Sport wie bei den alten Germanen PDF Drucken

Auf in den Kampf um den Tierschädel: Mit den Schaumstoff-Sportgeräten, die „Pompfen“ heißen, stürzen sich die Mädchen und Jungs gleich in den Kampf um „Steine und Jugs“ – also um Zeit und Punkte. Fotos: Christoph Benesch"Juggern" heißt die neueste Trendsportart - und sie wird immer populärer

Trendsportarten zeichnen sich oft dadurch aus, dass Erwachsene sie mit Kopfschütteln quittieren. Bei einer von ihnen, dem „Juggern“, schütteln sogar Jugendliche erst einmal den Kopf. Wenn sie aber die spieltypischen Schaumstoff-„Pompfen“ ausprobieren, kommen sie nicht mehr weg vom Sport, der auf den ersten Blick aussieht, als träfen römische Gladiatoren auf aufständische Germanen. „Das hat definitiv Suchtfaktor“, sagt nicht nur der Trainer. Das finden wir auch und deshalb verlosen wir hier Bücher übers Juggern.

Alles, was man braucht, sind eine Wiese und elf Leute. Fünf gegen Fünf, und einer trommelt. „Bong-bong-bong“, so wird hier die Spielzeit von zweimal drei Minuten gemessen. Damit steht das Jugger-Grundgerüst. „Was jetzt noch fehlt, ist leider mit viel Aufwand verbunden“, sagt Tobias Dillig, Sozial-Pädagoge und so etwas wie ein Jugger-Trainer. In mühevoller Kleinarbeit hat der 28-Jährige sämtliche „Pompfen“, so heißen die Sportgeräte fürs Juggern, gebastelt. Leichte, biegsame Stangen aus dem Drachenbau, viel Isoliermaterial und eine gehörige Portion Klebeband hat Tobias verwendet; seitdem sind Kurz- und Langpompfe, „Q-Tip“ (deutsch: Ohrenstäbchen), Kette, Schild und Stab einsatzbereit.

Ihren Oberbegriff haben die Sportgeräte durch das Geräusch, das sie verursachen („Pompf!“). Doch mit sinnlosem Aufeinander-Eindreschen hat der Sport trotzdem gar nichts zu tun.
Vielmehr geht es um die richtige Taktik, Beweglichkeit, Schnelligkeit und gute Team-Absprache. Denn Ziel ist es, dass ein Läufer von seinen vier Mitspielern so beschützt wird, dass er einen Schaumstoff-Tierschädel in den gegnerischen Korb legen kann. Dann heißt es „Jug!“, also Punkt für die Mannschaft.
Das Beschützen des Läufers besorgen die Mannschaftskameraden mit Hilfe der Pompfen. Sie stochern, knuffen und schleudern die Schaumstoffwaffen. Wenn sie einen Körpertreffer landen, ist der Getroffene für eine gewisse Anzahl an Trommelschlägen außer Gefecht gesetzt – und der Läufer kann unbehelligt vorbeimarschieren. „Manchmal tut es schon auch ein bisschen weh, gepompft zu werden“, gibt der 13-jährige Leo zu, und Clara (14) grinst. Ihr gefällt das Knuffen mit den Schaumstoffschlägern. „Vor allem, weil man auch mal die Jungs damit vermöbeln kann“, sagt sie augenzwinkernd.

Verletzungen gibt es beim Juggern nie – nicht einmal, wenn die Schläge entgegen der Regeln ausgeführt werden. „Jede Pompfe hat ihre eigene Technik“, sagt Trainer Tobias und schwingt zur Verdeutlichung eine Langpompfe durch die Luft. „Schläge von oben oder absichtlich ins Gesicht sind nicht erlaubt“, sagt der 28-Jährige. Und wenn es zweimal hintereinander aus Versehen passiert, kennt er als Schiedsrichter keine Gnade: „Dann muss derjenige eben zuschauen“, sagt er.

Das ist zweifelsohne die größte Strafe für die rund 30 Mädchen und Jungs zwischen acht und 19 Jahren, die im Schwabacher Stadtpark regelmäßig mit Tobias juggern. „Ich find‘ es toll, dass wir in Mannschaften mit unterschiedlichem Alter spielen“, sagt Philipp (16) und klopft dem achtjährigen Alexander auf die Schulter. Der darf heute zum ersten Mal die Pompfen-Kette, einen an eine Plastikkette gehefteten Softball, schwingen.

Tobias schätzt die Bewegung im Freien und das Unterdrücken des Dranges, gleich zurückschlagen zu wollen. Denn wenn man gepompft wurde, muss man in die Hocke gehen und den Frust erst einmal runterschlucken. „Da lernt man, mit aufkommender Aggression umzugehen“, so Tobias.

„Es ist tausendmal cooler als Computerspielen“, findet Philipp. Denn beim Juggern kann man nicht einfach auf „Speichern“ klicken und, wenn was schief läuft, neu laden. „Und man ist abends total fertig, weil es unglaublich anstrengend ist“, findet Katharina (13), die sichtlich außer Atem ist.
Tobias, dem Trainer, gefällt am besten, dass auch Kinder aus dem nahegelegenen Kinderheim mitspielen und dadurch Kontakte und Freundschaften pflegen können. Und dass Mädchen auch den Jungs mal eine überbraten können.

CHRISTOPH BENESCH

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zum Video geht´s hier:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1026926&k at=27

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