In Erics Heimat freut sich jeder, wenn es regnet PDF Drucken

Das Bild ist im Botanischen Garten der Universität entstanden, da Eric so gerne Blumen um sich herum mag und die Anfang Dezember in Erlangen recht schwierig zu finden sind. Foto: Wiebke SchmalzMaster-Student aus Burkina Faso liebt die fränkische Küche

]In Franken gilt die Regel: Wozu in die Ferne schweifen, wenn es daheim am schönsten ist? Und so stammen etwa 13000 von 27000 Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg aus einem Umkreis von ungefähr 40 Kilometern. Aber: Aus der Ferne nach Franken – auch das gibt es! In loser Folge stellen wir Kommilitonen vor, die von weither zum Studieren zu uns gekommen sind. Hier:

Eric aus Burkina Faso.


Bildungsstreik – was in den vergangenen Wochen ganz Deutschland beschäftigt hat, war für Eric Segueda ein alter Hut: Der 31-Jährige aus dem westafrikanischen Binnenstaat Burkina Faso hatte 1999 zusammen mit vielen Mitschülern das Abitur boykottiert. Sie verweigerten die Prüfungen, um so ihr Entsetzen über die Ermordung des regimekritischen Journalisten Norbert Zongo auszudrücken.
Eric würde jederzeit wieder so handeln, auch wenn es ihm eine Menge Ärger gebracht hat. Die Regierung verweigerte den Streikenden jeglichen weiteren Zugang zum staatlichen Abitur. Auch Erics Eltern hatten wenig Verständnis für sein revolutionäres Tun – die Schulbildung war nicht selbstverständlich und teuer gewesen.
Immerhin brachte sein politisches Engagement Eric nach Erlangen. Nach dem Zerwürfnis mit den Eltern lernte er einen Deutschen kennen, der ihm seine erste Ausbildung als Computerfachmann ermöglichte und ihn für die deutsche Sprache begeisterte.
So begann Eric in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, nach dem Abi an einer Privatschule ein Studium der Germanistik. Auf dessen Grundlage bildet er heute zusammen mit fünf Kommilitonen die erste Generation des bundesweit neuen Masters Medien-Ethik-Religion in Erlangen.
Erics Heimat liegt an der Grenze zu Togo. In dem 10<ET>000 Einwohner zählenden Ort Dourtenga war sein Großvater der sogenannte „Naba“ (traditioneller Herrscher). Als konnte er sich 30 Frauen „leisten“, so dass Erics Vater heute um die 100 Geschwister hat. Eine deutsche Studentin hat Eric einmal gefragt, ob er sich vorstellen könne, nur eine Frau zu haben.
Solches Verhalten begegnet dem Studenten oft, wie er erzählt. Und dies ist vermutlich auch einer der Gründe, warum Eric bisher nicht so recht warm geworden ist mit seinem aktuellen Wohnort. Zu feindlich begegnen ihm viele Menschen, zu wenig herzlich und offen ist für seinen Geschmack der Umgang miteinander.
Im Vergleich zu Städten wie Hamburg oder Bonn, wo er für Praktika – unter anderem bei der französischen Redaktion der  Deutschen Welle  lebte, hat Eric in Erlangen Schwierigkeiten, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten. Er empfindet die Stadt als leer, geradezu ausgestorben.
Die fränkische Küche dagegen hat er schnell ins Herz geschlossen – Schäufele mit Klößen, darauf lässt er nichts kommen. Was ihm sonst noch besonders gut an Erlangen gefällt: der Regen! Der sei in Deutschland, wie übrigens auch der Verkehr, überaus zivilisiert und wirklich ein Genuss. Daheim beherrscht der Wechsel aus Regen- und Trockenzeit den Alltag. Regen ist dort ein Zeichen für Wachstum, Nahrung und Leben. Niemand würde auf die Idee kommen, das feuchte Nass als unangenehm zu empfinden.
Die einzige Gemeinsamkeit der Unis in Ouagadougou und in Erlangen findet Eric in der Zahl der Studenten. Ansonsten könne man eine Birne einfach nicht mit einem Apfel vergleichen. Die Qualität des Studiums in Burkina Faso leidet vor allem unter der geringen Anzahl der Professoren – für Germanistik gab es zur Zeit von Erics Studium beispielsweise gerade mal vier einheimische Lehrkräfte. Für die Mehrheit besteht darüber hinaus keine Möglichkeit regelmäßiger Aufenthalte in deutschsprachigen Räumen, so dass sie ihr Unterrichtsfach mehrheitlich der Theorie nach kennen.

Ein Grund für das heutige Defizit: Burkina Faso ist erst seit 1960 unabhängig, während der Kolonialzeit waren die Bürger des Landes von jeglicher Art akademischer Ausbildung ausgeschlossen. Noch immer gibt es kaum Bücher, wenige Computer und keinen Zugang zum Internet.
Eric hatte Glück: Durch eine freie Mitarbeit bei der Deutschen Botschaft in Ouagadougou konnte er seine Sprachkenntnisse schon früh in der Praxis vertiefen und spricht so heute neben Französisch, Englisch, Moore und Gourounsi (zwei der zahlreichen Stammessprachen in Burkina Faso) fließend Deutsch.
Im Anschluss an seinen Masterabschluss im Oktober 2010 möchte Eric am liebsten nach Genf und dort als PR-Volontär beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes arbeiten. Bis dahin hofft er, nach der geglückten Annäherung an die fränkische Kost auch einen Zugang zur fränkischen Seele zu finden.
WIEBKE SCHMALZ

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ist doch egal  - klischees   |IP-83.171.182.xxx |18-01-2010 16:52:26
ja ja, da werden wieder mal Klischees bedient von den unfreundlichen deutschen
Studenten, die den armen Afrikaner im Stich lassen...alles klar Eric, also wenn
Du keine Unterstützung im Studium bekommst, wer dann? Ich zähl mal
auf...Referate, die Du vorlesen darfst nachdem sie Dir jemand Korrektur gelesen
hat, Dozenten, die Dich mündlich prüfen, Studis die Dich einladen auf den Berg
mitzugehen und so weiter...

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