Steiler Aufstieg dank waghalsiger Abfahrten PDF Drucken

Mit bis zu 84 km/h heizt Wolfgang Eysholdt auf seinem teuren Edel-Mountainbike durch die Wälder. Hier, auf dem Erlanger Rathsberg, war es nicht ganz so schnell. Foto: Bernd Böhner

Wolfgang Eysholdt zählt zu Deutschlands Nachwuchs-Hoffnungen im Mountainbike-Downhillfahren

Es war der Tag, an dem Wolfi beschloss, fortan nicht mehr in die Schule gehen zu wollen. „Ich hab’ meine Mutter derart damit genervt, dass sie irgendwann sagte: ,Ok. Dann wirst du jetzt die Sommerferien komplett durcharbeiten, damit du merkst, was Arbeit ist!‘“, erzählt Wolfi und grinst.
Wolfi, das ist Wolfgang Eysholdt aus Bubenreuth bei Erlangen. Aber seine Freunde und seine Familie nennen ihn nur Wolfi, und es steht auch nur Wolfi hinten auf seinem Radtrikot. „Hi, ich bin der Wolfi“, sagt er auch zu uns.

Der 19-Jährige zählt zu den besten Nachwuchs-Mountainbikern in Deutschland und fährt für das Downhill-Nationalteam. Er schaffte es in nur drei Jahren vom Hobby-Biker auf einem Mountainbike ohne Dämpfer bis zum WM-Teilnehmer mit sechs gesponserten 6000-Euro-Downhill-Bikes. Und bevor es weitergeht, sei noch erwähnt: Wolfi geht heute auch wieder zur Schule.

„Diese Kein-Bock-auf–Schule–Phase kam irgendwann im Jahr 2006“, sagt Wolfi und nimmt einen großen Schluck aus seiner Radflasche. Das „Arbeitslager“ während der Ferien hat er dann bei „Nicolai“ verbracht, einer Firma, die handgefertigte Fahrradrahmen fertigt. „Ich hatte zwar ein Faible für Mountainbiken, aber ich war nicht verrückt drauf“, sagt der Bubenreuther. Es war vielmehr so, dass er ab und an durch Erlangens Wälder geradelt ist. „Und da habe ich irgendwann gemerkt, dass mir das Bergabfahren liegt“, sagt er.

Als während seines Praktikums ein Downhill-Rennfahrer der Firma für die Deutsche Meisterschaft ausfiel, reckte Wolfi kurzentschlossen einfach mal den Finger. Und damit begann seine kleine Karriere: Prompt stürmte der damals 15-Jährige nach vorne, hetzte durch die Waldstücke, sprang über Wurzeln und Felsen und strampelte, was das Zeug hielt.

Am Ende standen achtbare Platzierungen. Und das, obwohl er zuvor noch nie professionell den Berg heruntergeheizt war. Die Firma machte ihrem Praktikanten prompt das Angebot, bei einer Rennserie mitzufahren, und er willigte ein. Fünf Rennen standen an, unter anderem in Garmisch-Partenkirchen. „Ich hab die Serie dann gewonnen und ein Rad für 6000 Euro bekommen“, erzählt Wolfi, dem immer ein bescheidenes Schmunzeln über die Lippen geht, wenn er seine Geschichte erzählt.

Mit diesem teuren Rad startete er fortan bei der Lizenz-Juniorenklasse, der absoluten Elite unter den Klassen für Jugendliche unter 19 Jahren. Nach einem ersten Jahr des Abtastens und mittelprächtigen Platzierungen, fuhr er 2009 erstmals aufs Podium, holte den Bayerischen Meistertitel, wurde zum Nationalteam eingeladen. „Bei den Europameisterschaften wurde ich dann Zwölfter – und damit bester Fahrer der U 19“, sagt er stolz. Im Zieleinlauf wurde seine Geschwindigkeit gemessen: 84 km/h, schneller als auf manchen Autobahnabschnitten erlaubt.

