Zum Mittagessen ins Fußballstadion PDF Drucken

Zum Mittagessen geht David meistens in ein Einkaufszentrum, das zum Stadion von Sporting Lissabon gehört. Foto: privatEin ganz normaler Tag im Leben eines deutschen Jungendlichen in Portugal

 

David Seelmann (16) ist Deutscher, lebt in Portugal und geht in Lissabon auf die Deutsche Schule. Hier erzählt er euch, wie ein typischer Tag für ihn abläuft und was er in seiner Freizeit treibt.

 

Mein Wecker klingelt kurz vor sieben Uhr früh am Morgen. Ich stehe verschlafen auf. Der Wandkalender teilt mir höhnisch mit, dass es Montag ist. Frühstück ist bei uns immer dasselbe: Brot mit Käse und warme Schoko-Milch. Gegen halb acht fährt mich mein Vater mit dem Auto zur Schule.
 

Bis zur Mittagspause hocke ich auf meinem Stuhl und leide am Unterricht. Kurz nach eins ist es dann so weit: Meine Freunde und ich packen unsere Geldbörsen ein und verlassen das Schulgelände. Unser Ziel ist ein großes Gebäude mit grün-weißem Anstrich, das Platz für über 50000 Leute bietet: das Stadion von Sporting Lissabon.

Wer hat schon die Gelegenheit, bei dem Fußballklub zu essen, dessen Fan er ist? Neben den Stadioneingängen führt eine Tür ins Einkaufszentrum „Alvalaxia“, wo es etliche Restaurants gibt: Pizzerias, Fast-Food-Läden, Sandwich-Stände, Burger Ranch. Ein wahres Essparadies. Normalerweise esse ich eine Art Döner.

Das Menu mit Cola und Pommes kostet etwa 5,50 Euro. Leider ist die Pause nur knappe 40 Minuten lang und wir müssen wieder zurück in die Schule. Der Unterricht hört erst um 16 Uhr auf, am Mittwoch sogar erst um 16.30 Uhr. Klavier und Karate

Nach der Schule fahre ich mit dem Bus wieder nach Hause. Nach der Haltestelle habe ich noch fast einen Kilometer zu laufen. Das geht viel schneller, wenn man unterwegs Musik hört.
 

Dann kommt etwas, dass es in Deutschland nicht gibt. Die Deutschen essen ihr Mittagessen gegen eins und das Abendbrot gegen sechs oder sieben. In Portugal und einigen anderen Ländern isst man immer um vier oder fünf einen kleinen Imbiss, der dem Frühstück ähnelt: Brot (bei mir entweder mit Käse oder Schinken) und einen warmen Kakao.

Das nennen wir dann „lanche“ (sprich laensch). Abendessen gibt es bei uns dann um acht Uhr abends. Meistens kocht meine Mutter. Jeden Abend gibt es Gemüsesuppe, weil ich während des Tages kein Gemüse esse und es sonst auch nicht vertrage.
 

Danach fahre ich zusammen mit meinem Bruder drei Mal die Woche zum Karate. Man lernt dort viel über Selbstverteidigung. Ich empfehle jedem, mindestens ein Jahr Karate zu machen. Ich bin dort seit fünf Jahren und habe inzwischen den blauen Gürtel.
 

Zu meinen Hobbys zählen noch Schreiben und Klavier spielen. In meinem Zimmer habe ich ein großes Keyboard und kann schon ziemlich viele Lieder spielen. Aber ich weigere mich, Lieder zu lernen, die vor meiner Geburt neu waren. Und ich verzichte aufs Noten lesen. Viel schneller lernt man, wenn man Tutorial-Videos online sieht.

Zu Hause haben wir zwei Mischlingshunde, Falko und Glocky. Falko ist manchmal ziemlich bissig und hat mich einige Male verletzt. Aber Glocky erschreckt sich fast vor jeder Fliege. Dies hat natürlich seinen Grund. Vor eineinhalb Jahren lief ein junger Hund in die Arme meines Onkels, der in einer Polizeistation arbeitet. Die Polizisten nahmen ihn auf und tauften ihn Glock, nach einer Pistolenmarke, und er wurde zu ihrem Maskottchen.

Kurz darauf erließ der Polizeichef ein Hundeverbot und meine Mutter nahm Glock auf. Wir tauften ihn auf Glocky um, weil wir fanden, dass dierer Name besser zu einem Hund passt.
Wahrscheinlich ist mein Leben nicht anders als das von vielen anderen europäischen Schülern. Wie alle anderen will auch ich studieren und mal weit im Leben kommen. Arbeiten, heiraten, Kinder kriegen. Aber all das hat noch Zeit. Ich denke nicht viel darüber nach.
 

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