| Zehn Tage Knast — als Warnschuss |
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16 Stunden am Tag schließt sich hinter ihnen die Eisentür, sind sie ohne Fernseher und Handy mit Blick durch vergitterte Fester auf meterhohe Betonmauern sich selbst überlassen. Junge Straftäter, die in Jugendarrest sitzen. Eine Strafe? Nein – ein Warnschuss und eine Chance, sagt die Justiz. Hier die Geschichte eines Jungen, der den Jugendarrest erlebt hat. Eigentlich wollten sie nur ein wenig Spaß haben. Dass dieser Spaß hinter Gittern enden würde, ahnte in der Märznacht im vergangenen Jahr keiner. Auch Alex nicht, der damals 16 Jahre alt war und dessen richtiger Name hier nicht genannt wird. "Warum nicht zur Abwechslung mal im März grillen?“, dachten sich die Jungs. „Saukalt“ sei es gewesen, aber reichlich Alkohol sorgte für Wärme von innen, die Gruppe amüsierte sich prima. Die Stimmung kippte, als sie zum Bahnhof gingen. Ob es der fremde Mann war, der zu pöbeln begann, oder ob sein Kumpel zuerst aufmüpfig wurde, weiß Alex nicht mehr genau. Nur noch, dass sein Freund plötzlich über die Gleise sprang und auf den anderen losging. Fast ein Jahr später flattert eine Vorladung in Alex’ Haus. Zu seiner großen Überraschung. Denn er war seinem Freund damals nachgesprungen, hatte, so meint er heute, die Streithähne auseinandergestoßen, den anderen dabei „nur geschubst“. Der Polizei hatte er das damals auch so gesagt. Und da niemand schwer verletzt worden war, stößt es ihn ziemlich vor den Kopf, dass er als Angeklagter vor Gericht sitzen soll. Seine Sorge ist berechtigt: Der Richter sieht seine Beteilung als nicht ganz so harmlos an. Alex und seine Kumpels werden für schuldig befunden; das Urteil lautet zehn Tage Jugendarrest. Alex ist geschockt, trotzt aber auch: „Ich dachte, so schlimm wird das schon nicht – da penn’ ich durch.“ Eine Einstellung, die die meisten der jährlich rund 2000 14- bis 21-Jährigen haben, die zwischen zwei Tagen und sechs Wochen in der Nürnberger Jugendarrestanstalt einsitzen müssen, sagt deren Leiterin Gabriele Gemählich. Doch die Jugendrichterin weiß auch: Die meisten beeindruckt diese „Erziehungsmaßnahme“ durchaus – obwohl Arrest vom Gesetzgeber ausdrücklich nicht als Strafe verstanden wird. Auch bei Alex zeigt er Wirkung. Als er im Innere der sieben Meter hohen Mauer steht, sein Blick auf die vergitterten Fenster des Backsteinhauses fällt, Uniformierte ihm bis auf Waschzeug alle privaten Dinge – einschließlich Handy und Zigaretten – wegnehmen, ist seine Lockerheit dahin. Erst recht, als sich hinter ihm die Tür schließt, und er allein in dem neun Quadratmeter großen Arrestraum bleibt. Besonders schlimm ist es in den ersten beiden Tagen, denn da darf er sein Zuhause auf Zeit nur zum gemeinsamen Mittagessen verlassen. Das sei keine Drangsalierung, stellt Gemählich klar. Vielmehr soll es den Arrestanten die Möglichkeit geben, über ihre Tat und ihren Lebenswandel nachzudenken. Und im besten Fall ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Egal, ob sie nun chronische Schulschwänzer oder Schläger sind. Freilich funktioniert das nicht immer: „Einige von ihnen haben schon viel Schlimmeres erlebt. Um von Zuhause rauszukommen, nehmen sie sogar Gitterstäbe in Kauf.“ Immer wieder gäbe es Jugendliche, deren Eltern sie nicht abholen kommen. Eltern, die den ganzen Tag auf der Couch sitzen, ihren Kindern nie gezeigt haben, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat. Einige Jugendliche erfahren das im Arrest zum ersten Mal. Und ja – es gebe auch solche, sagt die Jugendrichterin, die schlicht schon zu weit abgerutscht sind, um sich von ein paar Wochen Freiheitsentzug beeindrucken zu lassen. Nicht so Alex. Die Zeit einfach durchzuschlafen, funktioniert nicht. Das merkt er schnell. Stundenlang sitzt er auf dem Holzbett, lässt den Blick vom Waschbecken zu der stählernen Kloschüssel und über den schlichten Schrank wandern, bis er sich am vergitterten Himmel verfängt. „Da drin schleicht die Zeit“, sagt er. Auch dann, als er „nur noch“ 16 Stunden am Tag in der Zelle sein muss. Zwar bekommt er ab dem dritten Tag ein Radio, „aber die immergleiche Musik zu hören, während deine Kumpels Party machen, ist auch nicht der Bringer“. Und obwohl er die Stunden mit Liegestützen zu vertreiben versucht, das spärliche Mobiliar zu Fitnessgeräten umfunktioniert und zum ersten Mal in seinem Leben 300 Seiten am Stück liest (die hauseigene Bibliothek hat unter anderem die gesammelten Werke von Stephen King in den Regalen stehen), beginnt er irgendwann Gedanken zu wälzen. Nicht über die Tat, wie er sagt. Aber darüber, wie es so weit hat kommen können. Klar hat er mit seinen Kumpels immer mal Dinge getrieben, die an der Grenze zur Legalität waren. Die Wochenenden wurden durchgefeiert, Alkohol war immer dabei. Dass sich da brenzlige Situationen ergeben, ist klar. „Aber ist es das wert?“, fragt er sich. „Habe ich Lust, nochmal in so einer Zelle eingesperrt zu sein?“ Viele Jugendliche machen sich diese Gedanken, solange sie hinter Schloss und Riegel sitzen, sagt Jugendrichterin Gemählich. Doch sie weiß auch: Die guten Vorsätze sind schnell dahin, wenn es erst Freitagabend ist und die Clique bierseelig wieder beisammen sitzt. Entsprechend hoch ist die Rückfallquote: 70 Prozent der Jugendlichen schlägern, pöbeln oder klauen wieder. Dennoch: „Für jeden, den wir auf den rechten Pfad zurückführen, hat sich der Aufwand gelohnt.“ NICOLE NETTER
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Leben 

Alex musste nach einer Schlägerei in Jugendarrest 
heys und zwar habe ich eine frage...i...
Sehr guter, detailierter, ansprechend...
hmm ich hab da mit gemacht xD war lus...
Hallo Christine und Tina
sehr schönes Konzert gestern Abend! ...