| Bei Bergbauern und Kaffeebaronen |
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Große Exkursionen sind Höhepunkte im Geographie-Studium. Auf diesen, meist mehrere Wochen dauernden Reisen zu exotischen Zielen können Studenten – unter nicht ganz üblichen Reisebedingungen – theoretisch erlerntes Wissen in der Realität umsetzen. Hier berichten Nadja Wagner, Thomas Dekarski, Iris Kohler, Iris Redlingshöfer und Andreas Paravan von einer Exkursion nach Mexiko.
Mexiko, das Land der tausend Gesichter: Darauf hatten wir – 27 Geographie-Student(inn)en der Uni Erlangen-Nürnberg – uns lange gefreut. Viele bestehende Vorurteile, wie die Vorstellung von überall schlafenden Leuten mit Sombrero und Poncho, wurden widerlegt. Andere, wie die Durchfallgarantie nach sehr scharfem Essen, wurden voll bestätigt. Von Nürnberg flogen wir nach Mexiko-Stadt. Dort begann unsere vierwöchige Reise unter der Leitung von Prof. Michael Richter und Thorsten Peters. Den Auftakt bildete eine Bootsfahrt durch den Canyon del Sumidero bei Tuxtla, der gerade Niedrigwasser führte. Einen großen Teil unserer Reise verbrachten wir im Bundesstaat Chiapas in Südmexiko, wo wir unter anderem auf zwei Kaffee-Fincas zu Besuch waren. Auf der Finca Irlanda – einer der wenigen Demeter-Kaffeeplantagen der Welt – wird in traditioneller Form Kaffee angebaut. Ganz anders zeigte sich die Finca Argovia. Bereits im Eingangsbereich wurden wir von Blumen in den vielfältigsten Farben empfangen. Der Besitzer Bruno Giesemann setzt neben dem Anbau von Kaffee auch auf die Zucht von tropischen Zierpflanzen sowie auf ökologischen Tourismus. In „schlechten Kaffeejahren“ werden bis zu 95 Prozent des Gesamteinkommens mit Blumen erzielt – auf fünf Prozent der Gesamtfläche. Im Hochland von Chiapas kamen wir auf den traditionellen Märkten schnell in Kontakt mit den indianischen Einwohnern, den Indigenas mit ihrer farbenfrohen Kleidung. Mit Sack und Pack beladen kamen wir auf der mehrtägigen Extremwanderung an unsere physischen und psychischen Grenzen – und in das kleine Bergdorf Boquerón. Hier wurden wir, wie überall in Mexiko, herzlichst von den Einheimischen aufgenommen. Spätestens beim gemeinsamen Basketballspiel mit den Dorfbewohnern wurde uns allen klar, dass wir keine gewöhnliche Reise angetreten hatten, sondern eine, die uns an Orte führte, wohin sich sonst kein Tourist verirrt. Über die schwül-heiße Stadt Tapachula an der Pazifikküste ging es zu dem Vulkan Santiaguito im Nachbarland Guatemala und auf direktem Weg zurück zum Pazifik, an dem wir einen Strandtag in den Mangroven einlegten. Der Weg nach Norden brachte uns nach schlaflosen Nächten und unendlich langen Drogenkontrollen nach Mexiko City. Hier besuchten wir die Pyramiden bei Teotihuacán, die uns genauso gut gefielen wie schon vorher die Tempel bei Palenque. Per Inlandsflug steuerten wir Chihuahua im Norden des Landes an, das uns mit schaurigem Wetter und kühlen 16 Grad Celsius empfing. Anschließend beeindruckte uns die Zugfahrt durch die atemberaubend schöne Kupferschlucht. Nach einer durchzechten Nacht auf der Fähre gelangten wir auf die Halbinsel Baja California, in das Land der tausend Kakteen. Wider Erwarten fanden wir auf unserem Weg nach Tijuana eine blühende Wüste vor, bedingt durch den Hurrikan Jimena. Zu Fuß überquerten wir die Grenze in die USA. Mit den vielen neu gewonnenen Eindrücken erging es uns wie Charles Darwin, der sagte: „Es ist das Los der meisten Reisenden, erst dann zu entdecken, was an einem Ort das Interessanteste ist, wenn sie sich wieder davon aufmachen.“
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