Shelly liebt Bier und hat Angst vorm Radeln PDF Drucken

An das fränkische Bier hat sie sich gewöhnt. Aber radeln traut sie sich doch noch nicht: Shelly aus Minnesota studiert in Erlangen. Foto: Wiebke SchmalzStudentin aus Minnesota/USA kann sich nur teilweise mit den Gebräuchen in Erlangen anfreunden

Nach Beiträgen über Kommilitonen aus Usbekistan und Burkina Faso stellen wir in unserer Exoten-Reihe über ausländische Studierende an der Uni Erlangen-Nürnberg heute Shelly vor. Sie hat es aus Minnesota in den USA nach Erlangen verschlagen.

 


Fast 27000 Studierende gibt es momentan an der Uni Erlangen-Nürnberg – das sind mehr Menschen, als der Heimatort von Shelly Fromm Einwohner hat. Die 22-jährige Amerikanerin stammt aus Owatonna, einem 23000-Seelen-Ort im Heimatstaat Bob Dylans: Minnesota.
Auch wenn Owatonna eine sehr überschaubare Einwohnerzahl hat – eines gibt es jährlich in Massen: Schnee! Über Beschwerden fränkischer Mitbürger bezüglich empfindlich kalter Temperaturen im Frühsommer kann die Studentin der Wirtschaftswissenschaften deshalb nur lachen.
 

Doch während das Wetter hierzulande von Zeit zu Zeit doch recht grau daherkommt, so gibt es in Shellys Heimat, dem Land der 10000 Seen, nur die Extreme: heiße Sommer und kalte, schneereiche Winter.
Shellys Urur(...)großvater stammte aus Trier und war zwischen 1860 und 1870 – während des Höhepunktes deutscher Aussiedlung nach Minnesota – in die USA ausgewandert. Heute spricht niemand in Shellys Familie mehr Deutsch, auch sie lernte es erst in der Highschool.
 

Nun lebt sie in Franken, um ihre Fremdsprachenkenntnisse in der Praxis zu verbessern. Das stellt sich als nicht immer ganz einfach heraus: Die jüngeren Menschen wechseln automatisch auf Englisch, erzählt Shelly, sobald sie ihren Akzent bemerken. Die älteren Menschen dagegen würden sie häufig nicht verstehen und dann schnell unfreundlich wirken.
So kommt sie sich oft dumm vor – vielen Amerikanern gehe das im Ausland so, berichtet die Studentin. Für deutsche Studenten sei es selbstverständlich mindestens eine Fremdsprache zu sprechen, oftmals sind es sogar zwei oder drei. In Amerika sei die Notwendigkeit von Fremdsprachen noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen.
 

Mit Leib und Seele ist Shelly dagegen längst in Franken angekommen – ihre eigentliche Gewohnheit, kein Bier zu trinken, hat sie bereits kurz nach ihrer Ankunft über Bord geworfen. Das sei hier unter Studenten einfach normal und vor allem relativ günstig. Ein besonderes Erlebnis war für sie da natürlich die berühmte Bergkirchweih, der sie gar täglich einen Besuch abstattete.

Verabschieden musste sie sich neben dem Bierverzicht auch von der amerikanischen Gewohnheit, generell jegliche Entfernung mit dem Auto zurückzulegen. In Erlangen ist die Studentin in der Regel zu Fuß unterwegs. An ein Fahrrad hat sie sich noch nicht herangetraut. „Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt noch Radfahren kann“, zweifelt sie.
 

So begnügt sie sich bislang damit, den täglichen Rad-Wahnsinn zwischen Hauptbahnhof und Audimax aus sicherer Distanz zu beobachten und freut sich über die zahlreichen Fußgängerzonen und -ampeln. Besonders faszinierend findet Shelly die zahlreichen historischen Gebäude – nicht nur in Erlangen.
 

Nachdem ihr Trip ins Frankenland der erste überhaupt ins Ausland war, hielt es Shelly nicht lange in Deutschland. Regelmäßig mietet sie zusammen mit anderen internationalen Studenten ein Auto und bereist Europa. So war sie schon in Amsterdam, Prag, Krakau, Budapest, Wien und Hamburg. Die nächste Reise soll nach Paris gehen.
 

Trier, die Heimat ihres Ahnen, steht natürlich auch noch auf der Tagesordnung. Und in Spanien und Italien möchte die Amerikanerin ebenfalls diverse Ziele ansteuern. Mit den Kurzreisen nutzt und genießt sie die viele Freizeit, die sie in Erlangen hat.
 

In ihrer Heimat nahe der kanadischen Grenze hatte sie eine Arbeitswoche von 30 bis 40 Stunden – zusätzlich zum normalen Uni-Alltag. Mit einem Job im Callcenter einer Fluglinie verdiente sie sich den Aufenthalt in Deutschland – zusätzlich zu den Amerika vergleichsweise hohen Studiengebühren von 3000 Dollar pro Semester. So muss sie bis zur Heimreise im August nicht mehr nebenbei arbeiten.
 

Der Schwerpunkt liegt für Shelly ganz auf dem Deutschlernen – auf diese Art und Weise möchte sie ihrem Traum näherkommen, nach dem Studium als Marketing Director für eine deutsche Autogesellschaft zu arbeiten. Diese Branche scheint in der Familie zu liegen – Shellys jüngere Schwester fährt seit ihrem 14. Lebensjahr Autorennen. Obwohl nicht persönlich hinter dem Lenkrad, ist Shelly doch regelmäßig bei den Rennen dabei. Und darauf freut sie sich schon jetzt, wenn sie an die Heimkehr denkt.
 

WIEBKE SCHMALZ
 

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