Kein Bock aufs Fest PDF Drucken

alt

Drei Jugendliche feiern Weihnachten mal anders

Ausbrechen aus dem Weihnachtstrubel, den Omas einfach mal nichts schenken und das Gans-Essen boykottieren – das geht eigentlich nicht. Sagt zumindest die Mehrheit der Leute, die bei unserer Umfrage auf www.szene-extra.de mitgemacht haben. „Wie verbringt ihr am liebsten Weihnachten?“ wollten wir wissen. „Traditionell mit der Familie“ haben über 60 Prozent der Teilnehmer geantwortet. Ins Schneckenhaus zurückgezogen hat sich ein kleiner Teil von 14 Prozent – die bleiben ganz alleine zu Hause. 12 Prozent feiern gar nicht, und ein paar andere haben sich vorgenommen, in der Kneipe zu versacken. Auch unter den Jugendlichen auf dieser Seite ist eine dabei, die das Fest lieber am Tresen feiert, als im trauten Familienkreis. Sie ist eine der drei Exoten, die wir euch einen Tag vor dem großen Fest vorstellen: Wir haben mit Jugendliche gesprochen, die Weihnachten in diesem Jahr auf ungewähnliche Art verbringen.

Ein Tag wie jeder andere

 Am Heiligen Abend macht Mella Attar (17) aus Röthenbach das, was sie an jedem anderen normalen Tag auch macht: Sie feiert kein Weihnachten mit ihrer Familie.
Mella ist Muslime und stammt aus der Türkei. Das heißt, durch ihrem Glauben, dem Islam, hat sie andere Feiertage als Christen. „Für mich ist Weihnachten ein ganz gewöhnlicher Tag.“ Außer dass die Geschäfte über die Feiertage nicht geöffnet sind und alle anderen im Weihnachtsstress sind. „Ich seh das alles ganz entspannt: In dieser Zeit ruhe ich mich aus, während alle anderen durch die überfüllten Geschäfte hetzen.“

Das wichtigste für die meisten Jugendlichen sind reichlich Geschenke unter dem Christbaum. Mella schenkt sich – trotz ihres Glaubens – eine Kleinigkeit mit ihren Freunden. „Eigentlich nicht wegen Weihnachten. Es ist einfach schön, seinen Freunden etwas gutes zu tun.“ Für ihre Eltern kauft sie aber nichts. Und bekommt auch kein Geschenk von ihrer Familie. Im Islam gibt es sogar eine Art Weihnachtsfest: Das Opferfest. Nach dem Festgebet werden Süßigkeiten verteilt. „Die Kinder bekommen neue Kleider und Geschenke. Außerdem wird Essen unter den Nachbarn, Bedürftigen und der Famile aufgeteilt.“

Doch auch ohne Weihnachtsbaum und Adventskerzen lässt es sich gut leben. „Mein Vater hat mit uns darüber gesprochen, ob wir trotzdem feiern wollen. Aber das ist Quatsch. Dafür bekomme ich unter dem Jahr ab und zu kleine Überraschungen.“ Auch an Geburtstagen bekommt Mella mehr als andere Jugendliche. Da gibt es dann ein richtig großes Fest mit viel Essen und Musik. Alle Verwandten werden eingeladen – fast so wie bei einem Weihnachtsfest. „Das ist viel besser, weil ich muss dann keine Geschenke kaufen sondern, werde nur beschenkt.“ Vorzüge hat die Weihnachtszeit für Mella aber doch. „Ich liebe Plätzchen und Lebkuchen.“ Die hat sie sogar schon selbst gebacken. „Außerdem finde ich Weihnachtsfilme klasse. Die sind so schön romantisch.“ Familie Attar sitzt also am Heiligen Abend vor dem Fernseher und erfreut sich am Weihnachtsprogramm.

SOPHIA SCHUHMANN

altKeine Besinnlichkeit in der Kneipe

Tannenzweige oder, am Ende gar der Weihnachtsmann? Darauf haben Charlotte Grunow (21) und ihre Freunde am Heiligen Abend echt keine Lust. Auf jeden Fall nicht nach 21 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist Charlotte längst „raus aus der Sache“. Sie wird dann hinter einer Pressspantheke sitzen, Cola oder vielleicht ein Glas Bier trinken, und sich den Mund fusselig reden. Charlotte geht in die Kneipe. Dort trifft sich die angehende Mediengestalterin mit Freunden. „Wir halten Abstand von gezwungenen Familienfeiern. Mit Freunden ist es viel lustiger.“ Einige der Leute, die Charlotte dann trifft, hat sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen. „Ich treffe sie immer nur an Weihnachten. Es sind vor allem Bekannte von früher, oder solche, die jetzt in anderen Städten leben oder studieren. Einer kommt sogar extra aus Berlin.“

