| In der Welt der Yaks und Jurten |
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Wer nicht unbedingt ein extremer Mountainbike- oder Trekking-Freak ist, wird dort wohl kaum Urlaub machen - im Pamir, einem Gebirge im Osten von Tadschikistan. Das asiatische Land grenzt an Afghanistan und China und war früher Teil der Sowjetunion. Die Erlanger Geografie-Studentinnen Carolin Bimüller und Desiree Dotter waren nicht dort, um Urlaub zu machen, sondern um für ihre Diplomarbeit zu recherchieren. Nach mehreren Tagen Fahrt im UAZ, einem russischen Geländewagentyp, kommen wir in Murghab an. Der 7000-Einwohner-Ort in 3650 Metern Höhe ist das Zentrum für eine Region so groß wie die Schweiz. Vor einem imposanten Panorama aus 5000er-Gipfeln prägen flache Häuser, streunende Hunde und jede Menge Staub das Bild. Fließendes Wasser gibt es nicht in Murghab. Das holen wir von einem Brunnen auf der Straße, der allerdings nicht immer funktioniert. Wer Geld hat, kann sich ein bis zwei Mal pro Woche - zusammen mit seiner Wäsche - in der Banja, einer Art russischen Sauna, reinigen. Das Brennholz dafür liefern Viehdung und der Zwergstrauch Teresken. Aber diese Gewächse sind wertvoll. Denn zugleich sind sie die wichtigste Futterquelle für das Vieh im Winter. Sein Bett muss man ins Krankenhaus selber mitbringen Strom gibt es nur sporadisch. Er wird unregelmäßig durch ein Wasserkraftwerk erzeugt und relativ unkontrolliert ins Netz gespeist, so dass die Spannung zwischen 20 und 480 Volt schwankt. Zu manchen Zeiten sieht man seine Glühbirne nur leicht glimmen; nachts dagegen muss man gut aufpassen, dass sie nicht durchbrennt. Die Menschen hier leben von Milchprodukten, Tee und Fladenbrot - das nicht selten nach Schimmel schmeckt. Aber nicht das Brot ist verschimmelt, sondern schon das Mehl, aus dem es gebacken wird - wenn der Sack mal feucht geworden ist. Obst und Gemüse sind für die meisten hier unerschwinglich. Das Krankenhaus von Murghab ist ein leeres Gebäude. Wer dort behandelt werden möchte, muss alles selbst mitbringen: Bett, Nahrungsmittel, Medikamente und sogar den Treibstoff für den Generator, damit operiert werden kann. Es fehlt an medizinischen Geräten, an ausgebildetem Personal und an Medikamenten. Und weil es auch im Krankenhaus kein fließendes Wasser gibt, sind die hygienischen Bedingungen problematisch. Doch wir blieben nicht lange in Murghab. Unsere Forschungsarbeiten führten uns auf die Sommerhochweiden, die sich in Höhen von etwa 3800 bis 4500 Metern erstrecken. Dort untersuchten wir die kleinräumigen Vegetationsstrukturen und die Bodeneigenschaften in Abhängigkeit von der Weideintensität. Yaks mit grimmigem Gesichtsausdruck Die Region des Ostpamir ist keineswegs ein weißer unerforschter Fleck auf der Landkarte: Im 19. Jahrhundert schlugen die auf Viehzucht spezialisierten Kirgisen dort ihre Jurten, die traditionellen Rundzelte, auf. Von den Sowjets gefördert Die Sowjets förderten die Besiedelung der strategisch bedeutsamen Region im Grenzgebiet zu China und Afghanistan. Sie machten aus den nomadischen Hirten Kolchosen-Angehörige, die Yaks, Schafe und Ziegen produzierten. Und sie etablierten in Murghab ein Versorgungszentrum mit Schule und Verwaltung. Sogar die Forschung, vor allem die Geologie und Geobotanik, wurde finanziell stark unterstützt. Was die karge Landschaft nicht hergab, wurde importiert: Lebensmittel, Luxusartikel, Baustoffe, Kohle und Benzin - bis zur Unabhängigkeit Tadschikistans im Jahre 1991. Dann versiegte der lebenswichtige sowjetische Versorgungstropf. Seitdem fristet die Gegend ein Schattendasein. Unsere Arbeit bildet einen Baustein für das Projekt von Prof. Cyrus Samimi am Institut für Geografie der Uni Erlangen-Nürnberg. Er will mittels Satelliten-Fernerkundung das Weidepotenzial der Region einschätzen, damit es nachhaltig genutzt werden kann. Zu den Weidetieren gehören neben Ziegen und Fettschwanzschafen vor allem Yaks, die ideal an die Höhe angepasst sind. Anfangs schienen uns die stark behaarten Rinder mit dem grimmigen Gesichtsausdruck noch suspekt. Doch während unserer Feldarbeit freundeten wir uns schnell mit den Grunzochsen an. Yaks sind sehr vielseitig. Sie dienen als Last- und Reittiere, geben Milch, liefern Wolle, Leder und Fleisch. DVD-Session nach Teezeremonie Besonders beeindruckt hat uns die Gastfreundschaft der Kirgisen: Selbst wenn wir schon bei Dunkelheit an ihre Jurten klopften, wurden wir hereingebeten. In ihrer Kultur ist es oberstes Gebot, Gäste zum Tee einzuladen und in der Jurte übernachten zu lassen. Was man hat, teilt man mit den Fremden, die im Laufe der Nacht oft zu Freunden werden. Die Abende mit den Kirgisen und unsere Geländetouren in den Weiten des Ostpamirs boten uns immer wieder einen überraschenden Mix aus Modernität und Traditionen: Nie hätten wir uns träumen lassen, dass sich mitten im „Nirgendwo" an eine traditionelle Teezeremonie ein DVDAbend anschließt. Ermöglicht wird dies durch Generatoren oder Sonnenkollektoren. Aber den geheimnisvollen Schneemenschen Yeti, so hat man uns versichert, gibt es in dieser Welt trotzdem noch. Nach unserem Aufenthalt im Pamir können wir verstehen, dass die Menschen dort der „guten alten Zeit" nachtrauern. Viele der heutigen Probleme gab es zu Sowjet-Zeiten nicht, weil die Region damals im Zentrum des Machtinteresses stand. Seitdem ist sie etwas in Vergessenheit geraten. Wir hoffen, dass unsere Forschungsergebnisse den Menschen dabei helfen können, ihr Weideland intensiver zu nutzen. CAROLIN BIMÜLLER UND DESIREE DOTTER
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