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Bitte immer schön den Stinkefinger in die Kamera halten - schließlich soll der Zuschauer nicht vergessen, dass er es mit bösen Mädchen zu tun hat. Foto: Christian Dalchow/RTL IIIn der Doku-Soap "Die Mädchen-Gang" dürfen sechs Mädels pöbeln und prügeln, bis der RTL II-Coach kommt

 

„Sechs Mädchen: aggressiv, unberechenbar, mit einem Bein im Knast“: Mit diesen schmissigen Worten geht RTL II für seine neue Doku-Soap „Die Mädchen-Gang“ auf Zuschauerfang. Drogen, Sex, Gewalt und Alkohol bestimmen den Alltag der Mädels – im „RTL II-Besserungscamp“ soll alles anders werden. Weit weg von ihren heimischen Prügelplätzen sollen die Mädchen lernen, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Natürlich vor laufender Kamera.

 

Die Anti-Heldinnen des Formats, das montags um 20.15 Uhr über die Glotze flimmert, sind zwischen 16 und 20 Jahren, versumpft in Gewalt und Kriminalität – und allesamt nicht besonders helle in der Birne. Da ist zum Beispiel Jessica, 20 Jahre alt, Mutter von drei kleinen Kindern, seit acht Jahren auf Drogen. Das Sorgerecht für die Kinder ist ihr entzogen, vom Vater der Kleinen ist sie längst getrennt – dafür kann sie aber mit zig Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung, Diebstahls und versuchten Totschlags aufwarten.

Da gibt es Carina, 19, die tagein tagaus am Stuttgarter Hauptbahnhof rumhängt, Leute anmacht und ihnen gern mal die Fresse poliert. Oder Laura, 17, die von der Stimme aus dem Off als übergewichtige Hauptschülerin vorgestellt wird, die bereits 40 Anzeigen auf ihrem Konto hat und schon in drei verschiedenen Heimen lebte. „Noch eine Anzeige mehr und sie landet im Knast“, raunt der Off-Sprecher dem Zuschauer zu.

Villa im Kaff

RTL II sendet uns die abgerutschten Mädchen selbstverständlich nicht nur zum Gaffen in unsere heile Welt, sondern will ihre Probleme auch gleich lösen: In einem Kaff in der Eifel hat der Privatsender für die jungen Damen eine schmucke Villa gemietet. Hier sollen die kriminellen Großstädterinnen von einer Psychologin, einem Anti-Gewalt-Coach und anderen für solche Sendungen obligatorischen Fachleuten wie einem Benimm-Trainer und einem Straßenrapper wieder sozial kompatibel gemacht werden.

Klar, dass dazu Maßnahmen wie ein Handy-Verbot im Haus herhalten müssen. „Wenn isch mein Handy nisch wiederkriegä, schlag ich hier die ganze verfickte Einrichtung zusammen“, macht Vanessa im typischen Null-Hirn-Sprech klar. Die 16-jährige Kölnerin schwänzt seit zwei Jahren die Schule und vertreibt sich ihre Zeit stattdessen lieber mit Schlägereien und Taschendiebstählen.

Erster Schritt im Besserungsprogramm der Mädchen: Sie sollen Regeln aufstellen und einhalten. Etwa: Keine Gewalt im Haus! „Wenn ich fertig bin, guck ich doch nicht auf die Regel. Da schlag ich einfach zu“, gibt die 16-jährige Kiki dazu zum Besten. Klar, dass der Zuschauer auch miterleben darf, was die Coaches bei Regelverstößen für ein Programm auffahren: Coach Ralf Seeger, ein tätowierter Schrank, lässt seine „Ladies“ im Garten in Kapuzenpulli und Schlabberhose ein bisschen rumhüpfen und das nennt sich dann Frühsport. Und mit Flüchen verziertes Rumstehen auf einem Feld heißt Wanderung im Schnee.

Carina darf zeigen, wie sie ihre Fäuste beherrscht - natürlich nur zu Trainingszwecken. Foto: Christian Dalchow/RTL IIÖffentlicher Seelenstriptease

Dem Publikum wird das alles als pädagogisch-wertvoller Bestandteil des ausgeklügelten Lebenshilfeprogramms vorgesetzt. RTL II glaubt an einen Erfolg, schließlich haben sich die Mädchen freiwillig gemeldet. „Sie haben ihre Lebenssituation reflektiert und die Chance erkannt“, sagt Unterhaltungschefin Julia Nicolas. Und das Publikum kann anscheinend nicht genug bekommen von Sendungen, in denen Menschen Lebenshilfe versprochen wird – sofern sie ihre Not filmen lassen, damit beim öffentlichen Seelenstriptease wildfremde Menschen in ihr Leben glotzen können.

Bei RTL gucken sich pro Folge rund vier Millionen „Teenager außer Kontrolle“ an, Schuldenberater Peter Zwegat lockt regelmäßig bis zu 20 Prozent der TV-Zuschauer an, „Die Super-Nanny“ hilft entnervten Eltern, Eva Brenner zaubert mit ihren Handwerkern schwupsdiwups ein „Zuhause im Glück“ und „Rach, der Restauranttester“ macht die Pizza beim Italiener um die Ecke leckerer.

Medienwissenschaftler kritisieren solche Formate, in denen sich das Fernsehen als Weltverbesserer aufspielt. Zumal es keine nachhaltigen Untersuchungen darüber gibt, ob den Menschen tatsächlich geholfen wird. Und das Publikum kriegt’s schließlich nicht mit, was passiert, wenn alle Folgen im Kasten sind und die Kamera abgeschaltet wurde.

Ob das Besserungsprogramm bei der Mädchen-Gang Wirkung zeigt? In den ersten zwei Folgen (die immerhin eine Million Leute angeguckt haben) durften die Mädels sich hauptsächlich mobben und mit Straftaten wie dreifachen Kieferbrüchen prahlen. Am Ende wird RTL II sie aber alle gezähmt haben und uns erklären, dass es bei allen Mädchen nach den drei Wochen Psycho-Camp Klick im Kopf gemacht hat. Denn gleich neben der Lust, sich vom Sofa aus ein paar gescheiterte Existenzen reinzuziehen, rangiert beim Zuschauer nun mal das Bedürfnis nach Happy Ends.

KRISTINA BANASCH

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MK  - Carina   |IP-84.73.87.xxx |10-03-2010 15:13:29
Kann man die Carina aus Stuttgart irgendwie kontaktieren?

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