Für Träume ist es nie zu spät PDF Drucken

Leonore Großkopf mit ihrem Jüngsten im Garten. Foto:Charlotte GroßkopfWie eine vierfache Mutter ihr Medizinstudium meistert
 

Das neue Jahr ist immer ein Anlass, um gute Vorsätze zu fassen. Vielleicht auch, um bisher unverwirklichte Pläne umzusetzen. Oder gar, um sich unerfüllte Träume zu erfüllen. Wie sowas gehen kann, macht Leonore Großkopf (40) aus Röttenbach vor.   

 

Seit Leonore Großkopf 1988 ihr Abi gemacht hat, ist viel Zeit vergangen. Doch eines ist in all den Jahren gleich geblieben: ihr Wunsch, Medizin zu studieren. Den erfüllte sie sich dann mit 35 Jahren. Mittlerweile ist sie im 10. Semester.
Ein Studium bedeutet nicht nur finanziellen Aufwand, sondern auch eine Menge Stress. Besonders, wenn man – wie Leonore Großkopf – neben den Vor- und Nachbereitungen der Vorlesungen auch noch vier Kinder zu Hause hat.
 

Leonore Großkopf hatte schon direkt nach dem Abitur mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren. Sie entschied sich dann doch für eine Laufbahn bei der bayerischen Staatsforstverwaltung. Denn als Diplomverwaltungswirtin rechnete sie sich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. Nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie dann auch jahrelang erfolgreich in ihrem Beruf.
2000 nahm sie dann Erziehungsurlaub, um sich voll und ganz ihrer Aufgabe als Mutter von vier Kindern widmen zu können. Vier Jahre lang blieb sie zu Hause und gab sich ganz den Mutterpflichten hin. Doch nach wie vor reizte sie der Gedanke, Medizin zu studieren.
 

2004 wagte sie dann den Schritt und bewarb sich um einen Studienplatz für Humanmedizin in Erlangen. Ihr Mann und ihre Kinder wussten, dass es nicht leicht sein würde, aber sie standen hinter ihr. „Mein Mann sagte, ich solle es einfach ausprobieren und dann würden wir weiterschauen“, erklärt sie.
So haben sie es dann auch gemacht. Mit ihren jungen Kommilitonen verstand sich Leonore Großkopf auf Anhieb gut. „Ich habe keine negativen Erfahrungen gesammelt, mein Alter war nie ein Thema – jedenfalls wurde das mir gegenüber nie geäußert.“ So knüpfte sie viele neue Kontakte und hat in der ersten Zeit auch mit den anderen zusammen gelernt: „Wir sind zusammen Kaffee trinken gegangen – aber natürlich bin ich nicht mit in die Disco.“
 

Neue Kontakte ergaben sich auch während der Fahrt zur Uni. Jeden Tag ist Leonore Großkopf rund eineinhalb Stunden mit dem Zug nach Erlangen unterwegs. Zuerst geht es von der Haltestelle Mühlstetten in Röttenbach aus zum Nürnberger Hauptbahnhof, wo sie dann in den Zug nach Erlangen umsteigt. „Das stört mich schon manchmal, ist aber nicht zu ändern. Man kann ja in dieser Zeit lesen oder sich unterhalten.“
 

Sich nach 15 Jahren Berufstätigkeit wieder ans Lernen und Schreiben von Prüfungen zu gewöhnen, ist nicht leicht. „Natürlich war vor allem die erste Zeit hart, aber dann gewöhnt man sich an die nervliche Anspannung.“
Ein Studium ist kein geringer finanzieller Aufwand. Außer den Studiengebühren belasten auch die Kosten für Bücher und Fahrkarte das Familien-Portemonnaie. „Ich hoffe, nach dem Studium wieder etwas zur Familienkasse beitragen zu können“, sagt Leonore Großkopf, „schließlich studiere ich ja ein Fach mit Zukunft. Was andere in ihre Hobbys stecken, investiere ich eben in meine berufliche Zukunft.“
 

Während des Studiums muss die Familie auch in anderer Hinsicht zurückstecken. Gerade in Prüfungsphasen bleibt wenig Zeit. „Da ist im Haushalt auch mal was liegen geblieben“, gibt die vierfache Mutter zu.
Gerade in der Zeit vor dem Physikum hatte sie viel zu tun. Denn in dieser ersten ärztlichen Prüfung wird der Stoff der ersten vier Semester abgefragt. „Da kam ich nicht so oft zum Bügeln, aber mein Mann und meine Kinder haben mich immer unterstützt und mich entlastet, wo es ging.“
Nicht nur ihre Familie, sondern auch ihr Freundeskreis war verständnisvoll. Es gab niemanden, der nicht verstanden hätte, dass ihr das Studium wichtig ist.
 

Inzwischen hat sie es schon weit geschafft. Nur noch wenige Semester trennen sie von ihrem Ziel. Ihre Praxiskenntnisse soll sie erweitern, deshalb muss sie im letzten Jahr ihres Studiums ein Jahr lang in einem Krankenhaus arbeiten. Insgesamt soll sie drei Fachabteilungen kennenlernen. Die Bereiche Innere Medizin und Chirurgie gehören zum Pflichtteil des sogenannten Praktischen Jahres. „Den dritten Bereich muss ich noch auswählen“, erzählt die Röttenbacherin.
Da sie Kinder hat, könnte sie das Pensum auch auf eineinhalb Jahre verteilen. Allerdings würde sie dann auch erst ein halbes Jahr später mit ihrem Studium fertig werden. „Da muss ich mich erst noch entscheiden, ich bin mir noch nicht sicher.“
 

Während ihres Studiums hatte sie natürlich nicht so viel Zeit für ihre Kinder, wie sie es sich gewünscht hätte. Trotzdem hat sie sich nicht entmutigen lassen und versucht, Studium und Familie unter einen Hut zu bringen. Bald hat sie es geschafft: Ihr Traum geht in Erfüllung.
LEA-VERENA MEINGAST

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