuche ich noch meinen Wald aus Apfel-, Kirsch-, Walnuss-, Aprikosen- und Orangenbäumen. Von Weitem sehe ich, dass dort viel Arbeit auf mich wartet: Alle Bäume sind reif und ich muss sie abernten.

Aber was wäre das Leben ohne Freunde? Auch in Farmville kannst du deine Freunde besuchen und ihnen helfen, indem du ihre Samen düngst oder ihre Hühner fütterst. Schöne, heile Welt! Also: Säst du noch oder erntest du schon?

KATRIN HEIDENREICH

 

Abgetaucht in Psychotests

Es ist doch immer wieder verwunderlich, wie viel mehr das Internet über die eigenen Freunde weiß als man selbst. Zumindest könnte man das angesichts diversester Tests auf Facebook glauben. Darin kann man verschiedene Dinge und Personen über seine Freunde befragen.

Und da ich von Natur aus ein sehr neugieriger Mensch bin, probiere ich das Ganze an meiner kleinen Schwester aus. Mal sehen, was sie mir nicht erzählt – oder was sie selbst gar nicht weiß. Ihre heimliche Liebe vielleicht, oder die eine oder andere Peinlichkeit. Auf die Plätze, fertig, Test!
Als erstes befrage ich die alte Zigeunerin. Klingt vielversprechend! Sie sagt mir, dass meine kleine Schwester beichten gehen müsse... Warum, steht leider nicht dabei.

Vielleicht kann mir ja Seestern Patrick von SpongeBob weiterhelfen. Seiner Meinung nach müsste sie mehr unter Leute kommen, weil sie zu still und langweilig ist. Das ist ja wohl gelogen: Sie ist eine absolute Labertasche und kann sehr nervig sein – ich spreche aus Erfahrung. Weiter geht’s mit „Frag das Höschen“. Es sagt mir, dass mein kleines Schwesterlein noch in die Badewanne kackt. Was??? Das hat sie nicht mal im Alter von acht Monaten gemacht. Und jetzt mit 14 Jahren? Bestimmt nicht.

Als letzten Test versuche ich herauszufinden: „Was schaut sie/er am liebsten?“ Ergebnis: Bob, der Baumeister! Komisch, und ich dachte, meine Schwester guckt am liebsten OC California... Da muss ich sie nochmal befragen – nicht dass ich ihr das Falsche zum Geburtstag schenke.

20 Tests und gefühlte 75 schwachsinnige Antworten später bin ich nicht schlauer. Und die heimliche Liebe meiner Schwester haben mir Patrick und Co. auch nicht verraten. Na, den Namen des Glücklichen bekomme ich schon raus. Notfalls erpress’ ich sie damit, dass ich all ihren Freunden erzähle, sie schaue am liebsten Bob der Baumeister und ihr größter Geburtstagwunsch sei eine Bob-der-Baumeister-Kuscheldecke.

ASSUMPTA MUNSI

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