Statt Zivildienst ab auf den Sportplatz PDF Drucken

Eva Kohl macht FSJ im Sportverein - als Lehrerin für Trampolinspringen.Museum, Sportverein, Natur: Für das Freiwillige Soziale und Ökologische Jahr gibt es viele Einsatzstätten

Kliniken, Altenheime oder Kindertagesstätten — das sind die Einsatzorte, an die man im ersten Moment denkt, wenn es ums Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) geht. Doch mittlerweile gibt es immer mehr (ungewöhnliche) Möglichkeiten, das Übergangsjahr nach der Schulzeit sinnvoll zu nutzen.

Sidney Sauer und Patrick Rösch arbeiten seit vorigem September im Nürnberger Doku-Zentrum. Sie beraten Besucher, helfen bei der täglichen Arbeit führen auch mal kleine Gruppen. „Wir teilen uns die Arbeit im Zwei-Wochen-Takt“, erzählt der 21-jährige Patrick, „eine Woche im Büro, eine Woche im Foyer.“ Doch Sidney und Patrick sind keine Praktikanten oder Studentenjobber, sondern befinden sich in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr.

 

Sidney Sauer und Patrick Rösch absolvieren ihr FSJ im Doku-Zentrum in Nürnberg.Beide junge Männer bezeichnen sich als geschichtsinteressiert, ab Oktober wollen sie in Erlangen studieren. Da lag es nahe, im Doku-Zentrum anzufragen, ob sie hier eine Ersatzleistung für den Zivildienst absolvieren könnten – um so die Zeit bis zum Studium zu überbrücken.

„Ich habe das eher zufällig erfahren, als ich im Internet einen Zivildienstersatz gesucht habe“, erzählt der 22-jährige Sidney. Patrick war da zielstrebiger: „Nachdem ich gemustert wurde, bin ich einfach zum Doku-Zentrum gefahren und habe gefragt, ob ich dort was machen kann.“

Freiwillig im Heimatverein

Das Doku-Zentrum ist bei weitem nicht die einzige ungewöhnliche Einrichtung, wo Jugendliche mittlerweile ihr FSJ verbringen können. Auch Sportvereine bieten solche Plätze an – und die sind beliebt. Mehr als 300 Teilnehmer sind derzeit in Bayern aktiv, vermittelt von der Deutschen Sportjugend. Natalie Miklis ist für die Bayerische Sportjugend in Mittelfranken verantwortlich (Träger der sportlichen Einsatzstellen ist die Bayerische Sportjugend) und betreut hier 50 junge Leute, davon 35 Mittelfranken.

Zwei davon sind Eva Kohl und Simon Hack. Beide bekommen monatlich knapp 300 Euro „Taschengeld“. Hockeyspieler Simon ist seit 16 Jahren bei der Hockey-Gesellschaft NürnSimon Hack ist Sport-FSJler und trainiert Hockeymannschaften von Kindern und Jugendlichen.berg (HGN) aktiv und hat dort auch schon früher Kinder- und Jugendmannschaften trainiert. Insofern knüpft das Sport-FSJ nahtlos an seine Erfahrungen an. Neben seiner Trainertätigkeit bei der HGN hat Simon auch Projekte an Grundschulen oder am Nürnberger Scharrer-Gymnasium betreut: „Ich finde die Lösung mit dem FSJ sehr angenehm, das Jahr ist eine schöne Erfahrung, aber auf Dauer wäre das eher nichts für mich.“ Nach dem FSJ will der 22-jährige Simon in Erlangen eine Ausbildung zum Physiotherapeuten anfangen.

