Endspurt um den Strom 2020 PDF Drucken

So könnte es im Jahr 2020 laufen: Man erstrampelt sich den Strom für daheim in einem Fitness-Center. Wie’s geht, zeigt Jacqueline von der Gruppe „N-Spurt“. Foto: privat / Montage: AlsadiJugendliche spielen Zukunftsberater für die Nürnberger N-Ergie

Wenn Jugendliche zu Beratern für angesehene Unternehmen werden, ist es Zeit für „Jugend denkt Zukunft“. Das ist ein fünftägiges Innovationsspiel, bei dem Schüler ins Wirtschaftsleben schnuppern, ein lokales Unternehmen kennenlernen und Zukunftsmodelle für diese Firma entwickeln. Vor den Ferien haben einige Schüler des Nürnberger Martin-Behaim-Gymnasiums an diesem Planspiel bei der N-Ergie teilgenommen. Inge Braun (16) berichtet von ihren Erfahrungen.

Es ist Montagmorgen und ich sitze total entnervt im Bus. Ich hab mich verfahren! Jetzt komme ich gleich am ersten Tag zu spät zu diesem ominösen Projekt – toller Eindruck. Als ich am N-Ergie-Gelände ankomme, merke ich aber, dass es mir nicht allein so geht. Fast die Hälfte der 23 Schüler ist zu spät. Doch unserem Moderator und Betreuer Roy Burger macht das nichts aus.

Nach der üblichen Vorstellungsrunde und ein paar Warm-up-Spielchen geht es um Megatrends. Was das ist? Das sind Entwicklungen, die sehr viele Menschen betreffen und lange andauern – etwa nachhaltiges Handeln oder demographischer Wandel. Jeder von uns stellt so einen Trend vor. In der anschließenden Feedbackrunde lerne ich, bei Präsentationen den Blick im Publikum schweifen zu lassen. Die Hände darf ich ruhig zum Gestikulieren verwenden – und sollte sie auf keinen Fall in die Hosentaschen stecken!

An Tag 2 analysieren wir sogenannte Branchentrends – Strategien, die viele Unternehmen momentan verfolgen. Sponsoring ist ein Beispiel dafür. Tag 3 trägt den Titel „Unternehmenstag“. Der Name ist hier Programm: Ganze sechs Vorträge prasseln auf uns ein! Am Ende wissen wir wirklich alles und noch mehr über die N-Ergie. Uffz. Doch ein Highlight hat dieser Tag auch zu bieten: Wir dürfen Elektroroller und –fahrräder testen. Mit vollem Karacho düsen wir mit den strombetriebenen Gefährten über das Firmenglände und wollen gar nicht aufhören.

Wer eine Firma beraten will, muss viel Konzeptarbeit leisten: Um welche Firma geht es? Was will sie? Wie erreicht man das? Und dann muss das Ganze natürlich auch noch formvollendet präsentiert werden. Foto: privatAm vierten Tag geht's richtig los

Erst der vierte Tag dreht sich wirklich um unser Planspiel. Wir werden in sechs Gruppen aufgeteilt: Drei davon sind „Firmen“, die innovative Produkte und Dienstleistungen für die N-Ergie für das Jahr 2020 entwickeln. Eine Beraterguppe unterstützt die Firmen und erstellt Marketingkonzepte. Die fünfte Gruppe ist eine Nichtregierungsorganisation (NRO, englisch NGO), die die Ideen der Unternehmen kritisch begutachtet. Ich gehöre zur Pressegruppe und arbeite an einer Zeitung über unsere Woche mit.

Der letzte Tag ist für den großen Showdown reserviert: Bei einer Zukunftsmesse präsentieren wir unsere Konzepte. Dazu sind die Firmenleitung der N-Ergie und alle Eltern eingeladen. In meinem Kopf liefern sich Aufregung, Hektik und ein wenig Missmut über das Ende der Woche ein Battle. Gestern habe ich auch noch die Sonderaufgabe bekommen, mit meinem Mitschüler Marc die Messe zu moderieren. Wieso habe ich bloß ja gesagt?

Die Jungs sind heute in ihren besten Anzügen, die Mädels in Kostümen und hochhackigen Schuhen erschienen – schließlich sollen wir seriös wirken. Schon kommen die Gäste! Im Kopf gehe ich nochmal meinen Moderationstext durch. Plötzlich gehört Marc und mir das Wort. Nach einigen anfänglichen Hängern geht alles glatt über die Bühne.

Ein Lob vom Firmenchef

Unsere drei Firmen präsentieren ihre Zukunftsvisionen. Die erste Gruppe nennt sich N-Spurt. Ihre Idee: Sie wollen ein Fitness-Studio bauen, in dem sich ihre Kunden ihren Strom selbst erstrampeln können. So bleiben sie fit und sparen gleichzeitig Geld. Die zweite Gruppe namens Holocom will Glasscheiben als Werbefläche nutzen. In Fenster von Häusern oder U-Bahnen könnte man Firmenlogos reinstrahlen. Zum Schluss hat die „N-Ergie-Banking“-Gruppe ihren großen Auftritt. Sie wollen zinslose Kredite an Kunden vergeben, die sich dafür für die Dauer der Kreditrückzahlung an die N-Ergie binden.

Aber sind unsere Ideen alle nur Luftschlösser? Die NGO-Gruppe jedenfalls zeichnet das Fitness-Center als die kundenfreundlichste Idee aus. Und Jens Winkler, Vorstandsmitglied der N-Ergie, bestätigt, dass wir gar nicht so realitätsfern denken: „In einiger Zeit ist es durchaus vorstellbar, dass Energieunternehmen Kredite an Kunden vergeben, die damit zum Beispiel ihr Haus modernisieren.“

Kredit hin oder her ist mir nun ziemlich egal – die Veranstaltung ist vorbei und alle Anspannung fällt von mir ab. Von überall klopfen uns begeisterte Zuhörer auf die Schulter. Eine aufregende und anstrengende Woche liegt hinter mir. Aber ich habe enorm viel gelernt – und sei es nur, welchen Bus ich nehmen muss.

Ihr wollt auch mal „Wirtschaftsluft“ schnuppern? Dann klickt auf www.jugend-denkt-zukunft.de 
Um an dem Innovationsspiel teilzunehmen, muss sich eure Schule an ein Unternehmen wenden. Sprecht eure Lehrer oder euren Direktor nach den Ferien an!

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