| Mehr als nur ein Gotteshaus |
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Jeden Tag treffen wir mit Muslimen zusammen – in der Schule, im Sportverein, in der Straßenbahn, beim Dönerkaufen. Aber eigentlich wissen wir viel zu wenig über den islamischen Glauben, weil er im Lehrplan zu kurz kommt. Das finden zumindest die Schüler der Klassen 8a und 8c des Melanchthon-Gymnasiums Nürnberg. Also haben sie die Islamische Gemeinde Nürnberg besucht. Hier berichten sie von ihren Erlebnissen. Es ist Mittwochmorgen, kurz nach 9 Uhr. Tuschelnd stehen wir vor dem unscheinbaren Haus in der Hessestraße. Dieses ehemalige Lagerhaus für Möbel soll eine Moschee sein? Wir sind überrascht. Als wir das Gebäude der Islamischen Gemeinde betreten, haben wir nicht das Gefühl, in einem Gotteshaus zu sein. Eine Treppe führt in die oberen Stockwerke. Bevor wir hinaufgehen, müssen wir unsere Schuhe ausziehen. Hände und Füße waschen brauchen wir nicht. Das tun nur die Muslime vor dem Gebet. Bevor wir in den Gebetsraum gehen, besichtigen wir die der Moschee angeschlossenen Einrichtungen. In dem Gemeindehaus gibt es nämlich eine Teestube, eine islamische Bibliothek und einen Supermarkt speziell für Muslime. Sogar einen Fitness-Raum sehen wir – ausgestattet mit Dartscheibe, Boxsack und Laufrad. Jeden Samstag vier Stunden in der Islamschule Außerdem gehört zur Gemeinde eine Islamschule. Hier werden jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr etwa 150 Schüler unterrichtet. Dann lernen sie zwei Stunden Arabisch. Eine Stunde lang werden die Inhalte des Korans, der Heiligen Schrift des Islam, besprochen und aufgesagt. Und in einer weiteren Stunde geht es darum, wie man sich als Muslim im Alltag verhalten soll. Anschließend gibt’s Hausaufgaben für die Woche. Wenn ein Schüler etwas nicht verstanden hat, kann er am nächsten Samstag eine Stunde eher kommen und erhält Nachhilfe. Dann wäre er etwa fünf Stunden in der Islamschule. Eine ganz schön lange Zeit, um dem islamischen Glauben nachzugehen – vor allem verglichen mit unserem evangelischen Konfirmationsunterricht! Nun gehen wir in den Gebetsraum der Moschee. Und wir sind erst einmal überwältigt: So viel Schönheit hätten wir nicht erwartet. Uns fällt auf, dass kein einziges Bild des Propheten Mohammed oder anderer Menschen zu sehen ist – nicht wie in der christlichen Kirche, in der an jeder Wand mindestens ein Bild von Jesus oder diversen Heiligen hängt. Bilder sind tabu
Da Bilder tabu sind, ist die Moschee innen mit schönen Ornamenten und Sätzen aus dem Koran verziert. Rechts neben der Gebetsnische ist eine Inschrift in arabischer Schrift angebracht. Sie gibt dem Betenden Orientierung, denn es ist die erste Sure des Korans, die immer am Gebetsanfang gesprochen wird. Die Gebetsnische selber befindet sich an der Frontwand der Moschee. Man nennt sie Mihrab. Sie ist in Richtung Mekka ausgerichtet und in ihr sagt der Imam beim Vorbeten seine Worte. Links davon befindet sich eine Empore. Von dort wird zum Gebet aufgerufen, aus dem Koran vorgelesen oder gepredigt. Die Predigt, zu der jeden Freitagnachmittag etwa 400 Muslime kommen, findet auf Arabisch statt, wird aber ins Deutsche übersetzt. Der Boden der Moschee ist mit einem wunderschönen dunkelroten Teppich ausgelegt. Darauf sind goldene Säulen abgebildet, die jeweils eine Art Fenster abgrenzen. Diese „Fenster“ sind die Gebetsbereiche der Muslime. Jeder Gläubige betet in seinem eigenen Bereich. Die Jungs und Männer halten sich dabei vorn in der Moschee auf, die Frauen und Mädchen hinten. Um zu beten, nehmen Muslime eine bestimmte Stellung ein, die auch wir ausprobieren dürfen. Wir knien uns hin, legen Nase, Stirn und Kinn auf dem Boden ab und unsere Armen müssen den Teppich berühren. Ein bisschen unbequem ist das schon – aber wir sind es ja auch nicht gewöhnt. Übrigens gibt es in der Moschee keine Sitzgelegenheiten – außer für alte und kranke Muslime.
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