Datenspione aus der Suchmaschine PDF Drucken

Bei jeder Suchanfrage geben wir Google und anderen Suchmaschinen freiwillig Daten über uns zum Kommentar über die Schattenseiten von Google & Co.

 

Google macht mal wieder Schlagzeilen: Der Suchmaschinen-Betreiber will sich aus China zurückziehen, weil bei ihm angeblich Daten über chinesische Oppositionelle ausspioniert wurden. Dabei ist Google selbst ein „Datenmonster“ sondergleichen. Bei jeder Abfrage speichert es Infos über seine Nutzer. In Deutschland werden neun von zehn Suchanfragen auf Google eingegeben – Suchportale wie Yahoo, Bing und T-Online sind mit gerade einmal je rund zwei Prozent Marktanteil weit abgeschlagen. Schon lange beeinflusst Google, was wir wann lesen. Grund genug, sich einmal Gedanken über die Macht der Suchmaschine zu machen. Philip Dingeldey (19) tut es in diesem Kommentar.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Durch Google wird mein Recht auf Privatsphäre, ja meine Freiheit eingeschränkt. Jede Information nämlich, die das System bei Suchanfragen erhält, wird gespeichert – also alles, was ich frage und anklicke. Niemand ist im Netz mehr anonym.

 

Die Überwachung sei laut Google zur Verbesserung der Verhältnisse gedacht, damit alles auf meinen Typ zugeschnitten wird. So erhalte ich, wenn erst einmal ein Interessensbereich entdeckt wurde, auf mich zugeschnittene Werbecookies- und Werbe-E-Mails von anderen Firmen. Damit verdient Google Geld.

Mir jedoch bringt dies nur eins: Ich bin durch und durch transparent! Denn für jede Information, die ich erhalte, gebe ich eine über mich preis – und da sage einer, Google sei günstig. Einen solch „fairen“ Tausch will wohl kaum einer machen – aber viele tun es, unwissentlich und unbewusst.

Man kontrolliert mein Verhalten

Doch was habe ich davon, wenn die Suchmaschine alles über mich weiß und speichert? Wenn sie mich anhand meiner Suchbegriffe charakterisiert? Hauptsächlich doch wohl eines: Überwachung und Kontrolle über mein Verhalten! Zwar kennt Google nicht die Namen der Nutzer, weiß aber, von welchem Internetanschluss die Suchanfrage ausgeht.

Ein Teenager, der dies weiß, würde sich zwei Mal überlegen, ob er eine sehr private Suchanfrage über Google stellt – etwa zu sexuellen, intimen Fragen, wenn er nach Antworten à la Doktor Sommer sucht. Denn auch das speichert das System, während man ruck-zuck die passende Seite gefunden hat.

Aber es geht noch weiter: Wir werden nicht nur über google.de überwacht, sondern auch über Videos, die auf YouTube ins Netz gestellt werden. Da werden Daten (wer sieht wann was?), Beiträge und Kommentare auch von Google gespeichert – denn den Betreibern gehört inzwischen das Portal YouTube. So entsteht ein übergroßes, monströs-mächtiges Überwachungsmonopol.

Auch ist die „Bespitzelung“ inzwischen nicht mehr auf den PC beschränkt. Über das neue Google-Handy G1 ist man jederzeit auffindbar. Das G1 bietet nämlich, wie das wesentlich teurere iPhone, Zugang zum Internet und kann so unterwegs alles suchen – und speichern. Wenn es als Reiseführer fungiert, weiß Google, wo ich bin und hingehe. Es ist Google to go.

Wie ein Schweizer Bankkonto

Bisher hatten wir noch Glück und Google hat die abermillionen privaten Informationen über seine Nutzer nicht missbraucht. Vielleicht ist aber auch nur noch nichts offiziell... Hier kann ich nur spekulieren, da Google nichts öffentlich macht – wie bei einem Schweizer Bankkonto.

Es gab ja auch den Skandal, als Angestellte bei Lidl heimlich mit Kameras überwacht wurden – angeblich zum Wohle der Kunden. Ähnlich ist es bei Google, nur werden hier keine Kameras, sondern Computerprogramme genutzt. Aber was ist mit unseren Menschenrechten? So wohltätig kann die Datenspeicherung nicht sein – schon gar nicht in einer Zeit, in der Terrorismus die Politik bestimmt. Unter dem Vorwand, die innere Sicherheit zu erhöhen, wurden ja bereits Online-Überwachungen ermöglicht.

Und da kommt Google und speichert alles, was wir ihm zu fressen geben. Da kommt Google und hat alles bereit zur Überwachung der Bürger. Da kommt Google und kann über jeden regelmäßigen Nutzer sagen, wer er ist und was er macht. Im Falle eines Notstandes nämlich könnte Google – je nach Notstandsgesetz des betreffenden Staates, das bei uns etwa das Post- und Fernmeldegeheimnis einschränkt – die Informationen an die Regierung(en) weitergeben. Ein legaler Bruch unserer Privatsphäre!

Dann wüsste die Regierung vieles über uns und könnte „ungemütliche Surfer“ wie Freidenker „aussortieren“. Als Jugendlicher sucht und probiert man oft zum Spaß die verschiedensten Dinge, was nachher falsch verstanden werden und zu Problemen führen könnte.

Doch jene die Freiheit einschränkenden Züge sind wegen des Komforts leider kaum beachtet. Ein Leben ohne Google – ginge das im Internet überhaupt noch? Haben wir Alternativen? Kaum, denn es ist nicht gesagt, dass andere Suchmaschinen keine Daten speichern – und keine davon ist in den Suchergebnissen so kompetent wie Google. Auf andere Suchportale ist also auch kein Verlass. Daher sollte jeder überlegen, ob er überhaupt etwas mit einer Suchmaschine finden will.

Stiller Wächter

Ein bisschen erinnert mich das Szenario an den Batman-Film „The Dark Knight“. Darin überwacht der Superheld Batman die Mobiltelefone der Stadt, um die Bürger vor den Attacken des Bösewichts Joker schützen zu können. Da hätte er doch gleich Google engagieren können, denn die beschränken sich nicht auf Handys.

Das ist Google: der Held, den wir wollen und der spioniert, solange wir ihn benutzen. Das ist Google: der dunkle und zwielichtige Ritter, der stille Wächter, den wir so gar nicht wahrnehmen.

PHILIP DINGELDEY

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