V/A: Funky Fräuleins PDF Drucken

 Reinhören lohnt sich - in den Sampler mit den vielen Fräuleins. Foto: PR

Mit Funk, Beat und dem Rohrstock gegen das Hausfrauen-Dasein

„Booty shaking beats" sollen Hildegard Knef und Vicky Leandros in den 1970ern produziert haben, steht zumindest auf dem farbenfrohen Cover des gewagten Samplers „Funky Fräuleins" (Bureau B/Indigo). Wenn die wüssten...

Wir wollen mal hoffen, dass den Machern ein ironisches Augenzwinkern nicht fremd ist – dann lohnt sich das Reinhören in dieses absurde Machwerk des aufkeimenden Feminismus in der Sangeswelt aber durchaus. „Mein Mann putzt schon sein Gewehr, ich muss schneller sein als er", singt dort eine Dame mit dem schönen Namen Topsy Küppers, „Sie jagt ihre Zähne ziemlich tief in deine Vene", warnt Su Kramer in „Die Grüne Witwe".

Schlichtweg ein Erlebnis ist Olivia Molinas „Das Zahlenspiel". Wie eine gestrenge Rohrstock-Lehrerin rattert sie mit rollendem R die Rechenaufgaben herunter. Den ehemaligen Mathematik-Professor, dem der anspruchsvolle Text gewidmet ist, wird’s freuen. Und alle: „Ziehe die Wurzel darauuuuuuus!"

Herrlich naiv und sorglos swingt dagegen Evelyn Künneckes „Kikilala Hawaii" dahin. Dahingeschnoddertes Berlinerisch gepaart mit Nonsens-Lyrik à la „Hula Kakao". Ganz so unbedenklich ist das aber nicht: Künnecke sang im Zweiten Weltkrieg in der Propaganda-Kapelle „Charlie and His Orchestra", im Volksmund bekannt als „Mr. Goebbel's Jazz Band".

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MARTIN MÜLLER

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