| Penner-Alarm in der Schule |
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Die Straßen von New York verlaufen nächste Woche durch Fürth. Und das raue New Yorker Straßenleben tobt mitten im Helene-Lange-Gymnasium. Die Zwölftklässler Jan, Tim, Tobias und Alexandra werden dann zu Pennern; Tim wird als Afroamerikaner ein tragisches Ende erleiden. Warum das alles? Weil im Gymnasium das Musical „Grauzone: zwischen zwei Welten“ aufgeführt wird. Das Besondere daran: Geschrieben und komponiert hat es Anna Waidhas – 17 Jahre und Zwölfklässlerin. Noch fehlen im Bühnenbild letzte Elemente. Noch hat der Chor einen Refrain nicht richtig drauf. Noch wird am Übergang zwischen zwei Szenen gefeilt. Aber noch sind ja auch ein paar Tage Zeit bis zur Premiere des Musicals. Und noch wirkt Anna – die Urheberin, die Regisseurin, die Organisatorin, die Chorleiterin – ganz entspannt. „Wenn ihr Bass und Schlagzeug dazu hört, wird alles einfacher“, ermutigt sie ihre Chorsänger. Vor zwei Jahren hat Musical-Fan Anna mit den Arbeiten an „Grauzone“ begonnen – inspiriert von einem Making-off des Broadway-Musicals „Rent“. „So was will ich auch kreieren“, dachte die damals 15-Jährige. Worum es gehen sollte, war ihr schnell klar: um zwei Welten, die aufeinanderprallen, um Penner versus Bessergestellte. Also erfand sie die Story von Andrew, der nach dem Tod seiner Familie in New York neu anfangen will. Und von den Pennern Cynthia, Ted und Leo. Die vier freunden sich an, wachsen zusammen. Doch das Glück hält nicht lang. Die erste Version des Musicals hatte Anna bald fertig – und schmiss sie nach zwei Wochen Bedenkzeit kommentarlos weg! Zu schnulzig und platt war ihr das alles. Also begann Anna von vorn und holte bald ihre Freundin Luisa Schmidt (18) ins Boot. Über die Sommerferien mailten die beiden eifrig hin und her. „Anna hat das Gerüst geschrieben, mit Regieanweisungen, Liedern und wer in etwa was sagt. Die Dialoge und Monologe habe ich dann ausformuliert“, erzählt Luisa.
Sie suchte in ihrer Jahrgangsstufe weiter, fand Tim und Tobias – aber einfach nicht den richtigen dritten Mann. „Irgendwann traf ich in der Pause Jan. Ich kannte ihn zwar kaum und hatte ihn noch nie singen gehört, aber ich habe ihn vom Fleck weg engagiert“, erzählt Anna. Jan Erdmann (19) war selbst „geschockt“ von dem Angebot; hatte er doch bisher nur in einem Mittelalterverein geschauspielert. Seine Rolle hat er vor allem übers Hören gelernt. Er überspielte sich alle Lieder des Musicals auf seinen MP3- Player und zog sie sich als Dauerschleife rein – sogar im Unterricht. Bei den Proben stellte sich dann heraus, dass Jan ein echter Glücksgriff war. „Wenn er als Penner um seinen toten Freund trauert“, schwärmt Ana, „schießen sogar mir die Tränen in die Augen – obwohl ich das Stück geschrieben habe!“ 19 Lieder selbst komponiert Die Lieder, die Jan und alle anderen singen, hat Anna daheim an der Gitarre komponiert. 19 Texte und Melodien hat sie geschrieben. Für „A Friend“ saß sie acht Stunden am Computer, um die Noten zu erstellen. „Living a life“ hingegen ist in einer Viertelstunde vor dem Fernseher entstanden. Wenn es mal hakte mit der Kreativität, stieg Anna aufs Fahrrad – und kam manches Mal zu spät zum Unterricht, wenn ihr auf dem Weg zur Schule etwas Brilliantes einfiel. Schauspieler, Chor, ein eigens gegründetes Musical-Orchester – damit allein ist die Aufführung aber noch nicht auf die Beine gestellt. Die zwei Kunst-Leistungskurslerinnen Johanna Karl (17) und Saskia Müller (18) boten sich an, das Bühnenbild zu malen. Sie zimmerten ein drei Meter hohes Gestell, bespannten es mit Stoff und bemalten es mit New Yorker Straßenmotiven. Auch die Requisiten haben sie besorgt und die Penner-Klamotten genäht. Außerdem hat die Schule ein ganzes P-Seminar für die Organisation des Musicals „abkommandiert“. Die Elftklässler haben Plakate gestaltet, Karten gedruckt oder helfen während den Aufführungen beim Szenenumbau. Inzwischen sind etwa 40 Schüler an der Vorbereitung des Musicals beteiligt – unter anderem fast alle aus dem Musik-Grundkurs von Sabine Zengler. Die Lehrerin unterstützte das Projekt von Anfang an, half beim musikalischen Finetuning des Orchesters. Deshalb drückt sie auch ein Auge zu, wenn vor der Premiere mal ihr Unterricht ausfällt. „Die Proben gehen vor“, findet die Lehrerin. Bei der ersten Generalprobe diesen Sonntag soll ja alles klappen – und bei den Aufführungen erst recht. Die letzte findet übrigens an Annas 18. Geburtstag statt. Ein Ende soll das aber nicht sein – sie schreibt schon an einem zweiten Musical. ANNIKA PEISSKER Das Musical „Grauzone: zwischen zwei Welten“ wird am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, 21. bis 23. April, jeweils um 19 Uhr im Altbau des Helene-Lange-Gymnasiums, Tannenstraße 19, in Fürth öffentlich aufgeführt. Karten für 3 Euro gibt’s an der Abendkasse.
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