Wenn's mal wieder peinlich wird... PDF Drucken

Oh, was klebt denn da am Schuh? Wer jetzt über die Klopapierträgerin lacht, signalisiert ihr: Du hast gegen gesellschaftliche Normen verstoßen! Foto: Michael MatejkaScham, Schadenfreude und Co. haben einen tiefen psychologischen Sinn

Oh Gott, ist das peinlich! Ich war fest davon überzeugt, dass dort drüben eine Freundin von mir läuft. Also habe ich laut gerufen und sie sogar angestupst. Doch als sie sich umdrehte, war es nur eine blasiert schauende Frau... Am liebsten würde ich im Erdboden versinken! Während ich knallrot das Weite suche, frage ich mich, woher eigentlich das Gefühl der Peinlichkeit kommt.

Ob Scham, Schadenfreude, Notlügen oder Lampenfieber – jede dieser Emotionen hat ihre Berechtigung: Sie tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft besser funktioniert. Die Evolution nutzt sie als kleine Tricks, um die menschliche Natur zu bändigen. Angela Schuberth (17) hat sich aus psychologischer Sicht mit diesen allzu menschlichen Regungen beschäftigt.

Scham: Es gibt in jeder Gesellschaft Regeln, an die man sich bis zu einem bestimmten Punkt hält. Diese Normen sind je nach Kulturkreis ganz unterschiedlich: In den USA zum Beispiel müssen auch Kleinkinder am Strand einen Badeanzug tragen. In Deutschland dagegen baden die meisten Kleinkinder nackt. In Japan gelten Menschen, die sich ihr Getränk bei Tisch selber auffüllen, sofort als Säufer und sollten sich schämen.

Bricht man eine dieser Normen, schließt man sich ein Stück weit aus der Gesellschaft aus. Selbst wenn wir sehr unangepasst leben, halten wir uns an mehr dieser Normen, als uns vielleicht bewusst ist.
Doch wie geht man mit einer peinlichen Situation um? Maßnahme 1: Macht euch klar, dass euch selbst der Peinlichkeitsfaktor größer vorkommt, als er tatsächlich ist. Maßnahme 2: Führt euch vor Augen, dass ihr nicht die einzigen seid, die hin und wieder in Fettnäpfchen treten. An die Missgeschicke der anderen erinnert man sich nur nicht so gut wie an die eigenen...

Schadenfreude: Über Peinlichkeiten anderer sind wir manchmal schadenfroh. Ist das nicht verwerflich? Nicht wirklich, denn Schadenfreude ist eine Eigenschaft, die in der menschlichen Natur liegt. Wenn wir über kleinere Missgeschicke anderer lachen, hat das durchaus eine Funktion: Wir rufen damit andere zur Disziplin auf. Die Gruppe lacht über ein Individuum, das nicht im Sinne aller gehandelt hat – also versagt hat.

Der Betroffene will natürlich nicht noch einmal in die peinliche Situation kommen. Also versucht er, sich in Zukunft an das Verhalten und die Ziele der Gruppe anzupassen. Übrigens: Jeder Dritte hat ein schlechtes Gewissen, wenn er schadenfroh ist.

Notlügen: „Tut mir leid – ich hab schon was vor!“: Leicht fällt es mir ja nicht sie anzulügen, aber ich habe wirklich keine Lust, ins Kino zu gehen. Laut einer britischen Studie lügen wir bis zu 200 Mal am Tag. So oft – wie kann das sein?

Beispielsweise lügen wir aus Höflichkeit. Auf die Frage, wie es uns geht, antworten wohl die meisten mit „gut“. Wir erzählen doch nicht jedem ausführlichst unsere Probleme! Deswegen sind kleine Notlügen erlaubt. Wir würden vielen Menschen auf den Schlips treten, wenn wir immer eiskalt die Wahrheit sagen würden. Allerdings sind manche vermeintlichen Notlügen auch einfach nur feige...

Lampenfieber: Das hatte wohl jeder schon mal. Die Angst zu versagen ist einfach tief in der menschlichen Psyche verwurzelt. Ob man nun eine Rede halten soll, in einem Theaterstück spielt oder ein Referat in der Schule ansteht: Das Herz rast, die Hände werden feucht und man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. So sehr diese Aufregung nerven kann, so hat sie doch etwas Positives: Sie kann uns antreiben, unser Bestes zu geben. Nur so können wir unsere Fähigkeiten voll und ganz ausschöpfen.

Hat man jedoch eine regelrechte Panik vor Prüfungen, ist man viel zu verunsichert für gute Leistungen. Eine erste Hilfe gegen aufkommende Ängste ist, sich den schlimmsten Fall vorzustellen, der eintreffen kann. Bleibt man dabei realistisch, merkt man schnell: Alles halb so schlimm! Wer sich gut vorbereitet hat, sollte sich das immer vor Augen halten.

Fazit: Solange man es nicht übertreibt, darf man Schadenfreude zeigen, und auch kleine Notlügen sind erlaubt. Jeder schämt sich mal, und etwas Prüfungsangst ist immer da. Das alles ist kein Problem – solange wir keines dieser Gefühle die Oberhand gewinnen lassen und uns vor lauter Angst nicht mehr aus dem Haus trauen.

ANGELA SCHUBERTH

Die Autorin geht in die Q11 des Marie-Therese-Gymnasiums in Erlangen. Während eines Gesundheitstags an ihrer Schule hat sie einen Workshop in Psychologie belegt und darüber diesen Artikel geschrieben. 

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