Editors: In This Light And On This Evening PDF Drucken

Sie sind die Könige des Synthesizers und legen hiermit ihr drittes Album vor: Editors. Foto: PRKönige des Düster-Pops wagen Experimente

Eines vorneweg: Wer den Klang von Synthesizern ebenso hasst wie andere die allgegenwärtigen Panflöten in den deutschen Fußgängerzonen, ist bei den Editors vollkommen falsch. Die Editors sind die Könige der Synthesizer.

 

Schon zu Beginn ihres dritten Albums „In This Light And On This Evening“ (Pias/Rough Trade) legen sich die Synthies beim Titeltrack wie ein tröstender Mantel um den spätestens seit dem Drücken der Play-Taste melancholischen Hörer. Wie die Orgel bei einer Totenmesse weisen sie ein in die unheilvolle Welt der Editors. Bei dem mystischen Sprechgesang kann man sich gut vorstellen, wie sie mit schwarzen Kapuzen und gesenktem Haupt einer feierlichen Graböffnung beiwohnen – zumindest, wenn die Fantasie mal wieder mit einem durchgeht.

Wer es noch erraten haben sollte: Die britischen Band Editors hat ein großartiges Album abgeliefert. Wenn auch ein etwas überraschendes. Statt die immer gleichen düsteren Pfade von Kollegen wie Interpol zu wandern, haben sie sich zu einem vielseitigeren, experimentelleren Ansatz entschlossen. Die Konsequenz: Die Songs sind diesmal nicht nur grandios, sondern auch voneinander unterscheidbar. Allen voran natürlich die Single „Papillon“, ein 80er-Jahre-Disco-Stampfer mit unwiderstehlicher Melodie, die das Album endgültig aus der Mittelmäßigkeit katapultiert und nicht nur finstere Gestalten über die Tanzfläche huschen lässt.

Bei dem himmlischen, ungemein euphorisierenden Background-Gesang von „You Don’t Know Love“ wirbelt man endgültig glückselig im ewigen Strudel der Schwermut. Zugegeben, dieser Satz wimmelt nur so von Widersprüchen, aber diese Platte eben auch. Wer sich dezent weigert, die Texte zu verstehen, kann übrigens auch ein paar sehr fröhliche Momente erleben. Zum Beispiel den schräg vor sich hinwatschelnden Beat von „Eat Raw Meat = Blood Drool“ (nun ja ...) oder den fast schon schrullig-kratzigen Lo-Fi-Pop von „The Boxer“. Alles garniert natürlich mit einer gewaltigen Portion Pathos.

Unsere Bewertung:

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MARTIN MÜLLER

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