| Staudamm bedroht Regenwald-Völker |
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Eigentlich ist die Diplomarbeit von Anna-Maria Besold über das umstrittene Staudammprojekt Belo Monte in Brasilien längst fertig. Doch das Thema lässt die Nürnbergerin nicht mehr los. Zur Zeit weilt sie wieder am Amazonas, um die Proteste der Einheimischen gegen das Mammutprojekt zu beobachten. Dabei traf sie auf den vielfach oscarprämiert Filmregisseur James Cameron. Hier ist ihr Bericht.
Die Zahlen klingen gewaltig: Mit einer maximalen Leistung von 11233 Megawatt wäre Belo Monte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Es soll den Energiehunger einer wachsenden Wirtschaft stillen und die Entwicklung Brasiliens vorantreiben. Die Kosten sind mit umgerechnet acht Milliarden Euro veranschlagt. Der geplante Staudamm – bei dem der Erdaushub etwa dem beim Bau des Panama-Kanals entsprechen würde – soll an einer Biegung des Rio Xingu, eines Nebenflusses des Amazonas, Pará errichtet werden. Der erzeugte Strom soll ins nationale Netz fließen, als ein Hauptinteressent zeichnet sich die sehr energie-intensive Aluminium-Industrie ab. Das Projekt ist seit den 80er Jahren heftig umstritten. Umweltschützer und einheimische (indigene) Völker kämpfen erbittert gegen den Bau des Megastaudamms. Die Überschwemmung von etwa 516 Quadratkilometern Regenwald wäre dabei nur ein kleiner Teil der befürchteten Auswirkungen. Tatsächlich ist sogar die Wirtschaftlichkeit des Projektes umstritten, da das Wasserkraftwerk während der etwa dreimonatigen Trockenzeit nur etwa zehn Prozent seiner Kapazität produzieren könnte. Vor allem ist zu erwarten, dass das Staudammprojekt eine große Migrationswelle in die Gegend auslöst. Schätzungen gehen von zwischen 100000 und 300000 Zuwanderern aus. Aber die Infrastruktur der Region ist nicht darauf vorbereitet, solche Menschenmassen aufzunehmen. Unvermeidliche Folgen wären gewalttätige Landkonflikte, eine Zunahme von Krankheiten, Drogenkonsum und Prostitution.
Obwohl ein Expertenteam der zuständigen Behörde vorher erklärt hatte, dass die Umweltverträglichkeitsstudie für das Projekt noch lückenhaft sei, wurde im Februar die Umweltgenehmigung für das Projekt erteilt. Nun haben sich die Projektgegner zu einer großen Bewegung zusammengeschlossen und eine Klage bei den Vereinten Nationen eingereicht. Besonders die Völker des Xingu-Beckens, das 24 indigene Territorien beinhaltet, fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Nachdem bereits 1989 der Musiker Sting seine Empörung über das Staudammprojekt in die Welt getragen hat, hat die Bewegung jetzt einen nicht minder prominenten Mitstreiter: den Regisseur des Filmes „Avatar“, James Cameron. Er sieht in der Situation der durch Belo Monte bedrohten Völker Parallelen zu dem Schicksal der Na’vi in seinem Film. Und deshalb hat Cameron den Völkern vom Rio Xingu seine Unterstützung versprochen. Zu diesem Zweck besuchte er in den vergangenen Wochen zwei Mal das Dorf Arara da Volta Grande do Xingu, wo sich Führungspersönlichkeiten von neun Völkern aus 18 verschiedenen Dörfern trafen. Einige davon hatten dafür eine Anreise von bis zu drei Tagen über den Rio Xingu auf sich genommen. Bei seinen Besuchen brachte James Cameron – beim zweiten Mal in Begleitung der „Avatar“-Stars Sigourney Weaver und Joel Moore – den indigenen Völkern etwas entgegen, was ihnen oft verwehrt bleibt: großen Respekt, Wertschätzung und Interesse. Die Indigenen berichteten ihm von ihrer Sorge, mit dem Bau des Staudammes ihre gesamte Lebensgrundlage zu verlieren. Ihre Sprache machte ihre Bindung an ihren Lebensraum deutlich: der Xingu sei „ihr Blut, ihre Lebensader“ und sie seien bereit für seine Rettung zu kämpfen, für seine Verteidigung zu sterben. Cameron zeigte sich beeindruckt von der Begegnung mit den „vielen mächtigen Führungspersönlichkeiten“. Und er lobte deren Strategie, trotz aller Unterschiede ihre Kräfte zu vereinen, um für ihre Zukunft zu kämpfen. Außerdem bedauerte der Regisseur, dass manche Lager den Indigenen Gelder anbieten, um den Widerstand zu spalten. In der Tat stellen Bestechungsversuche den Zusammenhalt auf eine harte Probe. Die brasilianische Regierung behandelt das Projekt bereits als beschlossene Sache. Der Bauauftrag ist an ein Konsortium (mit großem Regierungsanteil) vergeben. Laut Präsident Lula wird „Belo Monte auf jeden Fall gebaut“. Aber der der Widerstand geht weiter: In den vergangenen Wochen haben die Völker vom Rio Xingu angefangen, in einer gemeinschaftlichen Aktion ein Dorf direkt auf dem zukünftigen Baugrund zu errichten. So kann niemand mehr abstreiten, dass sie direkt von dem Projekt betroffen sind.
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