Arm, aber zufrieden PDF Drucken

Armut prägt den Alltag der Mayas in Belize. Foto: Jörg AltLeben bei den Maya in Belize

Einblicke, die man als Individualtourist nie machen könnte, hat der der Nürnberger Studentenpfarrer Jörg Alt bekommen, als er von 2005 bis 2008 bei den Maya in Belize gelebt hat. Hier schildert er ein paar Eindrücke.

 

"Wo zum Teufel ist Belize?",  war meine erste Reaktion, als mein Jesuitenorden die Bitte an mich herantrug, in der Pfarrei St. Peter Claver von Punta Gorda in Belize als Jugendpfarrer mitzuarbeiten. Dank Google Earth wusste ich bald, dass es sich um ein kleines Land in Mittelamerika handelt, welches von Guatemala, Mexiko und der Karibik eingegrenzt wird.

 

Belize ist etwa so groß wie Hessen und hat eine Bevölkerung von rund 350000 Einwohnern. Der Altersdurchschnitt liegt bei 20 Jahren. Landessprache ist Englisch, da das Land bis vor 25 Jahren britische Kronkolonie war.

Die besagte Pfarrei liegt im Süden des Landes, wo alle Straßen enden und nur noch Fuß- und Maultierpfade nach Guatemala weiterführen. Eine richtige Sackgasse also. Aber warum nicht, dachte ich. Nach vier Jahren in Berlin sicher ein netter Kontrast.

Bei der Ankunft in Punta Gorda fallen einem sofort vier Dinge auf: das tropische Klima, Lärm (vor allem lautstarke Musik), Dreck und Insekten. Eine Enttäuschung. So jedenfalls stellt man sich das karibische Paradies nicht vor.

Aber zum Glück gibt es noch mehr zu entdecken, etwa die Maya Mountains, wo – wie der Name schon sagt – die Nachkommen der Maya-Indianer leben. Klar, der Lärm nimmt mit zunehmender Entfernung von der Küste rapide ab, da es in den Maya Mountains keine Elektrizität gibt, um große Lautsprecher zu betreiben. Aber auch dort ist es oft heiß und feucht. Man isst und schläft auf dem gestampften Lehmboden oder in der Hängematte, und Moskitos umschwirren einen in Fülle.

Was einen aber ins Herz treffen kann, ist die Mentalität und Kultur von glücklichen Menschen, die rein äußerlich besehen dazu keinen Anlass haben: Der Alltag richtet sich nach Sonnenauf- und -untergang, ein Schultag dauert vom Besteigen des Schulbus am Morgen bis zur Heimkehr am Abend 14 Stunden. 

Die Arbeit auf dem Feld ist in der Hitze des tropischen Regenwalds eine Tortur. Das Waschen von Kleidern und Geschirr, Baden und Duschen erfolgt im Dorfbach oder einer Quelle. Im Speiseplan erkennt man relativ schnell Wiederholungen: Tortillas, Reis, Reis, Tortillas, mit oder ohne Chili, mit oder ohne Ei, ab und zu ein wenig Fleisch.

Und doch sind diese Menschen glücklich. Sie haben eine saubere Umwelt, ausreichend zu essen, intakte Familien und Dorfgemeinschaften. Und sie können sich stundenlang mit Spielen, Liedern und dem Erzählen von Geschichten beschäftigen.

Sicher, auch dort gibt es Probleme. Aber keiner ist mit seinen Problemen allein. Es gibt die Familie und das Dorf – und es gibt Gott, die Ahnen und Geister der Täler und Höhen, die über das Leben der Menschen wachen. 

Und so fallen dem Europäer ungekannte Dinge auf: Von der alten Maya-Hochkultur zeugen nicht nur die Tempelruinen und Kulthöhlen. Elemente dieser Kultur sind auch heute noch lebendig. Dies zeigt sich vor allem in der Einstellung der Mayas gegenüber der Natur, die sie als beseelte Einheit betrachten, von der sie ein organischer Teil sind. 

Dieser große Respekt vor der gegenseitigen Abhängigkeit zeigt sich vor allem während Aussaat und Erntezeit – in heute noch praktizierten Riten wie Opferungen, Fasten und Gebet. Bei den Mayas ist eine Mischung von mythologisch und christlich geprägter Spiritualität lebendig, die einen lehrt, Selbstverständliches mit neuen Augen zu sehen. Dies hat auch praktische Auswirkungen, etwa medizinische Behandlungsmethoden mit dem Wissen um kosmische, geist-seelische und pflanzliche Eigenschaften.

Von den Mayas lernt man, dass es in der Tat mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir Europäer anzunehmen bereit sind, weil wir glauben, alles im Griff zu haben. Vor allem aber lernt man von ihnen, wie wenig es braucht, um ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen.

 

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