Wie stelle ich einen Angreifer kalt? PDF Drucken

Alisa (links) beim Aikido Training. Foto: Horst LinkeAlisa Muerth (16) stellt ihr Hobby Aikido vor

Lange war ich auf der Suche nach der richtigen Sportart für mich: Tischtennis, Leichtatletik, Baseball, Frauenfußball, Handball – vieles habe ich ausprobiert, aber nichts hat mir wirklich gefallen. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, einen für mich passenden Sport zu finden. Jetzt mache ich Aikido – und das ist genau mein Ding.

„Bei Aikio geht es nicht darum, Gewalt anzuwenden, sondern den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und sich somit zu verteidigen und zu schützen.“ Das sagt mein Trainer Leonhard Beck, wenn er erklärt, worum es bei Aikido geht.

Seit über einem Jahr gehe ich zu ihm und Brigitte Hable ins Training. Nach den vielen vergeblichen Anläufen in anderen Sportarten war mir klar: Ich möchte etwas tun, das nicht nur mit Bewegung zu tun hat, sondern auch mit Selbstverteidigung. Was mir sehr an Aikido gefällt: Es ist egal, ob der Gegner jünger oder älter, männlich oder weiblich, größer oder kleiner ist. Man kann jeden Angreifer aus dem Gleichgewicht bringen – und dann ist der hilflos.

Vor dem eigentlichen Training beginnen wir mit einer Begrüßungszeremonie. Dabei ehren wir unseren Meister Morihei Ueshiba aus Japan (1883-1969), der Aikido erfunden hat. Alle Aikidokas (so werden wir bezeichnet) knien im „Seize“, das ist eine Sitzstellung, bei der wir mit aufrechtem Oberkörper auf den Fersen sitzen. Wir schließen unsere Augen und verneigen uns erst vor einem Bild des Meisters, anschließend vor unseren Trainer.

Sobald Leonhard in die Hände klatscht und „Rei“ sagt, ist die Begrüßungszeremonie beendet. Das Trainig beginnt. Da bei Aikido sämtliche Muskeln beansprucht werden, ist es wichtig, sich gut aufzuwärmen. Die erste Übung, die ein Aikidoka lernt, ist der „Tai Sabaki“, die Grundstellung: rechter Fuß vor, rechte Hand schützend vors Gesicht, linke Hand am Gürtel. Dann dreht man sich einmal halb um die eigene Achse, am Ende sind Füße und Hände in der jeweils umgekehrten Position. Der „Tai Sabaki“ ist die Grundlage für alle anderen Techniken, ähnlich dem Einmaleins in Mathe. „Wer den Tai Sabaki beherrscht, hat die beste Vorraussetzung für ein erfolgreiches Training“, sagt Leonhard.

Die Angriffe bestehen überwiegend aus Schlägen, Halte- und Würgegriffen. Die Abwehrtechnik ist in drei Teile gegliedert: Zuerst weicht man dem Gegner aus. Dann versucht man, die Angriffsenergie des Gegners auf ihn umzulenken, und schließlich bringt man ihn in eine Position, in der er das Gleichgewicht verliert. Das steckt auch in dem Namen Aikido: Er bedeutet „der Weg der Harmonie im Zusammenspiel mit Energie“.

Vier Stunden Prüfung für einen neuen Gürtel

Etwas, das für uns Aikidokas ganz wichtig ist, sind die Gürtelprüfungen. Dabei gibt es verschiedene Hierarchien: Von gelb bis schwarz sind es fünf Stufen, die man nacheinander erklimmen muss. Um eine Gürtelprüfung zu bestehen, muss man eine Reihe vorgegebener Techniken beherrschen. Der Trainer nennt nur den japanischen Namen einer Übung, die man dann vorführen muss.

Ich selbst konnte meine Gelbgurtprüfung nach einem dreiviertel Jahr machen. Am Morgen war ich sehr nervös, schließlich lagen vier Stunden Training und Prüfung vor mir. Gut habe ich etwa den Griff „Mune Tori“ beherrscht. Dabei packt man sein Gegenüber am Kragen des Trainingsanzugs, der Keiko-Gi heißt. Die Kleidung der Aikidokas ist nämlich vorgeschrieben: eine weite Hose (genannt Zubon) und darüber einen weißen Umhang (Uwagi).

Um sich gegen den „Mune Tori“ zu verteidigen, kann man beispielsweise den „Shio Nage“, den Schwertwurf, anwenden: Dabei duckt man sich unter dem Arm des Angreifers durch, dreht ihn um und bringt seinen Gegner so aus dem Gleichgewicht.

Nach der langen Prüfung war ich erschöpft, aber zufrieden – denn ich hatte den Gelbgurt bestanden! Nun hoffe ich, den Orangegurt noch im nächsten halben Jahr zu schaffen.

Ich mag Aikido vor allem deshalb, weil ich gut Stress abbauen kann. Nach dem Training bin ich ausgeglichen und entspannt. Und ich will weitermachen: Mein größtes Ziel ist es, den Schwarzgurt zu bestehen – in ein paar Jahren. Bis dahin ist aber noch viel Training nötig.

ALISA MUERTH

Alisa Muerth ist 16 Jahre alt, geht in die 9. Klasse der Peter-Henlein-Realschule in Nürnberg und hat ein Praktikum in der Jugendredaktion gemacht.

Wer Aikido auch mal ausprobieren möchte, kann sich an Leonhard Beck unter Tel. 09127/902060 wenden.

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