Schüler erklären Nazi-Geschichte PDF Drucken

Sophie Licht, Sophia Dorn und Julia Hirschmann (von links) vom Paul-Pfinzig-Gymnasium Hersbruck erhielten einen Sonderpreis für ihre Audio-Beiträge. Foto: AslanidisKünftig begleiten Audioguides von Jugendlichen für Jugendliche durchs Dokuzentrum

Mehr als 55 000 Schüler besuchen jedes Jahr das Dokuzentrum in Nürnberg. Doch bis jetzt haben die Audioguides, die durch die Ausstellung begleiten, Jugendliche nicht vom Hocker gerissen. Um das zu ändern, hatten sich Schüler aus der Metropolregion etwas ganz Besonderes vorgenommen: Sie entwickelten selbst Hörbeiträge für die Audioguides. Ursprünglich war das so: Im Dokuzentrum konnten Besucher die Info-Tafeln lesen. Und sie sich per Audioguide anhören. Das war gerade für jüngere Zuhörer ziemlich trocken. Deshalb rief das Dokuzentrum mit dem Studio Franken des Bayerischen Rundfunks das Projekt „Jugendaudioguides“ ins Leben. Zehn Schülergruppen machten sich an die Arbeit.

Die Ansprüche an die Hörbeiträge waren hoch: spannend und informativ, Originaltöne von damals und Interviews von heute. „Wir wollten Profis. Jugendliche, die wissen, wie Gleichaltrige denken, was sie begeistert“, so Matthias Henkel, der Direktor der Museen der Stadt Nürnberg.

Bei der technischen Umsetzung bekamen die Schüler Hilfe von Mediencoaches. Ein Jahr lang arbeiteten sie hart an den Hörstücken. Sie befassten sich mit Themen wie „Antisemitismus“ oder dem „Mythos Hitler“ – kritisch und kreativ. Jetzt wurden im Serenadenhof die besten der 50 eingesendeten Beiträge prämiert. Diese Audioguides der Schüler werden ab Herbst tatsächlich im Dokuzentrum im Einsatz sein.

Die Schüler des Paul-Pfinzig-Gymnasiums Hersbruck wurden für ihre Arbeit an den Audioguides mit dem 1. Platz ausgezeichnet. Foto: AslanidisMit Zeitzeugen sprechen
„Dass so viele Leute bald unseren Hörbeiträgen lauschen, ist für uns die größte Belohnung“, meint Miriam (17) strahlend. Sie hat mit ihrer Schule, dem Adam-Kraft-Gymnasium Schwabach, den 3. Platz belegt. Miriam findet, dass ihr die Arbeit an dem Projekt viel gebracht hat: „Wir konnten uns so intensiv mit dem Thema beschäftigen und hatten das Glück, mit Zeitzeugen sprechen zu können. Wir sind die letzte Generation, die diese Möglichkeit noch hat!“

Viel Energie haben die Schüler in die neuen Audioguides gesteckt. Sie haben Zeitzeugen interviewt, Originaltöne aus der NS-Zeit in ihre Beiträge eingebaut und viel recherchiert. Die Hörstücke sind pfiffig – oder sie gehen unter die Haut. Die Jugendlichen nutzen Musik und erzählen Geschichten von Einzelschicksalen. Sie schildern Ereignisse szenisch und versuchen, Bilder im Kopf ihrer Zuhörer zu erzeugen. Mit vier Beiträgen schaffte es das Paul-Pfinzig-Gymnasium Hersbruck in den neuen Ausstellungsbegleiter und somit auf Platz 1 der Schulen.

Die Schüler aus Hersbruck dürfen sich gleich doppelt freuen: Drei ihrer Mitschülerinnen gewannen mit ihrem Hörstück „Willy, Willy!“ über den in der NS-Zeit amtierenden Nürnberger Oberbürgermeister Willy Liebel auch noch einen Sonderpreis für Kreativität. Mit den Worten „Wir sind dein Gewissen“ steigen die drei Mädels ins Thema ein. „Von deinem Nürnberg ist nicht mehr viel übrig. Kein schönes Gefühl für einen Bürgermeister, oder Willy?“

JENNIFER HERTLEIN

Alle Beiträge könnt ihr euch auf www.schule-radio.de anhören. Oder ab dem neuen Schuljahr direkt im Dokuzentrum.
 

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