"Ich war angekündigt wie der Papst" PDF Drucken

Der Schüler Fabian Leibold drehte einen Film über die Stadt Qingdao

Urlaub machen in China – das war Fabian Leibolds (21) Plan. Der endete damit, dass der Schüler des Sigmund-Schuckert-Gymnasiums in Nürnberg sein Auto verkaufte und jobben ging. Von dem Geld kaufte er sich Kamera-Equipment, reiste für acht Wochen in die ehemalige deutsche Kolonialstadt Qingdao und drehte dort eine Dokumentation. Aus dem Filmmaterial wird nun eine Facharbeit. Erst am Flughafen kam die Angst. Drei Kameras, Stative, Mikro, Beleuchtung – bergeweise Ausrüstung hatte Fabian gerade am Check-in-Schalter nach China aufgegeben. Im fernen Asien, in der Stadt Qingdao wurde er sehnsüchtig erwartet: Der Bürgermeister, die Chefs der weltbekannten chinesischen Brauerei „Tsingtao Beer“, Mitarbeiter einer Stammzellenklinik und diverse Künstler warteten darauf, von Fabian gefilmt zu werden, Teil seiner ganz großen Doku zu werden. Plötzlich war Fabian diese Aufmerksamkeit zu viel. „Ich habe mich angekündigt wie der Papst: alle möglichen Menschen und Institutionen angeschrieben, und ihnen mitgeteilt, dass sie in meinem Film über die Geschichte und das Leben in Qingdao vorkommen sollen“, erzählt Fabian.

Über 80 Millionen Zuschauer

Ausgestrahlt werden sollte der Streifen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien. Erwartete Zuschauerzahl: 80 Millionen Menschen. Das hatte Fabian zumindest behauptet. Und die Chinesen waren heiß, im Mittelpunkt einer solchen Produktion zu stehen. Was sie nicht wussten: Hinter der Dokumentation steht ein Schüler, der Lust hatte, in den Sommerferien einen Film zu drehen. Um das Budget zu sichern, hatte er seinen alten Opel verscherbelt und ein paar Wochen im Baumarkt gearbeitet. Das alles, weil er Asien liebte, insbesondere die Hafenstadt Qingdao, über die er schon so viel gelesen hatte.

„Hier findest du chinesische Lebensweise vereint mit preußischem Prunk. Es sieht aus wie in München“, schwärmt Fabian. Herrschaftliche Häuser, riesige Bahnhofsgebäude und katholische Kirchen in Qingdao sind Überbleibsel der deutschen Herrschaft von 1897 bis 1914. „Ich fand das hochinteressant und wollte unbedingt was darüber machen“, meint der 21-Jährige. Natürlich wären die wenigsten Chinesen bereit gewesen, einem interessierten Schüler ein Interview zu geben. „Ich wollte trotzdem mit denen sprechen – dafür war das bisschen Show nötig. Dahinter steckte ja keine böse Absicht.“

Fabians Plan ging auf: In Qingdao gelang es ihm, weitere Leute für die Dokumentation zu rekrutieren. Bei seinen Streifzügen durch die Acht-Millionen-Stadt war er unterwegs mit einem Übersetzer, zwei Kameraleuten, Studenten, die das Equipment hinterhertrugen, und, und, und...

„Wir waren die Könige“

Die Truppe drang unter anderem ins Laoshan-Gebirge vor, schaffte es als „europäisches Filmteam“ in die lokale Presse und besuchte das „bayerische Bierfest“ in Qingdao. „Auf dem Fest waren wir die Könige. Ein echter Bayer hinter einem Glas bayerischem Bier – ich musste für viele Fotos herhalten“, sagt Fabian. Doch auch wenn der 21-Jährige bei seinem Projekt viel Spaß hatte, ein Urlaub war der Aufenthalt in China nicht: „Wir waren Tag und Nacht am Drehen.“

Mit 56 Stunden Filmmaterial kehrte er nach Hause zurück. Seit Oktober schneidet er, nächste Woche gibt er die Dokumentation als Erdkunde-Facharbeit ab. Den Streifen sehen werden die angekündigten 80 Millionen Menschen eher nicht – Fabian hat keine Rechte am Film. Nochmal eine Flunker-Show in Deutschland abzuziehen, das traut er sich nicht.

DANIELA RAMSAUER
 

+/-
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:
 
:angry::0:confused::cheer:B):evil::silly::dry::lol::kiss::D:pinch:
:(:shock::X:side::):P:unsure::woohoo::huh::whistle:;):s
:!::?::idea::arrow:
 
Please input the anti-spam code that you can read in the image.
+/- Kommentare
Neuer Kommentar RSS
Klaus Wilhelm  - Zu Besuch in China - Film über Qingdao   |IP-109.84.198.xxx |21-01-2010 13:11:54
Hallo Redaktion, ich habe den Bericht mit großem Interesse gelesen.
Ich bin
slbst häufig in Qingdao und würde den Film gerne mal sehen, evtl. auch meinen
Freunden in Qingdao zeigen.
Gibt es diesen als DVD - oder kann ich mich mit dem
Fabian Leibold in Verbindung setzen ?
Gerne erwarte ich Ihre Antwort

Klaus
Wilhelm

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."