| Du bist Edelratte? |
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Wenn der Crashdummy noch einmal englisches Ballett tanzt, hat er es sich bei seinem Dadster verschnitzelt. Wie, das versteht ihr nicht? Seltsam, dabei sollte es genau eure Sprache sein — meinen zumindest die Herausgeber von Wörterbüchern der Jugendsprache. Sie haben gerade das Jugendwort des Jahres 2009 gekürt. Es lautet: „Hartzen“. Inge Braun (15) hat sich mit dem Phänomen der Jugendsprache auseinandergesetzt. Hartzen? Crashdummy? Dadster? Hä? Ich lese mit großen Augen vermeintliche Jugendwörter. Wer bestimmt eigentlich, was ein Jugendwort ist? Ich jedenfalls habe das Wort „Hartzen“ nie gehört, geschweige denn in den Mund genommen. Laut der Gesellschaft für deutsche Sprache steht das Wort für „arbeitslos sein“ oder salopp ausgedrückt „rumhängen“. Und ist Jugendwort des Jahres. ber mich noch niemand gefragt, ob ich dieses oder andere Jugendwörter gebrauche. Dabei richtet sich die Jury sicher nicht danach, wie oft ein Wort tatsächlich verwendet wird. Wohl eher haben spektakuläre und komplett neue Wörter eine Chance. Aber woher kommen denn Begriffe wie Gagcracker (Scherzkeks) oder Edelratte (kleine Hunde, die von Prominenten als Handtaschen-Ersatz getragen werden)? Sie entstehen aus der Situation. Da erzählt man zum Beispiel seinem Kumpel von einer mega super tollen Chick (Mädchen) und weiß nicht, welche Superlative man noch verwenden soll, um die Erscheinung zu umschreiben. Und dann? „Ach, sie war einfach so...so, na, so bam halt!“ Und bam – ein neues Jugendwort wurde erschaffen. Aus Hilflosigkeit. Bam, das steht für umwerfend wie ein Kinnhaken beim Boxen. Täglich entstehen Hunderte neuer Wörter in Zimmern, Schulhöfen und Jugendclubs. Kein Wunder, dass es unmöglich ist, jedes dieser Wörter zu kennen. Man kann also kaum von einer einheitlichen Jugendsprache sprechen. Und deshalb muss sich auch keiner schämen, wenn er kein absoluter Geek (Experte) in Sachen Jugendsprache ist. Doch warum übernehmen wir Jugendliche dann solche Wörter überhaupt in unserem Wortschatz? Wir wollen uns von anderen unterscheiden. Die verdutzten Gesichter sehen, wenn wir etwas voll korall (cool) finden und die Nichteingeweihten nichts mit dieser Eigenschaft anfangen können. Wir wollen anders sein als die altmodischen Eltern und lieber Noob als Neueinsteiger sagen. Wir wollen vielleicht auch lieber zum Schnecken-TÜV als zum verhassten Frauenarzttermin gehen. Eine eigene Geheimsprache kann nämlich auch Ärger ersparen. Mit der Mutter zum Beispiel, wenn man sagt, dass man gestern Nacht nur einige Discoschorlen getrunken hat. An Apfelschorle denkt die Mutter – und nicht eine hochprozentige Mischung von Wodka und Red Bull. Ich kannte kein einziges Wort aus den Top 15 des Wettbewerbs zum „Jugendwort 2009“. Sollte ich mir ernsthaft Gedanken machen, ob ich eine normale Jugendliche bin? Wohl kaum. Eher sollten sich die Verlage mal überlegen, ob so ein Wettbewerb überhaupt Sinn hat. Ach ja, und für alle Unwissenden wie mich: Der Einleitungssatz bedeutet so viel wie: „Wenn der Vollidiot nochmal betrunken herumtorkelt, hat er es sich wohl auch bei seinem coolen Vater verdorben.“ INGE BRAUN
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Jugendwörter werden kaum verwendet
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