| Sebastian Krumbiegel: Tempelhof |
|
|
|
Wenn man sich über Sebastian Krumbiegel informiert, könnte man meinen, der Prinzen-Sänger auf Solo-Pfaden wäre so etwas wie der Bono der deutschen Musik-Szene. Denn ähnlich wie der U2-Frontmann setzt sich auch der ehemalige Leipziger Chorknabe gegen Gewalt und Rassismus ein, unterstützt Kampagnen gegen Landminen und erhebt die Stimme gegen die Armut. Seltsam nur, dass genau diese Stimme auf seinem dritten Solo-Album „Tempelhof“ (Edel Entertainment) zum blutleeren Stimmchen verkümmert. Nicht nur, dass die prinzentypischen Harmoniegesänge fehlen, auch Krumbiegel selbst ähnelt eher einem seichten Schlaflied-Onkel als einem Vokalvirtuosen. Er gibt sich als erbarmungsloser Gutmensch, der seine Botschaften aber so platt in die Songs packt, dass sie kaum als Ansporn oder Denkanreiz dienen, sondern eher als Anlass zum Fremdschämen. Textzeilen wie „Sei mein Freund. Lieb mich, wie ich bin“ würden wohl nicht einmal Silbermond singen, ohne rot zu werden. Noch schlimmer kommt es in dem einfallslosen Stampfer „Am Limit“: „Sie hat keine Lust mehr auf euren Krieg, […] auf eure Doppelmoral, das ist assozial“, singt er da uninspiriert. Dennoch: Die gute Absicht kann man Krumbiegel wohl kaum absprechen. Umso bedauerlicher ist es aber eben, dass er diese nicht in guten Songs unters Volk bringt. Immerhin: „Es wird wärmer“ deutet an, was möglich gewesen wäre. „Wir fliegen“, singt Krumbiegel darin und strahlt in diesem hoffnungsfrohen, gefühlvollen Liedchen eine Leichtigkeit aus, die auch dem Rest des Albums so gut getan hätte. Das hier Geschriebene muss man natürlich nicht alles glauben. Man kann sich auch selbst vom Gegenteil und dem Hit-Potenzial von „Tempelhof“ überzeugen. Denn wie singt Krumbiegel auf seinem neuen Album: „Das steht alles in der Zeitung, aber das ist längst nicht alles wahr.“ Unsere Bewertung:
MARTIN MÜLLER
3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."
|
.gif)





Musik 

Seichte Popmusik, die die Welt retten will
