Theater? Ist doch kein Drama! PDF Drucken

Foto: Andre De GeareEine Schülerin schreibt über die Lust am Theaterspiel und den Bildungsvorteil

Theater? Igitt! Oper? Noch schlimmer! Veraltet, ätzend, uncool! Mal ehrlich, das denken wohl die meisten von euch.  Rebecca Haas aus der Q11 des Paul-Pfinzing-Gymnasiums in Hersbruck ist da ganz anderer Meinung. Hier erklärt sie warum.


„Alle Schüler ab der 10. Klasse, die dieses Jahr am Theater-Abonnement Nürnberg teilnehmen wollen, treffen sich in der zweiten Pause im Mehrzweckraum.“ Das las ich am Schwarzen Brett unserer Schule und dachte: 10. Klasse aufwärts? Das sind ja mindestens 450 Schüler! Der Platz im Mehrzweckraum reicht doch nie für so viele Leute!
Doch die Realität war ernüchternd: Höchstens 40 Schüler waren gekommen. Hauptsächlich Ökos, Freaks, Alternative oder wie man diese Gattung auch immer nennen will. Ich war enttäuscht und fühlte mich vollkommen fehl am Platz. Zum Glück hatte mein Freund sich bereit erklärt mitzukommen. Sonst wäre ich wahrscheinlich Hals über Kopf weggerannt.
Die etwas Verständnisvolleren unter meinen Bekannten meinten am nächsten Tag, so ein Theaterbesuch koste zu viel Zeit. In der Schulzeit müssten sie abends lernen, und am Wochenende möchten sie ausspannen und etwas mit Freunden unternehmen. Und ein Kinobesuch sei sowieso besser. Begründung? Keine!
Ich dagegen denke, dass selbst die schlechtesten Schüler das Büffeln zugunsten der eigenen Bildung durch eine Kulturveranstaltung einen bis zwei Abende pro Monat ohne schlechtes Gewissen vernachlässigen können. Um den Schülern nicht das Wochenende zu nehmen, versuchen die Lehrer ja schon, Karten für Vorstellungen unter der Woche zu ergattern.
Man muss natürlich auch von sich aus hingehen wollen. Aber warum auch nicht? Ein Theaterbesuch ist in den seltensten Fällen langweilig. Um eventuellen spontanen Langeweileanfällen vorzubeugen, lohnt es sich, vor dem Theaterbesuch eine Zusammenfassung des jeweiligen Stückes zu lesen. Vor allem die älteren Dramen und Opern sind sehr schwer zu verstehen, wenn man nicht zumindest ein paar Grundkenntnisse der Handlung mitbringt. Aber aus Erfahrung kann ich sagen: Von den acht Theaterstücken, die ich in den vergangenen zwei Jahren besuchte, habe ich gerade mal eines als langatmig empfunden.
Nach dem Stück ist es auch immer sehr interessant, die Meinung der anderen Besucher zu erfragen – vor allem bei Vorstellungen, die einem selbst nicht gefallen haben. Bestenfalls lernt man nämlich etwas aus dem Ganzen. Nach dem Besuch der „Grönholm-Methode“ weiß ich jetzt zum Beispiel, wie ein Assessment-Center im schlimmsten Fall ablaufen kann. Und „Die Orestie“ hat mich zumindest gelehrt, mich nie wieder in die erste Reihe der Tafelhalle zu setzen. Dort war es nämlich verdammt laut! Anders als die meisten Kinofilme sind Theaterstücke im Normalfall nicht nur zur Unterhaltung geschrieben, sondern auch, um etwas zu vermitteln oder auf etwas aufmerksam zu machen.
Eine Theater- oder Opernvorstellung ist außerdem ein gesellschaftliches Ereignis. Da kann man sich viele Umgangsformen unter Erwachsenen, Verhalten in der Öffentlichkeit und Etikette abschauen. Als Mädchen stellt man sich da natürlich die große Frage: Was ziehe ich an? Nach ein, zwei Aufenthalten im Theater ist aber schnell klar: Bluse und dunkle Jeans sind sogar für die Oper völlig ausreichend – solange man sich oben im zweiten Rang aufhält.
Mein Fazit: Ein Theater- oder Opernbesuch hin und wieder schadet nicht, sondern ist sogar nützlich. Und er ist sicher bildender als jeder Kinoabend!

 

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