Eva ist eine der wenigen weiblichen Sport-FSJlerinnen: „Ich wusste noch nicht genau, was ich studieren will“, sagt die 20-Jährige aus Hannberg bei Röttenbach. Dort ist sie als Trampolintrainerin im Einsatz — in der Volksschule und in ihrem Heimatverein: „Ich bin dort, seit ich vier war. Deshalb wusste ich, wie alles läuft.“

Sabine Kraus in der freien Natur: Sie macht ein freiwilliges ökologisches Jahr für das Landratsamt Erlangen-Höchststadt.Wichtig war für Eva die Kooperation mit der Volksschule, wo sie auch mal bei Theateraufführungen, bei der Klassenzeitung oder bei den Hausaufgaben hilft. Gerade diese Erfahrung hat sie vorangebracht: „Ich weiß jetzt, dass ich eher kein Grundschullehramt, sondern lieber Psychologie oder Sozialpädagogik studieren werde“, sagt Eva, „ich verstehe mich sehr gut mit den Jugendlichen.<NO1>In sozialen Studiengängen wird das FSJ als Praktikumsjahr anerkannt, erzählt Regina Grünauer vom Haus Eckstein, den Freiwilligen Sozialen Diensten Nordbayern. Einer der größten Träger in Bayern ist der Internationale Bund Freiwilligendienste. Hier werden jedes Jahr rund 300 Plätze vermittelt, davon auch 70 ins Ausland. „Mittlerweile ist jeder fünfte FSJler bei uns männlich“, sagt Dorothea Haas.“

Sabine Kraus hat mehr mit der Natur als mit Menschen zu tun. Sie hat sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Landratsamt Erlangen/Höchstadt entschieden: „Als fertige Gärtnerin bin ich eher untypisch im FSJ, weil es für mich kein Findungsjahr ist.“ Sabine wollte „aus Interesse noch was anderes sehen, bevor ich mich ins Berufsleben stürze“. Die 24-jährige Erlangerin fand ihr Jahr super interessant, „vor allem, weil ich Ecken im Landkreis entdeckt habe, die ich noch gar nicht kannte“. Im Außendienst hat sich Sabine mit Emissions-, Gewässer- und Naturschutz beschäftigt. <NO1>Seit 2002 klärt der Paragraph 14c des Zivildienstgesetzes, dass entweder ein FSJ oder FÖJ als äquivalenter Ersatz abgegegolten werden kann: <NO>Vor zehn Jahren haben noch 50 Jugendliche in Bayern am FÖJ teilgenommen, heute sind es bereits 200, verteilt auf drei Träger. Und noch sind sicher nicht alle möglichen Einsatzstellen ausgereizt.

JOHN HENNIG

Weitere Infos zum FSJ und FÖJ findet ihr im Internet unter www.fsj.bayern.de, www.bsj.org und www.foej-bayern.deErste Berufserfahrungen sammeln und den Berufswunsch überprüfen – dafür ist das Freiwillige Soziale bzw. Ökologische Jahr (FSJ/FÖJ) gedacht. Positive Nebeneffekte: Ein solches Jahr gilt als Ersatz für den Zivildienst (§14c des Zivildienstgesetzes). Und es kann als Praktikum angerechnet werden, etwa bei der Bewerbung um ein Studium. Das FSJ/FÖJ dauert in der Regel zwölf Monate und beginnt jährlich am 1. September, ein Zwischeneinstieg ist möglich. Auch jetzt könnt ihr euch noch für ein Freiwilliges Jahr ab diesem September bewerben; die meisten Einrichtungen haben ihr Kontingent noch nicht ausgeschöpft. Das FSJ/FÖJ kann nur bei einem zugelassenen Träger geleistet werden. Der entscheidet, wo ihr eingesetzt werdet. Der Lohn ist geringer als bei Zivildienstleistenden; dafür gibt’s in der Regel eine Aufwandsentschädigung. Wer ein FSJ/FÖJ machen will, kann sich zum Beispiel an den Internationalen Bund Freiwilligendienste, das Bayerische Rote Kreuz, die Evangelische Jugend in Bayern, das Diakonische Werk Bayern oder die Bayerische Sportjugend wenden.

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