Bis weit nach Mitternacht hocken die etwa zehn Leute dann zusammen und diskutieren über Beruf, Liebe und Leben. Besinnliches wird ausgespart. „Um Weihnachten geht’s an diesem Abend überhaupt nicht.“
Das Fest haben die Freunde vor dem Treffen in der Kneipe im Schnelldurchlauf durchgespielt. „Meine Oma macht Gans, ich helfe ihr, damit es ein bisschen schneller geht.“ Mit vereinten Kräften schaffen es die beiden, dass der Vogel bereits gegen 17 Uhr auf dem Tisch steht. „Vor vier Jahren, als ich noch zum Feiern daheim bleiben musste, war das Essen immer erst gegen 19 Uhr fertig“, erinnert sich Charlotte. Vor der Bescherung ging es noch in die Kirche, anschließend musste Charlotte zum Flötespielen und Gedichteaufsagen antreten. Damit die 21-Jährige nach dem Essen schnell in die Kneipe kann, ist das jetzt alles gestrichen. „Da bin ich wirklich froh“, meint Charlotte.

Wobei es nicht so ist, dass sie Weihnachten absolut hasst. „Ich mag bloß die ganze Hektik drumherum nicht. Das Geschenkekaufen oder das Gedränge am Christkindlesmarkt geht mir auf die Nerven.“
Seit vier Jahren boykottiert Charlotte dieses laute, ungemütliche Gefeiere. Zum Boykott gehört nicht nur der alljährliche Kneipenbesuch, sondern auch der Verzicht auf großartige Investitionen in Geschenke. „Ich kaufe nichts mehr, ich denke mir nur noch kleine, persönliche Sachen aus. Das ist viel netter“, meint die 21-Jährige.

DANIELA RAMSAUER

altGeschenke im Pyjama

In den USA – also ganz weit weg – feiert Sara Oebius (19) aus Schnaittach Weihnachten. Im Rahmen eines Schüleraustausches hat sie heuer von Januar bis Juni in Kentucky gelebt. Es hat ihr dort so gut gefallen, dass sie jetzt zurück fährt, um zusammen mit ihrer Gastfamilie ein etwas anderes Fest als in Deutschland mitzuerleben. „In den USA ist alles ein bisschen übertrieben“, erzählt sie. Der Weihnachtsbaum ist ein riesiger Aufklappbaum aus Plastik. „Meine Gastmutter meint, ein echter nadelt zu sehr.“ Das komplette Haus wurde schon Wochen vor dem Fest dekoriert. Vom blinkenden Rehntier im Vorgarten bis hin zum glitzernden Christbaumkugeln, gibt es alles, was das Dekoherz der Gastmutter höher schlagen lässt.

Auch der Ablauf der Weihnachtstage ist neu für die 19-Jährige: „Wir feiern drei Tage durch.“ Am Heiligen Abend besorgt die ganze Familie erst vormittags die Geschenke. Sara hat ihre aber schon in Deutschland besorgt, weil sich die Austausch-Familie immer über Dinge aus dem Ausland freut. Abends gibt es dann eine große Party, zu der alle eingeladen sind. „Jeder bringt etwas zu Essen mit. Es gibt dann mehrere Tische voll mit Köstlichkeiten“, schwärmt Sara.  Am 25. Dezember kommt der beste Teil der Amerikanischen Weihnacht: Die Bescherung. Morgens um 5 Uhr steht Sara mit ihren Gastgeschwistern auf, um Geschenke auszupacken. Am Kamin hängt für jedes Familienmitglied eine Socke. „Die guten Kinder bekommen Süßigkeiten, die bösen Kohle in den Socken.“ Die „richtigen“ Geschenke liegen unter dem Aufklappbaum.

Nach dem Auspacken wird einfach nur noch gefeiert und die Zeit genossen. „Für meine Gastfamilie ist die Weihnachtszeit sehr wichtig.“ Saras Eltern hingegen werden ohne ihre Tochter Weihnachten feiern. „Ich glaube, meine Eltern sind traurig, weil ich weg bin. Aber sie finden es gut, dass ich neue eigenen Erfahrungen mache.“

SOPHIA SCHUHMANN

+/-
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:
 
:angry::0:confused::cheer:B):evil::silly::dry::lol::kiss::D:pinch:
:(:shock::X:side::):P:unsure::woohoo::huh::whistle:;):s
:!::?::idea::arrow:
 
Please input the anti-spam code that you can read in the image.
+/- Kommentare
Neuer Kommentar RSS

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."