Erst mahnen, dann strafen PDF Drucken

Beate Cura  Foto: Leonie SedlmairJugendrichterin Beate Cura erzählt von ihrer Arbeit

 

Was passiert, wenn Jugendliche oder Kinder eine Straftat begehen? Unsere Ferienreporter sprachen mit Jugendrichterin Beate Cura über ihre Arbeit. Die 46-Jährige arbeitet seit etwa 18 Jahren bei Gericht und hat pro Monat zwischen 20 und 40 Verhandlungen zu führen.

 

 

Warum sind Sie Jugendrichterin geworden?
Beate Cura: Das ist eine interessante Arbeit. Als Jugendrichterin hat man mehr Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten als ein normaler Richter. Ein Richter für Erwachsene muss Urteile immer so fällen, wie es vorgeschrieben ist. Wir können die Lebensumstände mehr mit einbeziehen.

Wie wird man Richter?
Cura: Um Richter zu werden, braucht man Abitur, danach muss man Jura studieren. Nach dem ersten Examen kommt die Referendarzeit, wie bei einem Lehrer. Es folgt das zweite Staatsexamen. Nur wer da mit einer guten Note abschneidet, der sogenannten Staatsnote, kann Richter oder Staatsanwalt werden. Zu Beginn dieser Laufbahn wird man Assessor genannt. Wer in Bayern irgendwann Richter werden will, muss vorher ein Staatsanwalt gewesen sein.

Seit wann sind Sie Richterin?
Cura: Ich war erst fünfeinhalb Jahre Staatsanwältin. Inzwischen bin ich seit zehn Jahren Richterin, die letzten drei Jugendrichterin.

Wie werden Jugendliche bestraft?
Cura: Die Mindeststrafe ist eine einfache Ermahnung, das ist ähnlich wie Schimpfen. Eine Ermahnung bekommt man meist nur bei einem Erstvergehen, etwa wenn ein Jugendlicher ein Päckchen Kaugummi oder Lidschatten klaut. Die härteste Strafe beträgt zehn Jahre Jugendstrafe für Mord oder Totschlag. Bei der Jugendstrafe werden in allen Fällen mindestens sechs Monate vom Richter verhängt. Dann gibt es noch Arbeitsstunden, den Dauerarrest, der von einem Wochenende bis zu vier Wochen dauern kann oder Auflagen. Das heißt, der Jugendliche muss zum Beispiel eine Berufsberatung besuchen.

Was war bisher ihr schwierigster Prozess?
Cura: Das war eine Kindesmisshandlung. Das war deshalb so schwierig, weil das Kind und seine fünf Geschwister gegen ihre Eltern aussagen mussten und deshalb alle sehr belastet waren. Natürlich will man ein Kind nicht unnötig unter Druck setzen, aber irgendwie muss man die Wahrheit in einem Prozess herausfinden.

Wurden sie schon mal bedroht?
Cura: Indirekt. In meiner Zeit als Staatsanwältin hat mal ein Mann, den ich angeklagt hatte, zu mir gesagt: „Naja, Sie haben ja auch Kinder.“ Dabei ging es in dem Verfahren gar nicht um Kinder. Da bekommt man schon ein komisches Gefühl. Ein anderes Mal war die Familie auf den Zuschauerbänken sehr aggressiv, da fühlte ich mich bedroht. Aber ich habe noch nie einen Drohbrief oder so bekommen.

Interview: MAX FIEWEGER (13) und JONAS SCHULZ (13)

 

 

+/-
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:
 
:angry::0:confused::cheer:B):evil::silly::dry::lol::kiss::D:pinch:
:(:shock::X:side::):P:unsure::woohoo::huh::whistle:;):s
:!::?::idea::arrow:
 
Please input the anti-spam code that you can read in the image.
+/- Kommentare
Neuer Kommentar RSS

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."