„Angst darf man nie haben, am besten gar nicht nachdenken“, sagt Wolfi, der behauptet, noch nie ernsthaft gestürzt zu sein. „Es ist alles eine Sache der Vernunft und der Konzentration“, erklärt er jetzt, wie er es auch seiner Mutter und seiner Freundin einst erklärt hat. Auch wenn sie ihn jetzt sehen, wie er sich in unglaublichem Tempo durch die Bäume schlängelt, sich durch Felsspalten bremst: „Dann haben die keine Angst um mich, die wissen was ich kann und dass ich vorsichtig bin“, sagt er.

Seine Freundin steigt nun selbst aufs Mountainbike, doch er muss sie manchmal bremsen: „Wenn ich seh’, sie wird unsicher, sag ich ihr schon: ,Mach langsam! Sei vorsichtig!‘“ – Hat er etwa Angst um sie? – Er grinst. Und nickt. „Naja, manchmal schon ein bisschen“, sagt er.

Dass Wolfi kein durchgeknallter Spinner ist, zeigt nicht nur, dass er wieder zur Schule geht. „Es gibt keine Entscheidung: Schule oder Mountainbiken! Ich kann mit dem Sport kein Geld verdienen“, sagt er. Die Reise nach Australien zur Weltmeisterschaft im September zahlt er selbst, seine Sponsoren kommen immerhin für Reparaturen, die Fahrräder, Kleidung und die vielen Reifen auf.

„Mein Traum wäre, auf der Fachoberschule in Fürth mein Abi zu machen und dann ein duales Studium anzufangen, bei dem ich irgendwie im Sport tätig bin“, sagt Wolfi. Auf jeden Fall dann also etwas Vernünftiges tun. Denn dann gilt die Devise seines Opas. „Wo man nicht rauffahren kann, sollte man auch nicht herunterfahren“.

CHRISTOPH BENESCH

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Anonym   |IP-84.148.117.xxx |22-07-2009 18:02:19
geiles viedio wolfi...
ich komm auch aus bubenreuth
Jonathan Funk  - Hey Wolfi   |IP-90.136.74.xxx |22-07-2009 18:47:54
Hey Wolfi
ich hab dich vor ein paaar Wochen in Osternohe mal die DH-Strecke
runterrasen sehn und ich find des echt Klasse wie du des machst.

Ich fahr
selbst Downhill, aber an dich, glaub ich, komm ich nie ran.

Ich wünsch dir
viel Glück und mach weiter so!!
angagierter erlanger bürger  - legal, illegal, scheißegal?   |IP-213.101.249.xxx |30-12-2009 02:53:54
hallo liebe leser,
wie ihr gerade in dem bericht hören konntet, gibt es rund um
erlangen kein richtiges trainingsgelände für downhill-mountainbiker. die
"illegal" angelegte strecke am erlanger rathsberg ist oft der grund für
streitereien zwischen forstbesitzer und mountainbikern. würde hier die stadt
erlangen und ihr "angagierter" bürgermeister dr. balleis mehr für die
motivierten oft jugentlichen mountainbiker unternehmen, würde es dem deutschen
sport nur zu gute kommen. z.z. fahren mehr als 60 mountainbiker auf diesen
sogenannten rathsberger trails. es gibt auch eine sogenannte "freeride
crew" mit ca. 100 mitgliedern die hier in erlangen "illegal" den
sport ausüben. es sollte hier über eine legalisierung eines solchen
downhill-trails nachgedacht werden. erlangen und seine region sollten mehr
jugentlichen wie z.b. "wolfi" die möglichkeit geben, diesen wunderbaren
sport ken...
angagierter erlanger bürger  - vortsetzung...   |IP-213.101.249.xxx |30-12-2009 02:56:08
kennen zu lernen und gegebenfalls professionel betreiben zu können. wir haben
zwar eine bmx bahn und einen trialpark für profis in erlangen aber nichts
vergleichbares für den downhillsport.

die stadt erlangen sollte den jungen
sportlern unter die arme greifen, anstatt ihr stöcke zwischen die speichen zu
werfen.

mit freundlichen grüßen
ein angagierter erlanger bürger

p.s. hier
ein paar links:

http://video.nordbayern.de?bcpid=262408950
01&bctid=34611951001

http://www.primasonntag-nbg.
de/default.aspx?ID=4935&showNews=532975

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