| Seiltanz im Park |
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Surfen ohne Wasser? Das ist leicht gemacht! Man nehme zwei Bäume, ein Nylonband und jede Menge Konzentration, Koordination und Kraft. Denn so funktioniert das Surfen bei der Trendsportart Slacklining. Die Beine gebeugt, die Arme ausgebreitet, schwingt Sebastian Ludwig wie ein Surfer hin und her. Doch statt auf einem Brett steht er auf einem 25 Millimeter breiten Nylonseil. Und um ihn herum rauschen keine Wellen, sondern Blätter. Im Schlosspark in Erlangen hat der 22-Jährige zwei Lines aufgespannt. So nennt man die elastischen Bänder. Und darauf zeigt der Student alle möglichen Kunststücke. Das Surfen gehört zu seinen Lieblingstricks beim Slacklining. Dieser moderne Seiltanz ist hierzulande recht neu, doch eigentlich gar nicht so jung. Schon in den 1960er Jahren vertrieben sich Klettersportler in den USA die Zeit mit Balancieren. Statt auf den heutigen Lines tänzelten sie auf Absperrketten oder Seilen. Auch Bergsteiger üben damit Anfang der 80er Jahre verwendeten sie erstmals Schlauchbänder aus Nylon. Damit war das Slacklining in seiner heutigen Form geboren. Auch europäische Bergsteiger übten in den 70er Jahren auf gespannten Seilen. Doch das Slacken konnte sich erst 30 Jahre später als Trend durchsetzen. Vor fünf Jahren hat auch Sebastian durch Freunde das Slacken für sich entdeckt: „Wir haben ein paar Hippies beim Slacklining gesehen. Uns war langweilig, also haben wir es auch ausprobiert.“
Zunächst ist daher nur Laufen angesagt, um ein Gefühl zu bekommen. Hat man die anfängliche Zitterpartie überwunden, sind dem geübten Slackliner keine Grenzen gesetzt. Laufen, Springen, Spagat, Handstand oder Salto – es finden sich immer neue Tricks. „Es macht einfach Spaß“, findet Sebastian. „Man hat keine Vorgaben, sondern es entwickelt sich alles.“ Sebastian springt am liebsten – Jumplining genannt. „Mein weitester Sprung war sechs Meter“, sagt er. Die Line ist dabei knapp 15 Meter, straff gespannt und recht elastisch. Durch den Trampolineffekt kann ein Slacker weit und hoch springen. Daneben gibt es noch weitere Slackline-Arten Sehr zu Sebastians Freude. Denn auf seiner Line fällt ihm nicht nur Springen leicht. Nach einer 540-Grad-Drehung hüpft er durch die eigenen Hände, setzt sich in den Schneidersitz, legt sich hin oder springt von einem Band aufs andere. Das sieht einfach aus, ist aber anstrengend. „Man muss vom Fuß bis zum Bauch alle Muskeln angespannt halten. Das erfordert Kraft und Koordination“, erklärt der 22-Jährige. Dann zeigt er einen Vorwärtssalto. Rückwärts hat er ihn auch schon probiert, musste aber eine schmerzhafte Kopflandung hinnehmen.
Nicht nur in den Park, sondern auch in die Berge oder übers Wasser zieht es den angehenden Maschinenbauer. Beim Highline etwa spannt man das Band zwischen sehr hohe Fixpunkte. „Die absolute Königsdisziplin“, sagt Sebastian. „Allein darf man das nicht machen, das ist zu gefährlich.“ Auf 45 Meter Höhe ist er gemeinsam mit einem Freund gewandelt. Auch das Waterlining, bei dem das Seil über Wasser gespannt wird, hat er schon probiert. Slackliner wie Sebastian sind vor allem im Sommer an der Pegnitz oder Regnitz am Werk. „Übers Wasser zu springen, ist lustig“, verrät er. „Denn da bewegt sich zusätzlich das Wasser unter den Füßen. Und wenn man fällt, landet man weich.“ SEVERINE WEBER
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