Skate-Legende Tony Hawk im Interview PDF Drucken

Robby NaishDer Skater und Surf-„Gott“ Robby Naish über PC-Spiele und neue Tricks

Läuft dein Vater in Baggypants, Skateschuhen und Kapuzenpulli rum? Gibt es für ihn nichts Aufregenderes, als sich mit seinem Skateboard die Halfpipe herunterzustürzen? Oder ist dein alter Herr eher der Surftyp, der mit kinnlangen Haaren und schneeweißen Zähnen, der jede Gelegenheit nutzt, bei hohen Wellen auf sein Windsurfbrett zu steigen? Für die Kinder von Skateboard-Legende Tony Hawk und Surf-„Gott“ Robby Naish — er ist sogar schon Opa! — ist es so. Für die Xtra–Redaktion standen beide in Paris im Rahmen der „Tony Hawk Show“ zum 40. Geburtstag von „Quicksilver“ Rede und Antwort.

Tony, was bedeutet es für Dich, berühmt zu sein?
Tony Hawk: Naja, man wird erkannt. Das bedeutet aber auch nicht immer, glücklich damit zu sein. Trotzdem ist es ein Phänomen, wenn du berühmt bist: Man könnte vielleicht annehmen, das ist immer das Gleiche — dabei ist es immer unterschiedlich.

Welche Rolle spielt Geld für dich?
Tony: In erster Linie eröffnet Geld natürlich riesige Möglichkeiten. Viele unterschiedliche Möglichkeiten für dich selbst, für dein Leben. Aber vor allem bietet Geld auch eine große Möglichkeit, andern zu helfen, die nicht so viel davon haben.

Trägt man, wenn man wie du berühmt bist, auch eine besondere Verantwortung?
Tony: Oh ja, allein gegenüber meinen eigenen Kindern. Ich will ihnen ein positives Beispiel vorleben. Ich möchte gern allen Kids ein gutes Vorbild sein.

 

Du warst selbst ein nicht ganz einfaches Kind, hattest psychische Probleme. Was für eine Rolle spielt skaten?
Tony: Skateboarding hat keine Regeln, du kannst einfach rausgehen und musst dich an nichts halten. Egal was du anhast, egal wer du bist. Es gibt niemanden, der dir sagt, was du zu tun hast. Es ist einfach komplette Freiheit — ohne Grenzen. Es macht dich selbstbewusst und motiviert dich. Dadurch liefert es einen wichtigen sozialen Beitrag.

Und für dich persönlich? Ist es gut für deinen Körper, für deine Ausgeglichenheit im Leben?
Tony: Ja! Du bewegst dich, es ist anstrengend, es ist Sport, also auch sehr gesund. Man sieht ja auch kaum übergewichtige Skateboarder herumfahren. Gleichzeitig ist es mehr als nur Sport, weil es eben jeder machen kann, es nicht viel kostet. Und du lernst viele Freunde kennen, die die gleichen Interessen haben wie du.

Trotzdem hast Du vor zehn Jahren aufgehört, Wettkämpfe zu fahren. War das nicht zu früh?
Tony: Ach, ich bin zwanzig Jahre gefahren, also ist das für mich nicht zu früh aufzuhören! Ich habe mit zwölf angefangen, mit 31 war ich dann Profi. Ich hatte einfach den Eindruck, ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich etwas Neues ausprobieren mag — was Neues in Sachen Skateboarding. Ehrlich gesagt: Ich bin froh, dass alles so gekommen ist. Und Skateboard fahren tu ich ja immer noch so viel wie eh und je.

War es für dich auch ein Grund aufzuhören, weil du bei den X-Games als allererster Fahrer diesen unglaublichen 900er (zweieinhalbfache Drehung um die Körperlängsachse, d. Red.) geschafft hast?
Tony: Ja, das kann sein. Das war ein weiterer Auslöser, jetzt aufzuhören. Ich war einfach irgendwie leer, habe so viel erreicht. Und nur weiterfahren, um die Nummer eins zu bleiben, fand ich nicht so wichtig.

