Mit dem Rad über die Alpen PDF Drucken

Kristian Steckler in voller Fahrt: In acht Tagen ist er von Füssen quer durch die Alpen zum Gardasee gedüst. Foto: sportograf.comErlanger Student überwindet bei einem Mountainbike-Etappenrennen mehr als 20000 Höhenmeter

Kristian Steckler (23) studiert Elektrotechnik in Erlangen – und ist verrückt nach Mountainbiken. Jetzt hat er am härtesten Mountainbike Etappenrennen der Welt, der Craft-Bike-Transalp-Challenge, teilgenommen. In acht Tagen überquerte er zusammen mit seinem Partner Karsten Seeger die Alpen. Die Extra-Campus-Mitarbeiterin Jennifer Hertlein hat sich mit Kristian unterhalten.

Hier ihr Protokoll von seinem Bericht über acht Tagen zwischen Energieriegeln, zu wenig Schlaf und traumhaften Biker-Pfaden: „Los ging die Tour in Füssen. Mit Karsten habe ich mich einen Tag zuvor getroffen. Taktik besprochen haben wir da nicht mehr groß. Aber wir haben bei allen Teilnehmern eine enorme Anspannung gespürt. Das hat richtig in der Luft geknistert. Die Aufregung war riesig, bei dem Gedanken an die 600 Kilometer und die 20000 Höhenmeter, die vor uns lagen.

Wir schliefen jede Nacht im Camp statt im Hotel. Das war spottbillig – aber auch sehr spartanisch. Camp, das bedeutet, mit Isomatte und Schlafsack in einer großen Turnhalle übernachten. Ich hatte ungefähr 80 Zentimeter Platz, und dann kam der nächste Kopf.
Deshalb hatte ich sowohl Ohropax als auch eine Schlafbrille dabei. Anders hätte ich kein Auge zugemacht, wenn der neben mir schnarcht und weiter hinten noch Leute reden. Das Schöne am Camp: Ich habe erst mal gemerkt, wie international das Rennen ist und konnte mich mit Mountainbikern aus Alaska, Costa Rica und Südafrika austauschen.

Lenker an Lenker

Nach der ersten Nacht standen die 550 Zweierteams aus der ganzen Welt vor der Startlinie. Kurz vor dem Startschuss ertönte das AC/DC-Lied „Highway to hell“. Das ist ein Ritual und wird jedes Mal gespielt, zur Einstimmung. Anschließend hieß es: Auf die Plätze, fertig, los.
Der Anfang des Rennens ist ein furchtbares Gedrängel, Lenker an Lenker. Wenn da jemand stürzt, gibt es einen Dominoeffekt. Aber wir sind gut rausgekommen und konnten bald recht weit vorne mitfahren. Zum Glück! Denn im Mittelfeld müssen die Biker auf den engen Pfaden oft absteigen und schieben, weil es zu viele Leute sind.

Dabei sind gerade die kleinen Pfade das Beste an der Tour. Auf diesen sogenannten Single Trails konnten wir wirklich nur hintereinander fahren – aber das ist richtiges Mountainbiken. Wenn du auf diesem schmalen Weg hochfährst, es neben dir steil bergab geht und du über das ganze Tal schauen kannst. Und vor dir liegt nur dieser riesige Berg. Das ist unbeschreiblich.

Sobald wir losgefahren waren, kamen die Füße vier bis sieben Stunden nicht mehr von den Pedalen. Um ausreichend Energie zu haben, mussten wir regelmäßig ein pappsüßes und künstlich schmeckendes Zuckergel schlucken. Dazu musste ich mich regelrecht zwingen.

Wir sagen immer: "Sonst kommt der Mann mit dem Hammer." Denn bei so großer Anstrengung bekommen Sportler leicht Unterzucker und sehen Sternchen, wenn ihnen schwarz vor Augen wird. Daher lieber Augen zu und Zuckergel schlucken.

Die erste Etappe lief richtig gut. Sie bestand nur aus einem großen Berg. Das dauerte nicht allzu lang und wir waren richtig schnell. Am Abend war die ganze Last plötzlich weg. Denn wir waren mittendrin im Rennen. Davor hatte ich mir die ganze Zeit Sorgen gemacht. Zum Beispiel hatte ich im Frühjahr gesagt, ich fahr’ jetzt nicht Skifahren, sonst verletzte ich mich nur vor der Transalp-Challenge noch. Und das ist alles von mir abgefallen und einem regelrechten Übermut gewichen.

Mein härtester Moment im Rennen war nicht die Königsetappe mit 3500 Höhenmetern an einem Tag. Sondern als ich am Ende eines Tages noch 30 Kilometer auf flacher Ebene fahren musste. Der Weg vorher war so anstrengend und ich dachte, ach, die paar Kilometer flach, das kann ich jetzt schön ausrollen lassen. Und dann war das die Hölle!

Durchhalten ist alles!

Aber immer wenn ich hart an meiner Grenze war und nicht mehr konnte, hat mich Karsten wieder motiviert. Überhaupt herrschte in unserem Team Harmonie. Das war nicht bei allen so. Teilweise haben sich erwachsene Männer angeschrien wie kleine Kinder, und Teams sind auseinander gebrochen. Etwa 100 Fahrerpaare haben vor der Ziellinie aufgegeben.

Das Schwierigste beim Mountainbiken ist die Konzentration. Beim Rennrad kannst du dich draufsetzen und losfahren. Bei uns ist das anders: Wenn du unaufmerksam bist, übersiehst du einen Stein, fliegst hin und kannst dich schlimm verletzen.

Besonders toll fand ich die kleinen Momente am Rande des Rennes. Zum Beispiel, als Kinder am Straßenrand standen, uns anfeuerten und uns abklatschten. Das hat mir richtig viel bedeutet.

Unbeschreiblich war natürlich die Einfahrt ins Ziel am Gardasee. Wir sind oben aus den Bergen rausgefahren, haben den See gesehen und das Ziel. Da haben wir nur noch gejubelt und gejauchzt vor Freude! Wir haben die Ziellinie im ersten Drittel der Teilnehmer überquert. Danach sind wir vor lauter Euphorie in den See gesprungen, obwohl der nur 14 Grad hatte.

Jetzt bin ich wieder daheim und der Uni-Stress hat mich zurück. Klar, ich will wieder Rennen fahren. Aber in nächster Zeit werde ich mit Kumpels nur zum Spaß mountainbiken. Ohne Pulsuhr und Tacho, statt dessen mit Kaiserschmarrn auf der Berghütte!“ 

Mehr über das Rennen findet ihr auf www.bike-magazin.de/event/bike-transalp

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