| Im Bauch der Allianz-Arena |
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Ab 20.45 Uhr wird es ernst für den FC Bayern: Dann kann sich die Truppe von Louis van Gaal gegen Olympique Lyon Richtung Champions-League-Finaleschießen. Hunderte Reporter, Fotografen und Kamerateams werden jede Sekunde des Spiels genau beobachten und die Fußballer nach dem Abpfiff im Pressebereich mit Fragen löchern. Wie es in der Pressezone nach so einem Spiel zugeht, hat Abiturientin Katharina Tontsch hautnah erlebt: Als Kicker-Praktikantin durfte sich die 19-jährige Nürnbergerin mit den prominenten Kickern und Reportern im Bauch der Allianz-Arena tummeln. Schon von weitem sehe ich die in rotes Licht getauchte Allianz-Arena. Während Busse und Autos aber der Reihe nach in diverse Parkhäuser abbiegen, fahren wir weiter, immer näher auf die Arena zu. Kicker-Redakteur Georgios Moissidis drückt mir einen rot-grauen Ausweis in die Hand, den ich ins Fenster halten soll. „Medien, Dauerparkplatz“ steht in großen Buchstaben drauf. An diesem Abend war ich nicht als Fan in roter Bayernkluft beim Champions-League-Achtelfinalhinspiel FC Bayern München gegen den AC Florenz in der Arena, sondern zusammen mit zwei Redakteuren des Kickers. Dort habe ich ein einwöchiges Praktikum in der Redaktion absolviert. Die Karten für die Partie waren natürlich sehr begehrt, dem Kicker standen allerdings drei zu. Da die Presse sich neutral zeigt, ich aber zumindest gefühlsmäßig ein treuer Philipp-Lahm-Fan bleiben will, trage ich mein Trikot unter meiner Jacke. Super Plätze und Goldarmband Als wir aus dem Auto aussteigen, stehen wir tief im Bauch der Arena. Neben uns parken teuere BMWs und Audis. „Ach, das ist doch der Moderator von Sky“, kommentiert Karlheinz Wild, der zweite Kicker-Redakteur, mit Blick auf einen der Schlitten. Wir bekommen unsere Sitzplatzkarten: Westtribüne, Unterrang, Medien. Für diese Plätze würden andere morden oder zumindest ziemlich viel Geld zahlen. Zusätzlich wird mir noch ein goldenes Armbändchen überreicht, das ich an jeder Tür vorzeigen muss. „FC Bayern München Presseclub“ ist darauf zu lesen. Zwei Stunden vor dem Spiel geht es noch nicht gleich raus auf die Ränge. Die beiden Kicker-Redakteure führen mich in den Pressebereich: ein großer Raum mit Bar, Tischen mit Stühlen und Stehtischen, einem üppigen Buffet und – durch eine Wand abgetrennt – den Bereich für die Pressekonferenz. Ich bin völlig geplättet. Dort, an diesem Tisch mit den Mikrofonen, den man auch immer im Fernsehen sieht, sitzt nach jedem Bayern-Spiel der Startrainer Louis van Gaal. 20 Minuten vor dem Anpfiff gehen wir, vorbei am Sky-Studio, in dem sich Steffan Effenberg schon auf seinen Auftritt vorbereitet, raus ins Stadion. Im Unterrang kann man in der Allianz Arena bis ganz nach unten laufen und direkt über den Spielerbänken stehen. Van Gaal stolziert über den Platz bis zur Bayernbank. Er steht direkt vor mir. Fans breiten ihre Trikots aus und der Holländer gibt Autogramme. Ich habe keinen Stift dabei, also halte ich ihm einfach meine Hand hin und er schüttelte sie kurz. Er schwitzt. Die Mannschaften betreten den Rasen, die Fans jubeln und die Champions-League-Hymne ertönt. Gänsehautfeeling pur. Da unten erkennt man erst, wie groß dieses Stadion ist. Das Spiel selbst ist leider nicht wie erwartet eine lockere FC Bayern-Show, in der Ribèry und Robben zaubern und der Gegner vor Angst erstarrt. Zum Ende der ersten Spielhälfte fällt dann endlich das ersehnte Bayern-Tor. In der Pause werden wir im Presseraum mit Kuchen und Kaffee verwöhnt. Die zweiten 45 Minuten beginnen mit dem Ausgleichstor der Fiorentina. Die italienischen Journalisten neben mir sind kaum zu halten. Mein Spieler! Nach dem Spiel liebäugele ich mit dem Gedanken, vielleicht die Pressekonferenz miterleben zu können. Doch Kicker-Redakteur Moissidis toppt meine Träume noch: Wir gehen in die „Mixed-Zone“, in der schon Kamerateams, Journalisten mit Aufnahmegeräten, Laptops und Notizblöcken warten. Würden hier vielleicht einige Spieler erste Statements abgeben? Uli Hoeneß schreitet erhoben Hauptes an uns vorbei. Und dann sehe ich sie: die frisch geduschten Bayernspieler! Sie geben kurze Interviews und begrüßen Bekannte. Bastian Schweinsteiger scherzt mit dem Journalisten des DSF. Ich stehe direkt daneben! Mir fallen die blauen Augen von Mario Gomez auf, der Moissidis kurz begrüßt. Und dann steht er da, gerade einmal so groß wie ich: Philipp Lahm! Seine Nummer trage ich auf meinem Trikot, Poster von ihm hängen in meinem Zimmer. Er ist mein Spieler! Er trägt den Trainingsanzug der Bayern und eine braune Umhängetasche. Außerdem riecht er ausgesprochen gut! Weit nach Mitternacht machen wir uns auf den Weg zum Auto. Das Grinsen auf meinem Gesicht ist nicht mehr wegzubekommen. Ich bin überglücklich! Auf dem Heimweg verspreche ich mir etwas: Ich will erst aufhören an meiner journalistischen Karriere zu arbeiten, wenn ich angekommen bin, wo ich heute hineinschnuppern durfte. KATHARINA TONTSCH
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Den frisch geduschten Bayern-Spielern ganz nah
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