| Sogar Fehler kann man in Szene setzen |
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Hier berichten die acht Teilnehmerinnen der Opern-Jugendakademie, wie sie ihre eigene „Iphigénie en Tauride“-Vorstellung erarbeitet haben: Am Anfang waren wir ein recht schüchterner und etwas verlorener Haufen. Aber nach und nach tauten wir auf – bis wir bei der Abschlusspräsentation alles aus uns herausholten. Halt! Stopp! Klischee! So haben wir garantiert nicht angefangen! Denn bereits bei den ersten Kennenlernspielen haben wir voll auf die Pauke gehauen und uns zum Beispiel hemmungslos angeschrien, als wir die Emotion Wut darstellen sollten. Die Arbeit an unserem Stück „Ich bin Iphigenie, du auch“ begann damit, dass wir uns die Textgrundlage, Goethes „Iphigenie auf Tauris“, genau durchlasen. Danach half uns die Theaterpädagogin Gudrun Bär, unsere eigene Iphigenie zu finden. Mittels einer Rollenbiografie analysierten wir Iphigenies Leben, ihre Situation, ihr Einstellungen. Wir lernten, wie facettenreich Iphigenie ist. Tanja empfand Iphigenie als Heldin – da sie den Mut bewies, die Menschenopfer in Tauris abzuschaffen. Nach Susannas Ansicht übernahm Iphigenie von allen Personen des Stücks die meiste Verantwortung. Und Caro empfand sie eher als Frau voller Sehnsucht. Tokio Hotel vs. Klassik Diese unterschiedlichen Iphigenies versuchten wir dann, in kurzen Theater- und Gesangsstücken umzusetzen. Dazu stand Gesangsunterricht mit Sophia Lierenfeld auf dem Plan. Wir probten kleine Ausschnitte aus der Gluck-Oper. Und für das Ende unserer Vorstellung fügten wir den Tokio-Hotel-Song „Ich brech aus“ ein – als modernen Kontrast zur Opernmusik. Damit wir auf der Bühne nicht gelangweilt herumstehen, erarbeiteten wir mit Beate Höhn kleine Choreografien. Dabei wurden wir so richtig gefordert: Wir rannten hysterisch schreiend umher, lachten, ließen uns zu Boden fallen. So haben wir erfahren, dass der Begriff Choreografie nicht nur für „normale Tanzschritte“ steht, sondern die Bewegungslehre für die Bühne bezeichnet, die sogar akrobatische Elemente beinhaltet. In unser Inszenierung haben wir sogar absichtliche Fehler eingebaut. So hat Linh plötzlich auf Vietnamesisch gesprochen – als ob sie ihren deutschen Text vergessen habe. Für Beate Höhn war das völlig okay – sie nannte es, „einen Fauxpas inszenieren“. Es war für uns sehr ungewöhnlich, dass wir so ausflippen durften! So verging Tag für Tag, und ehe wir uns versahen, stand unsere Abschlusspräsentation bevor. „Wow!“ schoss es uns durch den Kopf, als wir zur Generalprobe in den Glucksaal kamen. Dieser war uns zwar als Pausenraum bekannt. Doch nun war er eindeutig ein Aufführungssaal: Die schweren roten Samtvorhänge vor den Glastüren waren zugezogen. Das gedimmte Licht der zwei riesigen Kristallkronleuchter erzeugte eine feierliche Stimmung. Und erst die Scheinwerfer! Für Lampenfieber hatten wir keine Zeit mehr. Schon setzte die Musik der Ouvertüre ein und wir versanken völlig in unseren Rollen. Wir spielten in wunderschönen weißen Kleidern unsere erarbeiteten Szenen, tanzten die Choreografien und sangen. Als nach dem letzten Lied der Beifall ertönte, war es, als ob wir aus einer anderen Welt zurück in die Gegenwart geholt wurden. SUSANNA KRESS, TANJA HOHENSTEIN
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