| Abenteuer an Afrikas Goldküste |
|
|
|
„Was willst du denn in Ghana?" Die Frage musste sich Sandra Kreutzer monatelang anhören. Dass sie nach dem Abitur ins Ausland wollte, war für die Schwabacherin lange klar. Dass es auf einen anderen Kontinent geht, nicht. Die 19-Jährige verbrachte drei Monate als Volunteer in Afrika. Nach fast 20 Jahren westlicher Zivilisation wollte ich etwas ganz Neues erleben. Etwas, das ich so schnell nicht wieder tue. Also entschloss ich mich, nach Afrika zu gehen. Über eine Organisation fand ich mein Zielland – Ghana. Accra, die Hauptstadt, wurde für drei Monate mein neues Zuhause. Ghana ist ein Land voller Gegensätze: einerseits die Hauptstadt mit ihrem europäischen Großstadtcharakter, andererseits ländliche Regionen wie vor 500 Jahren. Übertrieben zur Schau gestellter Reichtum steht erschreckender Armut gegenüber. Doch selbst in der Hauptstadt ist ein Kulturschock unvermeidlich, vor allem nach der ersten Taxifahrt oder einem Marktbesuch. Accras Straßen sind chronisch überfüllt, da Autos und Kleinbusse die einzigen Transportmittel für fast drei Millionen Bewohner sind. Keines der Verkehrsmittel würde auch nur ansatzweise durch irgendeinen Tüv dieser Welt kommen. Es ist laut, es ist voll, es stinkt – und es ist verdammt heiß. Religionenmix Wer in Accra unterwegs ist, muss lernen, was es heißt, zu warten. Täglich stecken die Tro-Tros, die zu Kleinbussen umgebauten Lieferwagen, im Stau fest. Feste Fahrpläne gibt es nicht. Die Tro-Tros fahren erst los, wenn sie voll sind. Wenn man Glück hat, steigt man als Letzter ein. Wer Pech hat, wartet zwei Stunden. Außerdem muss man sich an die Ziegen, Schafe und Rinder gewöhnen, die am Straßenrand grasen, an die Hähne, die ab fünf Uhr morgens krähen, und an den Muezzin, der schon mal die ganze Nacht durchsingt. Religion ist fester Bestandteil der ghanaischen Kultur — wobei Naturreligionen, Islam und Christentum friedlich nebeneinander existieren. Die sonntägliche Messe ist jedoch kaum zu vergleichen mit einem Gottesdienst in Deutschland. Es wird getanzt und gejubelt, man betet sich in Trance. Jeder Sonntag ist ein Fest zu Ehren Gottes. Die ersten sechs Wochen verbrachte ich beim Ghanaian Observer, einer Zeitung, die in ganz Ghana erscheint. Anschließend unterrichtete ich vier Wochen in einer Schule. Gelebt habe ich in der ganzen Zeit in einem Haus mit 20 anderen Volunteers, die alle in verschiedenen Projekten tätig waren: in Krankenhäusern, in einer Marketingfirma, im Waisenhaus. „Arbeit" heißt nichts tun. Hitze lähmt Neben der Arbeit blieb genug Zeit zum Reisen – bis hoch in den Norden, um Elefanten, Antilopen und Paviane im Nationalpark zu sehen, und fast bis zur Elfenbeinküste, um ein Wochenende an einem karibischen Traumstrand zu verbringen. Zudem wird in Ghana „Arbeit" anders definiert als in Europa: Ich habe selten so viele Menschen herumsitzen, nichts tun oder gar schlafen gesehen. Das liegt auch daran, dass das Thermometer tagsüber nie unter 30 Grad rutscht. Jede körperliche Bewegung wird zur Qual. Unvorstellbar, wie es die Ghanaer dabei in Jeans und langärmeligen Sachen aushalten! Als Weiße wie im Zoo beäugt Die Schule, in der ich unterrichtete, wurde von dänischen Sponsoren gebaut und ist – im Gegensatz zu staatlichen Schulen – kostenlos. Die meisten Schüler waren Kinder von Straßenverkäufern, die sich eine andere Ausbildung nicht leisten können. Oft arbeiten die Schüler selbst auf der Straße, weshalb sie nur sporadisch zum Unterricht in der „Street Academy" erscheinen. Ich brachte also selbst 14- oder 15-Jährigen das Lesen und Schreiben bei. Schule wird von den Jugendlichen nicht als Last, sondern als Chance gesehen – als Chance für eine gute Zukunft. Leider sind die Lehrer schlecht bis gar nicht ausgebildet und können ihnen nur Englisch und einfache Mathematik beibringen. Englisch ist zwar die Amtsprache in Ghana, aber untereinander sprechen die Ghanaer ihre ursprünglichen Sprachen wie Twi oder Ga. Mögen die Deutschen keine Afrikaner? In Afrika als Weiße zu leben, kann sehr anstrengend sein. Die „Obronis", wie Weiße in Ghana genannt werden, gelten als etwas Besonderes. „Obroni! Obroni!" wird einem überall hinterher gerufen. Das ist nicht unbedingt negativ gemeint – aber ich musste mich daran gewöhnen, wie ein exotisches Tier im Zoo beäugt zu werden. Drei Dinge verbinden die Ghanaer in der Regel mit Deutschland: die Fußball- Bundesliga (denn Fussball gehört in Ghana zum Leben), das Münchner Oktoberfest (denn Ghanaer sind begeisterte Biertrinker und sehr stolz auf ihre vier Biermarken) und das Vorurteil, dass Deutsche keine Afrikaner mögen. Diese Meinung hält sich hartnäckig und ist auch mir regelmäßig begegnet. Ich habe versucht, die Ghanaer vom Gegenteil zu überzeugen – was aber nicht selten mit einem Heiratsantrag endete. Durch meinen Aufenthalt in Ghana habe ich gelernt, dass viele Dinge nicht so selbstverständlich sind, wie sie scheinen. Wasser zum Beispiel. Das ist manchmal einfach nicht mehr da. Nach zwei wasserfreien Tagen mit 19 Mitbewohnern versteht man auch das ghanaische Sprichwort „water is life". SANDRA KREUTZER Wer Interesse an einem solchen Praktikum oder an Freiwilligenarbeit im Ausland hat und mehr über die Wege dorthin wissen will, kann sich gern an die Autorin wenden. Kontakt über Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."
|




Leben 

19-jährige Schwabacherin arbeitete drei Monate in Ghana — Tage ohne Wasser
super Artikel, habe deswegen heute eÃ...
Würde gerne wissen wie das Lokal he...
Ich habe den Bericht von Katerina gel...
a) Bewährung kann nur bei einer Frei...
Nuernberg North Nuernberg East Nuernb...