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Zwei Erstwähler aus der Region haben das TV-Duell unter die Lupe genommen
Für Lena Weißmann aus Nürnberg und den Spardorfer Kay Frank (beide 18) wird die Bundestagswahl am 27. September die erste ihres Lebens als Wähler werden. Klar, dass da das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier anstelle der Simpsons bei ihnen über den Fernseher flimmerte. Lena und Kay schildern hier ihre Eindrücke und Beobachtungen des Kanzler-Duells und berichten, ob es sie in ihrer Wahl beeinflussen wird.
8:48,8:47,8:46— eine Anzeige am Rand des Fernsehbildschirms zählt den Countdown. Moderatorin Anne Will zelebriert die letzten Minuten, als ginge es um eine lang erwartete Filmpremiere oder einen spannenden Boxkampf. Ich, Erstwählerin zur Bundestagswahl 2009, werde gleich in den Genuss meines ersten Kanzlerkandidaten-Duells kommen.
Statt des Simpsons-Films, der für mich eigentlich obligatorisch gewesen wäre, erwarten mich heute Abend Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ich hoffe auf ein aufschlussreiches und spektakuläres Wort-DuellEs heißt, beide wollen vor allem die unentschlossenen Wähler für sich gewinnen.
Eine Tüte Gummibärchen in der einen, eine Traubensaftschorle in der anderen Hand, lehne ich mich entspannt auf dem Sofa zurück. Jung, politisch nicht gerade top informiert und völlig unvoreingenommen wie ich bin, gehöre ich also zur wichtigsten Zielgruppe. Ich bin gespannt, wie die Kandidaten mich überzeugen wollen.
„0:02, 0:01, 0:00“ — die Kamera schwenkt ins Studio, Angela Merkel lächelt zur Begrüßung freundlich, Frank-Walter Steinmeier nickt nur kurz mit unbewegter, ernster Miene. Aha, schonmal ein erster Eindruck!
Warum die Kanzlerin keine Kanzlerin bleiben solle, ist die erste Frage an Steinmeier. „Weil es eine bessere Alternative gibt, nämlich mich!“, gibt dieser selbstbewusst zurück. „Angeber! Auswendiglerner!“, denke ich und lausche skeptisch seinen weiteren Ausführungen. Er spricht von Mindestlöhnen und der Begrenzung von Managergehältern, die seine Partei durchsetzen will. Na gut, das klingt doch ganz annehmbar.
Merkel legt los mit einem Lob für die Große Koalition. Für diesen netten Zug gibt’s von den sensationsgierigen Moderatoren gleich eins auf den Deckel: Sie fordern „ein Duell, kein Duett“. Wenn sich hier irgendjemand „duelliert“, dann die Politiker mit den Moderatoren.
Merkel und Steinmeier tragen brav ihre zurechtgelegten Reden über Steuersenkungen und Atomenergie vor. Warum auch streiten, wenn’s nichts zu Streiten gibt? Ohne großes Drumherum kann ich mich einzig auf das konzentrieren, was die Politiker von sich geben. Dass mir dabei immer mal wieder die Augen zufallen, liegt halt daran, dass ein Herr Steinmeier nicht mit dem Humor von Homer Simpson aufwarten kann.
Nach 90 Minuten werden die Schluss-Statements runtergebetet. Die Experten im Studio jammern noch lange über ein langweiliges und viel zu friedliches Duell.
Nur die zwei älteren Damen am nächsten Morgen im Bus sind anderer Meinung. „Elende Streithähne“ haben die gesehen. Bin ich doch eingeschlafen und hab’ die Hälfte verpennt?
LENA WEISSMANN
Kay wollte eigentlich schon das Kanzlerduell live ansehen. Um das zu schaffen, hätte er aber zeitiger vom Kurzbesuch bei seiner Schwester, die in Homburg studiert, aufbrechen müssen. Und so war der 18-Jährige irgendwo auf der Autobahn unterwegs ins heimische Spardorf bei Erlangen, als die TV-Debatte begann.
„Als ich heimkam, hab ich den Fernseher noch angemacht und ein bisschen reingehört“, sagt der Abiturient. Aber so richtig aufmerksam verfolgt hat er es eigentlich erst gestern, auf dem Online-Videoportal YouTube.
„Ich hatte mir von Anfang an nicht viel davon erhofft“, sagt Kay. „Vor ein paar Jahren hab ich das Duell zwischen Merkel und Schröder geguckt, auch wenn ich da noch nicht wählen durfte. Das TV-Duell fand ich einen ziemlichen Blödsinn“, sagt er. Denn: „Schon damals haben die Kandidaten sehr aneinander vorbeigeredet, und sind kaum auf die Fragen der Moderatoren eingegangen.“
Und zwischen Merkel und Steinmeier sei es nun, so Kay, ähnlich gewesen. „Es werden nie Vorschläge gemacht, wie Probleme gelöst werden können. Es wird entweder auswendig aufgesagt, wie das Wahlprogramm aussieht. Oder es wird der jeweils anderen Seite vorgeworfen, dass sie alles falsch gemacht hätte.“ Das findet Kay alles andere als sinnvoll. Auch hilft es ihm nicht weiter, denn er ist sich noch nicht hundertprozentig sicher, was er wählen wird. „Ich habe eine bestimmte Richtung, aber für eine Partei hab ich mich noch nicht entschieden“, sagt er.
Insgesamt erinnert ihn die Politik – und vor allem das TV-Duell – an eine Folge in der Serie „Southpark“. „Da sieht man, dass es wichtig ist zu wählen, um radikale Gruppen nicht an die Macht zu lassen. Aber es heißt auch: Die einzige Wahl, die man hat, ist die des geringeren Übels.“
Wen er sympathischer beim Rededuell zwischen Merkel und Steinmeier fand, kann Kay nicht sagen. „Ich finde, Sympathie und Politik sollte man trennen. Denn ich möchte eine Partei aufgrund ihrer Inhalte wählen und nicht, weil mir ein Gesicht gut gefällt.“
Enttäuscht war der Gymnasiast von den Moderatoren. „Die haben gestichelt und waren nervig. Ich finde, manchmal waren sie aufgrund ihrer Fragestellung auch nicht mehr wirklich objektiv. Interessante Themen wurden nicht richtig aufgegriffen, wenig nachgehakt.“
Dass zu wenig gestritten wurde, findet Kay nicht. „Beide Kandidaten waren ziemlich zufrieden mit der bisherigen Zusammenarbeit. Zwar war Steinmeier, den ich bisher noch nicht so gut kannte, etwas angriffslustiger. Aber trotzdem hat er doch der Kanzlerin nur ihre Fehler vorgeworfen. Und die hat sich dann verteidigt. Insgesamt war der Erkenntnisgewinn, wie es in unserem Land weitergehen sollte, gleich null.“chb
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