Nix drin im Briefkasten? PDF Drucken

Viele viele Urlaubsgrüße per Postkarte und Brief: So stellt sich unsere Autorin Linda den Idealzustand in ihrem Postkasten vor! Foto: Günter DistlerEin Aufruf zur Rettung der herrlich altmodischen Kommunikationsgefährten Brief und Postkarte

 „Liebe Valerie, danke für deine Postkarte! Ich habe mich echt darüber gefreut ...“ So beginnt er, mein Brief an meine Freundin Valerie aus München. Wir haben uns vor sechs Jahren über eine Brieffreundschaftsannonce kennengelernt – und seitdem schreiben wir uns. Von anfänglichen „Hallo, wie geht’s dir? Mir geht’s gut“-Nachrichten ging es zu seitenlangen Schreiben. Zwar haben wir uns mittlerweile persönlich getroffen, aber es werden immer noch Briefe verschickt. Klar könnten wir uns auch E-Mails oder SMS schreiben. Wir greifen ganz bewusst lieber zu Papier und Kugelschreiber.

 

Briefe zu schreiben und zu erhalten ist sehr viel persönlicher und auch authentischer, als es eine virtuelle Nachricht je sein kann. Denn ein Brief zeigt: Der andere hat sich Zeit genommen, statt nur schnell den Antworten-Button zu drücken, in wenigen Sekunden einen Text zu tippen und diesen möglicherweise auch noch seinem kompletten Adressbuch zu senden.

Wer einen Brief schreibt, muss vorher nachdenken, was und wie er etwas sagen will. Andererseits kann er das, was er mitteilen will, wirklich ausführen – ohne von einem tragbaren Telefon auf 160 Zeichen beschränkt zu werden.

Auch der „Spam“ von Briefeschreibern hält sich in Grenzen: Denn man überlegt es sich genau, ob eine Neuigkeit wirklich so wichtig ist, dass man sie zu Papier bringt.

Außerdem sind ein Brief oder eine Postkarte etwas, das man sich aufheben und worin man nachlesen kann. Denn wer druckt sich schon eine E-Mail oder SMS auf Papier aus, hebt sie in einer Schachtel auf und schaut sie sich nach ein paar Monaten oder auch Jahren wieder an? Eben. Eine handschriftliche Nachricht überbringt auch das „Feeling“ viel besser. Ist es nicht schön, eine mit Eiscreme bekleckerte Karte geschickt zu bekommen, bei der der Stift gewechselt wurde und man so das Gefühl hat, in den Urlaubsspaß der Freunde eintauchen zu können? Viel schöner auf jeden Fall als eine kurze „Alles super hier. Bis bald“-SMS. Ein Brief oder eine Postkarte ist ein wahres 3D-Erlebnis!

Zwar muss man auf eine schriftliche Neuigkeit, die auf dem Postweg verschickt wird, länger warten. Aber ist das nicht gerade das Schöne? Die Vorfreude, mit der man zum Briekasten läuft und sich wünscht, mal wieder einen lieben Brief zu bekommen?

Auch die Harry-Potter-Saga würde ohne den Einschulungsbrief, den der Wildhüter Hagrid dem elfjährigen Harry (nach einigen Komplikationen) übergibt, einiges an Charme verlieren. Was würde die Eule Hedwig überbringen, wenn es keine Briefe mehr gäbe? Diktiergeräte mit aufgezauberten Nachrichten vielleicht?

Zudem hat der Brief einen kulturellen Hintergrund, um den es schade wäre: Was wäre denn die Schule ohne den legendären Blauen Brief? Wenn es keine Flaschenpost mehr gibt, finden wir dann leere Colaflaschen mit USB-Sticks drin? Und was würden kleine Kinder dem Weihnachtsmann schicken, wenn es keine Briefe mehr gäbe? Eine SMS „Hey Weihnachtsmann, meinen Wunschzettel findest du unter folgendem Link...“?

Ihr seht: Viele schöne Traditionen würden mit den Briefen einfach verschwinden. Also, setzt euch doch mal hin und schreibt einen hübsch altmodischen Feriengruß per Brief statt einer hingerotzten SMS oder E-Mail!

LINDA RINGEL
16 Jahre

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