Laut, bunt, dreckig – und dennoch überwältigend PDF Drucken

Die Kinder wurden immer zutraulicher und haben meine Nähe gesucht. Foto: privatEine Lauferin berichtet von ihrem Aufenthalt in Thailand und ihrer Arbeit in einem dortigen Waisenhaus

Manchmal muss man sich im Leben etwas trauen. Alleine in ein fernes Land reisen und dort etwas Gutes tun – die damals 17-jährige Schülerin Sophia Schuhmann aus Lauf hat das gewagt. Zwei Wochen hat sie in einem Waisenhaus in Thailand geholfen.


Morgens 6 Uhr, Bangkok Flughafen. Schock! Ich bin das erste Mal – und noch dazu ganz alleine – in Thailand und weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Das Getümmel am frühen Morgen überrumpelt mich komplett.
Meine Mutter hatte behauptet, dass ich meine Einreisepapiere im Flugzeug bekommen würde. Habe ich aber nicht! Keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Nach gefühlten hundert Stunden Durchfragen und mit Händen und Füßen Erklären bin ich dann endlich durch die Passkontrolle.
Mein Backpacker-Rucksack ist Gott sei Dank auch angekommen. Jetzt nur noch heil den Stand der Organisation finden, für die ich als freiwillige Helferin (Volontärin) in einem Waisenhaus arbeiten werde, und den Transport zum Hotel sichern.
Im Taxi trifft mich Bangkok mit voller Wucht: laut, bunt, dreckig. Aber trotzdem überwältigend. Unser Hotel liegt in einer Querstraße der berühmten „Khao San Road“ (bekannte Backpacker-Straße) – Krankenhaus-Charme vom Feinsten.
Ein Wochenende lang erforschten meine zukünftigen „Arbeitskollegen (fast nur Engländer) und ich Bangkok und seine unterschiedlichen Facetten. Eine Mischung aus traditionellen Bräuchen und modernem Lifestyle erwartete uns. Riesengroße Kaufhäuser stehen neben uralten Tempeln.
[ZWISCHENZEIL]Stundenlang Blitz und Donner
[/ZWISCHENZEIL]Dann ging es weiter in das drei Stunden von Bangkok entfernte Singburi. Die Volontäre wurden in verschiedenen Wohnhäusern untergebracht. Ich kam in das „Brown House“ oder, wie es die Einheimischen nennen „Blaun Hauu“.
In den ersten Tagen ereilte mich dann auch schon der Monsun. Stundenlanges Blitzen und Donnern mit dem großen Finale: „Blaun Hau“ war komplett überflutet. Das Ergebnis: Ratten, riesige Würmer und Schlangen im Haus.
Außerdem: weggeschwemmte Pässe, Flugzeugtickets, Geldbbeutel. Ich hatte zum Glück nur den Verlust von Schuhen und Unterwäsche zu beklagen. Also für ein Wochenende zurück nach Bangkok, um das Nötigste zu besorgen. Dann hatte uns Singburi wieder.
Die Organisation in Thailand betreut drei Waisenhäuser. Ich war für das größte davon eingeteilt. Dort leben 250 Kinder, die die Waisenhausmauern so gut wie nie verlassen. Sie essen, schlafen, lernen und leben dort.
Das Waisenhaus besteht aus drei Gebäuden. Im Haupthaus schlafen die Kinder in eng aneinander gereihten Hochbetten – drei bis vier Kinder auf einer Matratze. Ein alter Ventilator wirbelt die abgestandene Luft etwas auf.
Für alle Bewohner gibt es nur sechs Toiletten, die verstopft sind und überlaufen. Duschen gibt es keine, nur einen Brunnen mit Schöpfkelle. Dem Waisenhaus fehlt es einfach an allem: Papier, Seife und vieles mehr kaufen wir von unserem Geld.
[ZWISCHENZEIL]Die Wände bemalt
[/ZWISCHENZEIL]Ich war selbst von mir überrascht, wie gut ich mit der körperlichen Arbeit zurechtkam. Zum Beispiel erweiterten wir das Hauptgebäude oder verlegten Fliesen in den Klassenräumen. Als unsere besondere Aufgaben sahen wir Mädchen, zusammen mit den Kindern die Wände zu bemalen. Es war ein Riesenspaß für die kleineren Kinder, mit ihren Händen Bäume und Blumen zu malen.
Auch das Unterrichten von Englisch gehörte zu meinen Aufgaben. Das war total frustrierend, da es völlig unmöglich ist, jemanden eine Fremdsprache beizubringen, wenn man dessen Landessprache nicht beherrscht. So konnten die Kinder zwar prima Sätze nachsprechen und schreiben, aber deren Sinn verstanden sie nicht.
Eigentlich sollten wir alle Kinder gleich behandeln. Trotzdem hatte jeder sein „Lieblingskind“. Die fünfjährige Poom war mein Liebling. Mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken versuchte ich, ihr ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.
Nach den zwei Wochen war es richtig hart, Abschied zu nehmen. Ein kleiner Trost: zwei Wochen Backpacking durch Thailand lagen vor mir. Die Arbeit als Volontär gibt einem die Chance, zu helfen. Das ist auch schon unter 18 Jahren möglich. Ich würde es jederzeit wieder tun.
 

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