Auf dem Motorrad ist Lisa eine Exotin PDF Drucken

Bald beginnt Lisa ihre Ausbildung – und um dann mobil zu sein, macht die 16-Jährige einen Motorrad-Führerschein. Fotos: Petra SchlierfSeit man mit 17 Autofahren darf, macht kaum mehr jemand den Roller-Führerschein

Auf zwei Rädern und Motor durch Bayern brausen – das war noch vor ein paar Jahren der Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit für viele Jugendliche. In den vergangenen fünf Jahren wagen sich aber immer weniger an die Führerscheinklassen für Motorrad und Roller heran. Obwohl man beide Scheine bereits mit 16 Jahren machen darf, scheuen heute viele junge Leute die Zeit und die Kosten.

 

 

Mit der Maschine um ein paar Warnhütchen zu kurven, das kann ja nicht allzu schwer sein. Das könnte man zumindest meinen, wenn man Lisa Kerl bei der Motorrad-Fahrstunde beobachtet. In Wirklichkeit ist es allerdings gar nicht so einfach, dass die 16-Jährige die Maschine beherrscht und nicht umgekehrt.

Nur noch ein paar Fahrstunden bleiben ihr bis zum Tag der Prüfung, aber Spaß macht es schon jetzt, Fahrluft zu schnuppern: „Meine älteren Geschwister fahren auch beide Motorrad, da bin ich sozusagen vorbelastet.“

Pragmatischer ist da schon ihr zweiter Grund, sich für den Führerschein A1 zu entscheiden: „Im Herbst fange ich eine Ausbildung als Metzgereifachverkäuferin an und irgendwie muss ich ja zur Arbeit kommen.“ Sagt’s und schlüpft gleich wieder in den Helm, um weiter zu üben.

Ist Lisa also eine der wenigen – noch dazu ein Mädchen – die dem „Tod des Zweirads“ trotzen? Oder ist alles gar nicht so dramatisch?

43 Prozent weniger Schüler

Ihr Fahrlehrer Manfred Schreiner ist sehr zufrieden damit, wie Lisa Slalom durch die Kegel fährt. Fotos: Petra SchlierfDie Zahlen des Landesverbands Bayerischer Fahrlehrer sind eindeutig, wie dessen Vorsitzender Walter Weißmann sagt: In den Jahren von 2006 bis 2009 haben 21 Prozent weniger Fahrschüler den A1-Führerschein gemacht als zuvor. Beim Roller- und Moped-Schein M gab es sogar einen Rückgang um 43 Prozent.

Diese Statistik kann er sich auch gut erklären: „In meiner Jugend hat das Motorrad einfach dazugehört. Heute geben die jungen Leute ihr Geld lieber für Handys oder Computer aus.“

Der weitaus größere Gegner der „kleinen“ Führerscheine sei allerdings die Einführung des so genannten „Begleiteten Fahrens mit 17“, kurz B17. Dabei darf man schon mit 17 Jahren selbst hinters Steuer eines Autos – allerdings nur in Begleitung einer Aufsichtsperson. Deshalb lassen viele lieber noch ein Jahr vergehen, bis sie alt genug für B17 sind, und sparen sich die Kosten für die Zweiradausbildung.

So auch Andreas Heilmann, der gerade in Nürnberg aus seinem Fahrschul-Auto klettert. Er hat sich ganz bewusst gegen eine Führerschein der Klasse A1 oder M entschieden: „Bis ich 17 geworden bin, brauchte ich keinen Führerschein. Ich kam immer ganz bequem mit dem Bus zur Schule. Und nur um cool zu sein, brauche ich auch keinen Roller.“

Den Führerschein für das begleitete Autofahren fand er aber verlockend, weil er sich da schon mal Straßenerfahrung holen kann, ohne gleich allein im Auto zu sitzen. Wie so oft liegt die Wahrheit also irgendwo dazwischen. Lisas Fahrlehrer Manfred Schreiner wacht derweil strengen Blickes über ihre Slalom- und Bremsübungen, während er sich laufend neue Aufgaben überlegt und fleißig Tipps gibt.

Auch er merkt, dass A1 und M nicht mehr so gefragt sind. Doch bei seiner Land-Fahrschule in Mühlhausen bei Neumarkt sei es nicht ganz so drastisch: „In den großen Städten hat man eben viel bessere Möglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf dem Land kommen viele sonst gar nicht zur Arbeit oder Schule.“

Zweimal Fahrschule ist teuer

Finanziell lohne sich zumindest die Klasse M nicht für jedermann, meint Schreiner. Gut 800 Euro kostet die Ausbildung. Für A1 ist locker das Doppelte fällig. Die Autoklassen B und B17 liegen bei etwas 2000 Euro – und wer diese Prüfung geschafft hat, bekommt die Fahrerlaubnis für die Klasse M quasi gratis dazu. Allerdings, so Fahrlehrervorstand Weißmann, ist seit Einführung der B17 die Zahl der verunfallten Roller-Fahrer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren um 62 Prozent gestiegen.

PETRA SCHLIERF

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