Kreative Kritik an Studiengebühren PDF Drucken

Antje Gothe (re.) und Nicole Daumann beim Fotoshooting für ihr PlakatNürnberger Schülerinnen gewinnen bei bundesweitem Plakatwettbewerb

Längere Laufzeiten von Atomkraftwerken, Überwachungsstaat, Studiengebühren und fairer Handel: alles Themen, die Jugendliche bewegen. Beim Wettbewerb „Zukunft plakativ – respect meets politics“ konnten junge Leute eigene Plakate gestalten, die nun für zehn Tage öffentlich in Berlin aushängen. Natürlich im Regierungsviertel, damit die Botschaft auch die Politiker erreicht. Unter den fünf Gewinnermotiven ist das Plakat von Antje Gothe und Nicole Daumann. Beide sind Absolventinnen des Gestaltungszweigs der Lothar-von-Faber-Fachoberschule in Nürnberg.

„Eigentlich wollten wir erst eine Gogo-Tänzerin nehmen“, sagt die 21-jährige Antje und schmunzelt. Nun schmückt eine Prostituierte das provokante Plakat von Antje und ihrer 22-jährigen Mitgestalterin Nicole. „Mein Studium kostet mich meine Unschuld – Bildung darf keine Geldfrage sein“, steht auf dem Motiv. Es geht um die Frage, wie sich junge Leute ihr Studium finanzieren. „Das Thema war relativ schnell klar, denn es war uns wichtig. Studiengebühren werden uns ja auch bald betreffen“, sagt Nicole. Die beiden Mädels haben gerade ihre Abschlussprüfungen an der FOS geschrieben. Gerne würden sie danach studieren. Aber sie zweifeln, ob sie sich das leisten können.

Plakat als provokante Plattform


Ihr Sozialkundelehrer stellte die Idee des Plakatwettbewerbs von respect.de, der Jugendcommunity der Aktion Mensch, in der Klasse vor. „Im ersten Moment hat das halt der Lehrer vorgeschlagen, aber nach einer Weile waren wir begeistert“, erzählen Antje und Nicole von ihrem Projekt.

Idee und Umsetzung waren schließlich so gut, dass sie in eine Vorauswahl von 50 Plakaten kamen und auf dem Online-Portal zu den best- und meistbewerteten Motiven zählten. Eine Jury kürte ihr Plakat zum Thema Studiengebühren schließlich zu den fünf besten.
Dennis Werner, Geschäftsführer der Werbeagentur SelectNY Berlin, hat die Gewinner mit ausgewählt: „Die Jugendlichen sollten eine Plattform bekommen, um sich gestalterisch auszudrücken – gerne auch zynisch oder lustig, zu einem Thema, das sie bewegt.“

120 großflächige Plakate der fünf Gewinnermotive hängen nun für zehn Tage in Berlin aus: „Für die jungen Macher ist es die Gelegenheit, etwas auf die Straße zu bringen“, sagt Werbemann Werner dazu. Deshalb waren die jungen Gewinner des Wettbewerbs im Mai ein Wochenende lang in Berlin, wo ihre Motive von Profis überarbeitet wurden.

Auch das Plakat von Antje und Nicole hat sich dort verändert. „Erst hatte eine Bekannte von mir für das Bild posiert. Die ist immer für einen Spaß zu haben“, erzählt Nicole, die das Ursprungsfoto aufgenommen hat und gerne Fotografin werden würde. Antje dagegen kann sich gut vorstellen, später in einer Werbeagentur zu arbeiten.

Die Erfahrung in Berlin fand Antje „sehr interessant“. Allerdings ist sie etwas enttäuscht, weil das fertige Plakat jetzt „ein ganz anderes Motiv ist“. Ursprünglich wollte Antje nächste Woche mal nach Berlin fahren. „Aber der persönliche Eindruck fehlt jetzt, es ist ja nicht mehr unsere Arbeit.“
Stattdessen wartet sie auf die Ergebnisse ihrer Abschlussprüfungen und hofft – genauso wie Nicole – ab Oktober an der Ohm-Hochschule in Nürnberg Design studieren zu können, trotz Studiengebühren, aber mit der Unterstützung ihrer Eltern.

JOHN HENNIG


Infos zum Wettbewerb findet ihr unter: www.respect.de

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