| Sport wie bei den alten Germanen |
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Trendsportarten zeichnen sich oft dadurch aus, dass Erwachsene sie mit Kopfschütteln quittieren. Bei einer von ihnen, dem „Juggern“, schütteln sogar Jugendliche erst einmal den Kopf. Wenn sie aber die spieltypischen Schaumstoff-„Pompfen“ ausprobieren, kommen sie nicht mehr weg vom Sport, der auf den ersten Blick aussieht, als träfen römische Gladiatoren auf aufständische Germanen. „Das hat definitiv Suchtfaktor“, sagt nicht nur der Trainer. Das finden wir auch und deshalb verlosen wir hier Bücher übers Juggern. Alles, was man braucht, sind eine Wiese und elf Leute. Fünf gegen Fünf, und einer trommelt. „Bong-bong-bong“, so wird hier die Spielzeit von zweimal drei Minuten gemessen. Damit steht das Jugger-Grundgerüst. „Was jetzt noch fehlt, ist leider mit viel Aufwand verbunden“, sagt Tobias Dillig, Sozial-Pädagoge und so etwas wie ein Jugger-Trainer. In mühevoller Kleinarbeit hat der 28-Jährige sämtliche „Pompfen“, so heißen die Sportgeräte fürs Juggern, gebastelt. Leichte, biegsame Stangen aus dem Drachenbau, viel Isoliermaterial und eine gehörige Portion Klebeband hat Tobias verwendet; seitdem sind Kurz- und Langpompfe, „Q-Tip“ (deutsch: Ohrenstäbchen), Kette, Schild und Stab einsatzbereit. Ihren Oberbegriff haben die Sportgeräte durch das Geräusch, das sie verursachen („Pompf!“). Doch mit sinnlosem Aufeinander-Eindreschen hat der Sport trotzdem gar nichts zu tun. Verletzungen gibt es beim Juggern nie – nicht einmal, wenn die Schläge entgegen der Regeln ausgeführt werden. „Jede Pompfe hat ihre eigene Technik“, sagt Trainer Tobias und schwingt zur Verdeutlichung eine Langpompfe durch die Luft. „Schläge von oben oder absichtlich ins Gesicht sind nicht erlaubt“, sagt der 28-Jährige. Und wenn es zweimal hintereinander aus Versehen passiert, kennt er als Schiedsrichter keine Gnade: „Dann muss derjenige eben zuschauen“, sagt er. Das ist zweifelsohne die größte Strafe für die rund 30 Mädchen und Jungs zwischen acht und 19 Jahren, die im Schwabacher Stadtpark regelmäßig mit Tobias juggern. „Ich find‘ es toll, dass wir in Mannschaften mit unterschiedlichem Alter spielen“, sagt Philipp (16) und klopft dem achtjährigen Alexander auf die Schulter. Der darf heute zum ersten Mal die Pompfen-Kette, einen an eine Plastikkette gehefteten Softball, schwingen. Tobias schätzt die Bewegung im Freien und das Unterdrücken des Dranges, gleich zurückschlagen zu wollen. Denn wenn man gepompft wurde, muss man in die Hocke gehen und den Frust erst einmal runterschlucken. „Da lernt man, mit aufkommender Aggression umzugehen“, so Tobias. „Es ist tausendmal cooler als Computerspielen“, findet Philipp. Denn beim Juggern kann man nicht einfach auf „Speichern“ klicken und, wenn was schief läuft, neu laden. „Und man ist abends total fertig, weil es unglaublich anstrengend ist“, findet Katharina (13), die sichtlich außer Atem ist. CHRISTOPH BENESCH
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"Juggern" heißt die neueste Trendsportart - und sie wird immer populärer

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