| Wir drei und unser Restaurant |
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Mehr als 60 Prozent der Studenten in Deutschland sind von einem Nebenjob abhängig. Die meisten kellnern, geben Nachhilfe oder stehen hinter der Kinokasse. Doch es gibt sie – die absolut außergewöhnlichen Jobs. Einen davon habe ich, Katerina Dimitriadis. Zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester betreibe ich ein eigenes Restaurant.
Die Idee, ein Restaurant zu eröffnen hatte unsere Mutter, Konstantina Georgakopoulou, schon lange. Sie fühlte sich als Hausfrau und Mutter unterfordert. Groß geworden war sie in einem Restaurant in Griechenland und wusste somit, was auf uns zukommen würde. Lange und harte Arbeit – verbunden mit viel Ausdauer und Geduld. Meine Schwester und ich waren trotzdem von der Idee begeistert. Warum, können wir bis heute nicht erklären. Denn das große Geld ist mit unserem Restaurant nicht zu machen. Wobei wir für unsere Mühen selbstverständlich entlohnt werden.
Lange Durststrecke Das Wichtigste war jedoch, das Herz unseres Restaurants zum Schlagen zu bringen: Wir wollten das perfekte Angebot an Gerichten finden. Sechs Monate lang brauchten wir die Hilfe eines professionellen Kochs, der uns täglich angelernt hat. Denn meine Mama und ich waren zwar gute Hobbyköchinnen, aber wir waren bei weitem nicht in der Lage für mehrere Personen verschiedene Gerichte gleichzeitig zu kochen. Und vor allem welche Gerichte? Ende September 2007 war es dann soweit: Wir eröffneten. Der erste Abend war ein voller Erfolg. Es kamen unglaublich viele Gäste. Aber es waren alles geladene Gäste, Freunde der Familie. Zu dieser Zeit war es eher die psychische Belastung, die uns das Studenten- und Schulleben erschwerte. Die Tage, an denen sich vereinzelt Gäste zu uns verirrten, blieben die Ausnahme. Und dennoch. Die wenigen, die kamen, waren positiv überrascht von den zwei Studentinnen und ihrer Mama. Sie unterstützten uns, so gut sie konnten. Sie kamen so oft wie möglich zum Essen und empfahlen uns weiter. Sie glaubten an uns, als die monatlichen Ausgaben dreimal so hoch waren wie unsere Einnahmen. Damals verloren wir viel wichtige Zeit, die wir zum Lernen hätten nutzen können. Auch das abendliche Weggehen mit Freunden kam zu kurz, Noch gab es keine Möglichkeit, mal einen Abend frei zu nehmen wie heute. Dann kommt eine Hilfskraft und ersetzt uns.
Das Lernen fällt schwer Unsere Karte dominieren liebevoll dekorierte Gerichte wie Egerling-Thymian- Risotto mit Knoblauch-Brotkrumen. Oder Rucola-Chilli-Linguini mit Kirschtomaten und gebratenen Garnelenschwänzen.
Wir mussten lernen, unsere Zeit effizient einzuteilen. Ein Jahr später stand mein Abitur an. Das Lernen dafür war kein Problem. Schwieriger ist es jetzt im Studium. Ende des Semesters stehen bis zu acht Klausuren an. Aber es ist machbar. Viele Gäste sind erstaunt, dass es tatsächlich keinen Mann in der Küche gibt. Doch sie gewöhnen sich daran, dass das Essen von einer Politikwissenschaftsstudentin und ihrer Mama zubereitet wird. Meine Schwester ist für die Bedienung zuständig. Nach wie vor ist unser Restaurant mit sehr viel Arbeit verbunden. Ich muss mir zusätzlich zum Studium wöchentlich neue Rezepte für unsere Wochentafel einfallen lassen. Auch das Kochen verlangt volle Konzentration. Egal, ob am nächsten Tag eine Prüfung, ein Referat oder sonstiger Unikram ansteht. Zur Prüfungszeit arbeiten meine Schwester und ich auf Abruf. Unser Lernrythmus hat sich der Arbeit im Restaurant angepasst. Wir können abends nicht effizient lernen. Im größten Prüfungsstress stehen wir deshalb am Wochenende schon frühmorgens auf. Somit können wir acht Stunden durchlernen. So geht es auch. Man muss es nur wollen. Die körperliche Anstrengung, sowohl im Service als auch in der Küche ist oftmals das größte Problem. Denn in der Küche kochen wir nicht nur. Teller müssen gespült, Kühlschränke und Herde täglich gereinigt werden. Deshalb versuchen wir unseren Stundenplan so zu legen, dass wir mindestens einen Tag in der Woche frei haben. Im Zweifelsfall gilt immer: Uni vor Restaurant! Das war von Anfang an die Bedingung unserer Mutter, unter der unser Restaurantprojekt noch heute steht. Viele unserer Komillitonen stellen uns oft die Frage, warum wir diese Anstrengung auf uns nehmen. Die schweißtreibende Arbeit in der Küche und die langen Arbeitszeiten. Die Antwort ist einfach. Es macht unglaublichen Spaß. Anders wäre es nicht möglich, neben dem Studium täglich in der Küche und im Service zu stehen.
Extra-Infos: Kaum ein Student kommt noch ohne Nebenjob aus: Studiengebühren, Miete, Bücher, Essen und Kino zehren das Geld schnell auf. Doch je mehr der Job in die Kasse spült, desto schneller nimmt es euch der Staat wieder weg. Er streicht das Kindergeld und/oder kassiert Steuern ab. Grundsätzlich werden Steuern fällig, wenn das Einkommen einen Freibetrag von 8004 Euro im Jahr überschreitet. Wer also regelmäßig kellnern geht, im Klettergarten aushilft oder Zeitungen austrägt und am Jahresende unter diesem Betrag bleibt, muss dem Staat nichts von seinem Einkommen abgeben. Wer auf Steuerkarte arbeitet, hat es ähnlich leicht. Bei ihm behält der Arbeitgeber von vorneherein die Lohnsteuer ein. Auch wer selbstständig ist, muss im Folgejahr seine Einnahmen gegenüber dem Finanzamt erklären. Neben der Schriftform — die Vordrucke gibt es beim Finanzamt — ist das heute auch über das Internet möglich. Für Studenten sind vor allem Werbungskosten und Sonderausgaben interessant: Sie werden von den Einkünften abgezogen — Fachleute sagen „abgesetzt“. So verringert sich das Einkommen, das versteuert werden muss. Und so kann es unter Umständen sein, dass auch Studenten, die ursprünglich mehr als den Grundfreibetrag verdient haben, steuerfrei bleiben. Jeder Arbeitnehmer bekommt automatisch einen Pauschalbetrag von 920 Euro angerechnet. Nur wenn die Ausgaben höher sind, lohnt es sich, sie dem Finanzamt mit Hilfe von Quittungen und Belegen nachzuweisen und zusätzlich abzusetzen. Zu den Werbungskosten zählen Aufwendungen für Fahrten zur Uni mit Auto, Bus oder Bahn, Fortbildungs- und Bewerbungskosten, Arbeitsmaterialien und in einigen Fällen auch die Berufskleidung. Auch Ausbildungs- und Studienkosten bis zu 4000 Euro pro Jahr können abgesetzt werden. Sie fallen unter die Sonderausgaben. dpa
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