Viele Jugendliche kennen dich nicht mehr als aktiven Skateboardfahrer, sondern eher als Helden aus deinem Computerspiel „Tony Hawk ProSkater“. Wirst du überhaupt noch wiedererkannt?
Tony: Tja, das ist wirklich verrückt! Aber durch mein Videospiel bringe ich vielleicht ein paar Kids dazu, auch mit echtem Skaten anzufangen. Als ich das Videospiel entwickelt habe, dachte ich, das wird nur was für Jugendliche, die ohnehin schon Skaten. Und jetzt habe ich gesehen: Das hat viel mehr Potential, das motiviert die Kids, sich zu bewegen. Daher ist es ok, wenn die mich zum Teil nur aus dem Videospiel kennen.

In den USA bist du noch populärer, hast sogar eine eigene Stiftung gegründet...
Tony: Meine Stiftung baut öffentliche Skateparks, schon seit acht Jahren, wir haben für zwei Millionen Dollar mehr als 450 Parks errichtet. Ich will einfach mehr Kindern die Chance geben, skaten zu können und die ganzen positiven Effekte, die damit zusammenhängen — gesundheitlich und sozial — zu erleben. Ich selbst bin auch in einer Gegend aufgewachsen, wo einer der letzten Skateparks überhaupt stand. Das war mein Glück, deswegen bin ich heute hier, das habe ich nie vergessen.

Gibt es eigentlich noch Tricks, die du komplett neu lernst?
Tony: Ja, klar! Der letzte war ein Alee-hoop frontside über diesen großen Abstand dieser riesigen Rampe. Da hatte ich am Anfang ganz schön Schiss davor.

Was ist das Geheimnis, dass du gesundheitlich mit 41 Jahren noch so fit bist?

Tony: Da gibt es kein Geheimniss. Und es gibt kein Alter, bei dem man aufhören muss, weil man zu alt für irgendwas wäre.

Wenn du skatest, sieht das alles so leicht aus. Hast du dich nie verletzt?
Tony: Doch, natürlich, und wie! Ich stürze fast täglich, das tut immer weh. Wie jeder andere auch!

Wie ist es mit deinen Kindern? Fahren die schon Skateboard?

Tony: Oh ja, vor allem meine Söhne. Die sind schon richtig gut.

Robby, du und Tony, euch verbindet, dass ihr für Generationen die Helden einer Sportart seid. Gibt es etwas, für das du Tony bewunderst?
Robby Naish: Tony hat Skateboarding als erster Sportler auf Top-Niveau gebracht; nach seiner aktiven Zeit dann auch noch als Geschäftsmann den Sport gepusht. Er hat also zweimal seinen Sport zu den Massen gebracht, dadurch ist er eine Legende für jung und alt.

Nun kennen ihn die meisten nur noch aus Videospielen.
Robby: Video ist ein Riesengeschäft, jedes Kind hat eine Spielekonsole. Das verstehe ich nicht, ich wohne auf Hawaii – da braucht man das nicht. In der Stadt ist das sicher anders. Aber Sportspiele sind immerhin besser als welche mit Waffen und Toten. Und ich hoffe immer: Erst spielen Kinder vielleicht an der Konsole Skateboarding, dann gehen sie raus und fahren selbst. Das ist toll. Darauf kommt es an.

Klingt begeistert. Steigst du auch bald in die Gamewelt ein?

Robby: Ja, ich habe kürzlich erst einen Vertrag unterschrieben. Bald wird es ein Spiel geben — und hoffentlich wie bei Tony viele Jugendliche dazu bringen, zum Strand, zum Wasser zu gehen — weg von den Videospielen. Wobei ich es ein bisschen schwieriger sehe als beim Skateboarden: Dort reicht es, einen festen Boden zu haben. Und ein Skateboard ist nicht so teuer. Zum Windsurfen brauchst du Wasser, Wellen, Wind und teureres Material. Aber vielleicht funktioniert es trotzdem.

Interview: CHRISTOPH BENESCH

 

+/-
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:
 
:angry::0:confused::cheer:B):evil::silly::dry::lol::kiss::D:pinch:
:(:shock::X:side::):P:unsure::woohoo::huh::whistle:;):s
:!::?::idea::arrow:
 
Please input the anti-spam code that you can read in the image.
+/- Kommentare
Neuer Kommentar RSS

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."