Ständig streiten ist nicht ihr Ding PDF Drucken

Politik bedeutet viel reden: Neben den öffentlichen Sitzungen trifft das Jugendparlament sich auch zu Arbeitssitzungen. Hier werten Sebastian, Jun, Valeria, Laura und Nicole (von links) eine Umfrage unter Erlanger Schülern aus. Foto: Bernd Böhner15 junge Erlanger engagieren sich im Jugendparlament - Problem: "Wir sind zu wenig bekannt"

"Es gibt zu wenig Flächen für Graffiti-Sprayer.“ „Busfahren ist so teuer.“ „Uns fehlt ein guter Jugendclub.“ – Es gibt immer Dinge, über die man in seiner Stadt oder seinem Dorf meckern kann. Aber sich selbst in der Politik engagieren und etwas dagegen tun? Das wollen nur wenige Jugendliche. Ganz anders ticken da 15 junge Erlanger, die derzeit im Jugendparlament (JuPa) der Stadt sitzen. Ein Besuch bei den Nachwuchspolitikern.

Warum sie sich 2008 ins JuPa Erlangen wählen ließ? Laura Meinhardt bezeichnet es als „Kurzschlussreaktion“. Die 18-Jährige vom Ohm-Gymnasium wurde von ihrem Freund dazu ermutigt; auch ein Lehrer machte kräftig Werbung fürs JuPa. Auch Jun Park meldete sich sehr spontan als Kandidat. „Der Brief, mit dem ich zur Wahl eingeladen wurde, hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht“, erzählt der 14-Jährige.

Valeria Wetsch wiederum ist schon seit Jahren ehrenamtlich aktiv, engagiert sich als Tutorin und in der Stadt-SMV. Da war die Wahl ins JuPa der nächste Schritt. „Mir reicht es nicht, nur rumzunörgeln und andere machen zu lassen. Ich will selbst an der Quelle sitzen“, meint die 16-Jährige. Inzwischen ist die Gymnasiastin Vorsitzende des JuPa.

So wie Laura, Jun und Valeria sind die meisten ins JuPa gekommen, weil sie etwas verändern wollen. Für zwei Jahre ist es ihre Aufgabe, die Meinungen und Interessen von Jugendlichen in der Erlanger Stadtpolitik zu vertreten. Doch das ist leichter gesagt als getan! „ Das JuPa ist leider zu wenig bekannt“, meint Laura. Deshalb fragen die Nachwuchspolitiker oft ihre Freunde nach ihrer Meinung, wenn eine Entscheidung zu fällen ist. (Wie ihr euch einbringen könnt, siehe hier.)

Dabei können die 15 Gewählten durchaus etwas bewegen. Ihnen steht ein Budget von jährlich etwa 6000 Euro zu, über das sie frei verfügen können. So haben sie zum Beispiel bei der „Woche gegen Rassismus“ einen Theaterworkshop für Jugendliche unterstützt. Oder sie fördern Schulbälle und Austauschprojekte – ein Antrag mit Begründung ans JuPa genügt.

Außerdem nutzt das JuPa das Geld, um selbst etwas auf die Beine zu stellen. Einmal jährlich gibt’s laut Satzung eine „Jungbürgerversammlung“, bei der Jugendliche mit Politikern der Stadt ins Gespräch kommen. Und derzeit wird für Anfang Juli ein Europatag organisiert. „Wir planen einen Vortrag, eine Podiumsdiskussion und Infostände, zum Beispiel über Austausche in Europa“, erzählt Valeria.

Mit diesem Logo wirbt das JuPa für sich. Foto: privatSchließlich mischt das JuPa ordentlich in der Stadtpolitik mit. In jedem städtischen Ausschuss sitzt ein JuPa-Mitglied und hat dort Rederecht. So hat Jun sich etwa im Verkehrsausschuss dagegen ausgesprochen, dass die Buspreise für Kinder auf 80 Cent klettern. „Aber das entscheiden die Stadtwerke, darauf hatten wir keinen Einfluss“, bedauert er.

Auch Lauras Meinung über die Arbeit in den Ausschüssen ist zwiegespalten: „Das ist zwar sehr interessant, aber es sind oft Mammutsitzungen, bei denen die meiste Zeit über Geld diskutiert wird.“ Außerdem brauche jede Entscheidung viel Vorlauf, weil der bürokratische Weg eingehalten werden muss.

Das gilt auch für die öffentlichen Sitzungen des JuPa, die einmal monatlich stattfinden. Dafür gilt es, eine Tagesordnung und Anträge zu formulieren – „denn abstimmen können wir nur, wenn etwas Schriftliches vorliegt und das Thema in der Tagesordnung steht“, so Laura. Jun erinnert sich noch gut an eine etwas chaotische Sitzung Ende 2009. Damals wurde gerade über den Bau eines Jugendtreffs auf dem Gelände des E-Werks diskutiert. Das JuPa wollte beantragen, dass die Stadt dieses Projekt mit 75000 Euro bezuschusst. „Auf den letzten Drücker haben wir deshalb die Tagesordnung geändert und in der Sitzung schnell einen Antrag formuliert“, erzählt Jun. „Das war nervig, aber es muss sein.“

Über die politische Welt sprechen die Jugendlichen inzwischen ziemlich ernüchtert. Einerseits sind ständig Absprachen zu treffen; im JuPa läuft vieles über E-Mails. „Ich checke viel häufiger mein Postfach als früher“, erzählt Valeria. „Wenn über Nacht zehn neue Mails kommen, haben fünf was mit dem JuPa zu tun.“ Andererseits braucht man in der Politik ein dickes Fell. „In den Ausschüssen wird unablässig gestritten“, hat Laura erfahren. „Manche sind richtig hochgestochen fies zueinander – furchtbar!“

Die Politik zum Beruf machen, das haben sich die JuPa-Mitglieder also abgeschminkt. „Immer nur zu diskutieren und ständig öffentlicher Kritik ausgesetzt zu sein, das wäre nichts für mich“, so Valeria. Und trotzdem: Den Job im JuPa würden sie immer wieder machen.

ANNIKA PEISSKER

Extra-Info: Auch ihr könnt mitmischen!

Das JuPa braucht euch! Was würdet ihr in Erlangen gern verändern? Wofür soll sich das JuPa eurer Meinung nach stark machen? Eure Wünsche könnt ihr jederzeit per Mail an jugendparlament@ stadt.erlangen.de senden. Oder ihr kommt dienstags von 16 bis 17 Uhr (außer in den Ferien) in die Sprechstunde ins Erlanger Rathaus, Zimmer 125. Die Termine für die öffentlichen Sitzungen erfahrt ihr auf der JuPa-Seite bei SchülerVZ.

Übrigens: Vom 8. bis 12. November 2010 wird ein neues Jugendparlament gewählt. Alle wahlberechtigten Jugendlichen erhalten deshalb ab Juli einen Infobrief. Damit könnt ihr euch selbst oder andere als Kandidaten aufstellen.

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