Arme vermanschte Würstchen! PDF Drucken

Soll ich oder soll ich nicht? Jenni ist unschlüssig, wie sie die Fast-Food-Variante von Drei im Weggla findet. Foto: Karlheinz DautDer neue Nürnburger bei McDo: Eine fiese Marktstrategie? 

Ein neues Produkt hat Einzug gehalten in der deutschen Fast-Food-Landschaft: der Nürnburger. Bis September werden die bekannten drei Nürnberger Würstchen von der Kette mit dem großen M verkauft – von Kiel bis Konstanz, von Bautzen bis Brüggen. Müssen wir uns das wirklich gefallen lassen? Unsere Extra-Mitarbeiterin Sandra Kreutzer (20) hat dazu eine eindeutige Meinung.

Verrat an Franken! Das ist das erste, was mir durch den Kopf schoss, als ich vom neuen „Nürnburger“ hörte. Aber was derzeit in ganz Deutschland über die Fast-Food-Tresen geht, ist eigentlich noch mehr: Kulturschändung! 

Drei im Weggla sind offenbar nicht mehr modern. Der Zeitgeist verlangt drei im labbrigen Burger, prouldy presented by FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Was der Burger-Brater Mc D. als neuen Star verkauft, ist eine Schmach für jeden, der die fränkische Küche zu schätzen weiß.

Lieblos werden die Würstchen in eine Ciabatta-Semmel gestopft (die, nebenbei bemerkt, den Namen Ciabatta auch nicht verdient hat – arme Italiener!). Dann vermanscht man sie mit Röstzwiebeln, weil Sauerkraut sich wohl nicht so gut verkauft hätte. Und serviert werden sie nun zu jeder Tages- und Nachtzeit – im Akkord neben fritierten Hähnchenflügeln und Rindfleisch-Schnippslen in gerollter Teigtaschen. Arme Würstchen!

Jetzt sind die deklassiert, ausgeschieden, abgestempelt. In Legebatterien erwarten sie ihr Schicksal. Für den schnellen Hunger zwischendurch. Dreimal beißen – und runterwürgen. Vielleicht noch einen Cheeseburger hinterher?

Eine „Erfindung“ soll der Nürnburger sein. Ein Produkt mit Zukunft, das nebenbei noch Weltruhm erlangt! Doch von welchem Ruhm träumen die Erfinder Uli und Sohn Florian Hoeneß nachts? Dem der Stadt Nürnberg oder dem ihrigen? Weltruhm hat Nürnberg doch schon, Bayern München sowieso – da fehlt nur noch der Einstieg ins amerikanische Würstchengeschäft.

Und was können wir jetzt dagegen tun? Bestenfalls das Gleiche, was schon die Metzger vor 500 Jahren gemacht haben, wenn’s ihnen nicht geschmeckt hat: Wir schmeißen den Burger in die Pegnitz und hoffen, dass McDo mit Uli Hoeneß’ Hilfe nicht auch noch irgendwann Weißwürste to go verkauft.
 

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